Nicht ohne weitere Zugaben durfte sich der beliebte Kabarettist Peter Vollmer von der Bühne verabschieden. Das Wasserhaus war mit rund 150 Gästen voll besetzt. Mit seinem Soloprogramm "Wenn Männer zu sehr 40 werden" traf Vollmer ins Zentrum der älter gewordenen Männerseelen.

Kulturbunt hatte eingeladen und viele Gäste kamen. Das war schon eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung anhand der ausgeschöpften Parksituation rund um das Wasserhaus zu erahnen. Martina Bay brauchte nicht viele Worte, um den Kabarettisten aus dem Kölner Raum anzukündigen. Zwei Stunden lang genossen die Zuhörer Vollmers recht zynische Betrachtungen über die Männerwelt aus dem zweiten Teil des Lebensalters, angefangen von der so genannten Midlife-Krisis bis hin zum vorgerückten Seniorendasein.

"Vollmer hält mir den Spiegel vor meine Augen", fühlte sich Zuhörer Olaf Menke ertappt. Die Zielgruppe über 40 saß mehrheitlich im Publikum. Irgendwo mit der Konstitution zwischen Ironman und Pflegefall, aber mit verbaler Sitzheizung auf hoher Stufe fühlte diese Zielgruppe Feuer unter dem Allerwertesten. Ja, Vollmer scheute nicht vor unbequemen Erkenntnissen zurück und brachte jene verdrängten Dinge auf den Punkt, die unterschwellig in den Männern vom Alter über 40 schon lange vor sich hin dümpeln. "So schlimm ist es nicht mit uns Älteren", fühlte sich Zuhörer Thomas Ruser angesichts Vollmers kabarettistischer Übertreibungen gleich noch ein Stück jünger.


Sport und Essen


Das Elend der Älteren fange beim Essen an und höre beim Bewegungssport auf, ließ Vollmer seinen Blick über Vegetarier, Veganer, Laktose- und Brot-Freie gleiten. Die Kinder dieser Gesundheitsbewussten hätten unter ungesüßten Dinkelwaffeln gleich mitzuleiden. Mit der Gitarre begleitete er sein Lied über das Thema "Was kann man noch essen?".

Vollmers kabarettistische Seitenhiebe erhielten auch jene "Schneckenstecher" vom Nordic-Walking, die als Krampfadergeschwader durch die Parkanlagen stöckeln und sich jetzt schon an das Gehen am Stock im vorgerückten Alter gewöhnen wollen. Dann doch lieber einen High-Tech-Hometrainer im Keller haben und ihn als Kleiderständer für die ausgebeulte Trainingshose von ehedem benutzen.


Lokale Punktlandungen


Spätestens bei Exkursen in die Müslizeit zu den Ökoläden der 70-er Jahre, beim Kampf mit WG-Hefeteig Hermann und beim Spottlied über die Grünen aus der Gründungszeit dieser Partei traf Vollmer ins Nervenzentrum. Denn dies veranlasste Annemarie Fell, spontan unter großem Beifall und Gelächter der Zuschauer die Bühne zu stürmen und die Grünensituation von heute wieder gerade zu rücken.

Unbewusst hatte Vollmer bei seiner demographischen Betrachtung über den allgemeinen deutschen Geburtenrückgang eine weitere Punktlandung in Hammelburgs katholischem Kirchenbereich zu verzeichnen. "Nur der Vatikan hat weniger Nachwuchs", meinte Vollmer und formulierte das Wort "Zöli-Batman". Offensichtlich nicht wissend, dass es hier seit Michael Sell eine katholische Kirchenbewegung von unten zum Thema Zölibat gibt.


Trottel-Triathlon


Freilich kam der Kabarettist auch auf die im Alter nachlassende Potenz der Männer zu sprechen und reichte Dopingpflaster mit Testosteronwirkung als Empfehlung seines Arztes weiter. "Vibratoren schnarchen nicht", gab Vollmer seinen Tipp an die Frauenwelt und meinte unverblümt: "Alte Scheunen brennen gut". Immerhin könne der gealterte Mann mit der Disziplin "Trottel-Triathlon" noch seine Zuneigung durch Küssen, Streicheln und Schmusen leisten.

Unterschiede zwischen Bayern und Franken zeigte Vollmer als Lederhosen-Aborigine mit Rappermütze und Gitarre singend auf. Auf Englisch bedeutet "BAD" schlecht. Auf Deutsch ist BAD die Bezeichnung für einen anerkannten Bäderort. Unter dieser Doppeldeutigkeit hatten in Vollmers Lied Bad Tölz und Bad Wörishofen zu leiden, es hätten auch die Bäder aus dem Landkreis Bad Kissingen sein können.

"Ich wurde hier sehr freundlich empfangen und habe tagsüber einen Blick auf das schöne Hammelburg werfen können", verriet Vollmer der Saale-Zeitung. Besonders der Anblick des Roten Schlosses von der Weiherseite her habe ihm gefallen. "Ich werde dieses Städtchen mit den netten Leuten in Erinnerung behalten", so Vollmer. Der Kabarettist stammt aus dem Lahn-Dill-Kreis, trat lange Zeit in Freiburg auf und wirkt seit vielen Jahren im Kölner Raum. Auch in Ottis Schlachthof war er schon zu Gast.