Der Kampf der Stralsbacher gegen das von der Gemeinde geplante Industriegebiet am Poppenrother Berg geht in die nächste Runde. Sechs Aktivisten der Interessengemeinschaft (IG) Stralsbach haben zwei drei mal fünf Meter große Protestbanner mit Hilfe eines Gerüstes an der Bundesstraße 286 aufgestellt. So kann jeder Kraftfahrer, egal ob aus Richtung Lauterer Kreuzung oder entgegengesetzt aus Poppenroth kommend, die Botschaft "Industriegebiet Stralsbach Nein Danke" sehen.


Einschränkungen befürchtet

Damit wollen die Bewohner einerseits auf die Problematik aufmerksam machen und andererseits ihrem Protest gegen die Pläne der Gemeinde mehr Ausdruck verleihen. Gut eine Stunde haben die sechs Aktivisten gebraucht, um das Ganze aufzubauen. Die Fläche, auf dem das Gerüst samt Banner steht, befindet sich direkt neben dem künftigen Industriegebiet und gehört laut IG einem Stralsbacher, der darauf Weizen anbaut. Fraglich ist, wie lange er das noch kann. Die Bewohner befürchten durch die Ansiedlung von Industriebetrieben enorme Lärm-, Schmutz- und Geruchsbelästigung sowie eine Beeinträchtigung von Natur und Landschaft. Deshalb hat sich bereits die Mehrheit der 533 Einwohner Stralsbachs schriftlich gegen die Pläne der Gemeinde ausgesprochen. Sie bevorzugen vielmehr ein Gewerbegebiet auf der Fläche, nicht zuletzt, da in einem solchen deutlich niedrigere Immissionswerte gelten und nachts nicht gearbeitet werden darf. Um die geplante Nutzung durch Industriebetriebe zu verhindern, müsste der Gemeinderat eine Änderung des Flächennutzungsplans beschließen. In diesem ist das Areal, das in Flurkarten als "Gemeindehäg" eingetragen ist, bereits seit Mitte der 1990er-Jahre als Industriegebiet ausgewiesen.
Bis Ende April lag der aktuelle Entwurf für den Bebauungsplan des Industriegebietes öffentlich im Burkardrother Rathaus aus. Mehr als 450 Einwände haben die Stralsbacher und ihre Interessengemeinschaft eingereicht. Bei deren Übergabe hatte der Zweite Bürgermeister Daniel Wehner davon berichtet, dass geplant sei, die Einwände in einer Gemeinderatssitzung öffentlich vorzustellen. Doch einen Termin dafür hat Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) noch nicht genannt.
Sollten die Stralsbacher mit ihren Protestaktionen und Einwänden nichts erreichen, werden sie den nächsten Schritt gehen, versicherte Berthold Kröckel von der IG Stralsbach. "Dann werden wir ein Bürgerbegehren starten", sagte er.