Parküberwachung und Tempo-Messung in Bad Bocklet, ist das denn nötig? Wer sich ein Vierstelstündchen auf der Bank neben dem Brunnen in der Von-Hutten-Straße niederlässt, bezweifelt die Notwendigkeit eher nicht.
Dort geht es ohnehin schon eng zu, und dass sich nicht jeder an das vorgeschriebene Tempo 30 hält, erschließt sich dem Betrachter auch ohne Radarpistole. Und wenn dann noch jemand falsch parkt, wird gerne auf den Gehweg ausgewichen. "Es wurde seit Jahren in jeder Bürgerversammlung angesprochen, dass an bestimmten Brennpunkten wild geparkt und zu schnell gefahren wird", sagt Bürgermeister Wolfgang Back (CSU). Und das betreffe nicht nur die Kerngemeinde, sondern auch die Ortsteile.

Wieder eingeführt

Schon einmal gab es eine Parküberwachung in Bad Bocklet. Bis 2009 schrieb ein pensionierter Bahnpolizist im Auftrag des Marktes die Falschparker auf. Nachdem das wilde Parken wieder zugenommen hat, entschloss sich der Gemeinderat, die Überwachung wieder aufzunehmen, und zwar seit März 2014. Einen festen Verkehrsüberwacher kann sich der Markt nicht leisten. Deshalb übernimmt diese Aufgabe eine der in Bad Kissingen tätigen Kräfte, die stundenweise in Bad Bocklet und den Gemeindeteilen kontrolliert. "Flexibel und nicht stets zu den selben Zeiten", wie Back betont.

Genug öffentliche Parkplätze

Wie notwendig die Parküberwachung ist, zeigt die Bilanz. Von Ende März bis Jahresende 2014 wurden 708 Verstöße amtlich. Heuer waren es bis Ende April schon 303. "Die Leute lernen erst, wenn sie bezahlen müssen", sagt Back und betont, dass es in Bad Bocklet eigentlich genug öffentliche und kostenfreie Parkplätze gebe.
Nicht nur den Falschparkern, auch den Rasern hat die Gemeinde den Kampf angesagt. Back steht vor der Tempo-Anzeige in der Von-Hutten-Straße, und es ist aufschlussreich, wie viele Autofahrer sich rasant nähern, um vor dem Anzeiger runterzubremsen. Eine Passantin sieht den Bürgermeister und sagt spontan, sie fände diese Messungen ganz toll. Aus Sicherheitsgründen. Und in die Rhönstraße gehöre das Messgerät auch einmal hin. Wer an der Anzeigentafel, die sich Bad Bocklet von Bad Kissingen ausgeliehen hat, vorbeirauscht, muss keine Konsequenzen fürchten. Es wird nichts aufgezeichnet. Wohl aber, wenn der Kontrolleur mit seinem Tempo-Messgerät unterwegs ist.

Gemeinderat dafür

Der Gemeinderat hat sich dafür entschieden, sich der von der Verwaltungsgemeinschaft Bad Neustadt ins Leben gerufenen Geschwindigkeitsüberwachung anzuschließen. "Ich will nicht in jeder Bürgerversammlung hören, dass zu schnell gefahren wird", sagt Back, der darauf hinweist, dass die Messstellen mit der Polizei abgesprochen sind. Zum Beispiel an der Kreisstraße Richtung Aschach.
Dort drehen laut Back viele Autofahrer schon nach dem Kreisverkehr auf, obwohl viele ältere Menschen die Straße zwischen Parkplatz und Kurpark überqueren. Zu schnell gefahren werde unter anderem auch in Aschach unterhalb des Schlosses. Der Bürgermeister bemüht erneut die Statistik: 2013 wurden in Bad Bocklet und seinen Ortsteilen 1799 Raser ertappt, ein Jahr später waren es 1448, dieses Jahr bis Ende April schon 779.

Weniger Super-Raser

Während die reinen Zahlen nicht von signifikanten Rückgängen sprechen, so hat die Gemeinde doch die Erfahrung gemacht, dass sich wenigstens die Zahl der "Super-Raser" reduziert hat. Zumal sich wohl herumgesprochen hat, dass schon einige Fahrer ihren Führerschein abgeben mussten.
"Es geht uns nicht darum, abzukassieren", resümiert Back, "die Verkehrssicherheit für Bürger und Gäste, Kinder und Senioren soll an den sensiblen Stellen erhöht werden."
Und eines ist laut Wolfgang Back klar: Wer zu ihm auf die Gemeinde kommt und versucht, den Strafzettel zurückzugeben, beißt auf Granit. Der Bürgermeister und die Gemeinde nehmen grundsätzlich keine Knöllchen zurück.
Vielmehr hat sich der Markt entschlossen, sowohl den stehenden als auch den mobilen Verkehr weiter zu überwachen. "Die Zahlen zeigen, dass es keinen Anlass zum Auszusteigen gibt", sagt der Bürgermeister.