Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat einem Ruhestandspfarrer aus dem Landkreis per Dekret die Ausübung aller priesterlichen Dienste untersagt. Außerdem muss der 80-jährige gebürtige Oberschlesier das bisher von ihm bewohnte Pfarrhaus in einem Bad Kissinger Stadtteil räumen. Sogar der Aufenthalt in den Pfarreien des Dekanats Bad Kissingen wird ihm untersagt.
Der Generalvikar und frühere Bad Kissinger Stadtpfarrer Thomas Keßler hatte einen entsprechenden Schritt bereits bei einem Gespräch in der betroffenen Pfarrgemeinde am 9. Mai angekündigt. Schriftlich informierte er Dekan Stephan Hartmann (Burkardroth) und Pfarrer Gerd Greier (Bad Kissingen) aber erst am 6. Juni, gestern wurde das Dekret öffentlich gemacht.
Gegen den Ruhestandspfarrer läuft seit 11. November 2015 eine kirchenrechtliche Voruntersuchung. Ihm wird vorgeworfen, vor mehr als 40 Jahren während seines Wirkens in Polen eine Minderjährige über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Professor Klaus Laubenthal, Missbrauchsbeauftragter in der Diözese Würzburg, berichtete in seinem im März veröffentlichten Jahresbericht, dass der Ruhestandspfarrer den Vorwurf weitgehend eingeräumt und sich dafür entschuldigt habe (wir berichteten). Die kirchliche Voruntersuchung steht laut Ordinariat kurz vor dem Abschluss. Das Ergebnis gehe zur Prüfung an die römische Glaubenskongregation. Zudem habe sich der Priester bei den staatlichen Behörden selbst angezeigt. Allerdings dürfte hier - im Gegensatz zum Kirchenrecht - die Verjährung greifen.


Verbot seit kurz vor Ostern

Vor Ort sprachen am 9. Mai Generalvikar Keßler, Diözesanrichter Klaus Schmalzl und Schwester Dagmar Fasel, Präventionsbeauftragte der Diözese Würzburg, mit Vertretern der kirchlichen Gremien und Pfarreien. Dabei war auch Thema, dass sich der Geistliche nicht an ein kurz vor Ostern ausgesprochenes Verbot hielt und in seiner ehemaligen Gemeinde im Dekanat Hammelburg einen Gottesdienst zelebrierte. Aber: "Nach unserem Wissen hält er sich mittlerweile an das Verbot", sagte Bernhard Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg, auf Nachfrage. Und weiter: "Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Dekrets ändert nichts an dem bisher schon mündlich ausgesprochenen Verbot. Es unterstreicht dieses nochmals."
Das Dekret sei eine Maßnahme, die dem Bischof bereits vor Abschluss der kirchenrechtlichen Voruntersuchung möglich ist, sagt Schweßinger weiter: "Die Entscheidung der römischen Glaubenskongregation steht noch aus." Nach Informationen aus seinem aktuellen Wohnort laufen die Vorbereitungen für seinen Umzug bereits: "Der Ruhestandspriester hat sich selbst um seinen zukünftigen Ruhesitz gekümmert. Er wird in ein Seniorenwohnheim außerhalb des Dekanats Bad Kissingen ziehen", berichtet Schweßinger, der von einem Umzug "in Kürze" spricht.
Laut der Ortssprecherin des Stadtteils habe das Gespräch Anfang Mai zur Beruhigung beigetragen. Laut dem neuen Bad Kissinger Stadtpfarrer Gerd Greier und dem Bürgermeister der ersten Station des 80-Jährigen in Deutschland gibt es aus beiden Wirkungsstätten keinerlei Anhaltspunkte mehr für sexuelle Übergriffe.