Die Anlieger der Richard-Wagner-Straße sind sauer. Sauer auf die Stadt, die die Thuja-Hecke zwischen Parkfriedhof und Straße gerodet hat. "Keiner wurde benachrichtigt", sagt Volker Zehe, einer der Anwohner: "Friedhofsruhe und Pietät sind dahin."

Auch Zehes Nachbarn Herwig und Inge Drescher sind empört. "Wir wurden vom Lärm überrumpelt, als die Hecke gerodet wurde", erklärt Inge Drescher. Auch sie und ihr Mann waren nicht informiert worden. Herwig Drescher ergänzt: "Wir sind um unsere Wohnqualität gebracht worden." Ob vom Balkon aus oder beim Blick aus dem Fenster: Immer haben sie das Kolumbarium und die Reihen der Gräber vor Augen. Nachts flackern die Grablichter bis hinein ins Schlafzimmer.


Konflikte vorprogrammiert

Auch für die Trauernden ist diese Situation unschön, finden die Nachbarn des Friedhofs. Die Hinterbliebenen stünden jetzt für jeden sichtbar direkt neben dem Gehsteig, "sie stehen auf dem Präsentierteller", sagt Zehe: "Und was ist, wenn ein Anlieger auf seiner Terrasse Geburtstag feiert, und über der Straße findet eine Bestattung statt?"

Volker Zehe hat sich auch mit Bad Kissinger Bestattern unterhalten. Diese sprächen auch aus ihrer Sicht von einer unzumutbaren Situation.


Schreiben an die Stadt

Nahezu alle Anlieger haben sich in einem Schreiben an die Stadt gewandt, gegen die Rodung der Hecke protestiert. In zwei Tagen sei eine gewachsene Struktur zerstört, der Einklang zwischen Friedhofsbesuchern und Anwohnern massiv beeinträchtigt worden, klagen sie.

Der Pressesprecher der Stadt, Thomas Hack, versichert, dass an gleicher Stelle wieder eine hecke gepflanzt werde: "Zeitnah im Frühjahr." Allerdings werde die neue Hecke aufgrund der besseren Pflegemöglichkeit nur noch etwa zwei Meter hoch wachsen. Und: Es wird sich um eine Laubgehölz-Hecke handeln.

Damit werden sich die Anlieger der Richard-Wagner-Straße nicht zufrieden geben. Die bisherige Hecke war gut fünf Meter hoch und damit ein echter Sichtschutz. Außerdem verliere eine Laubholz-Hecke winters ihre Blätter. Das bedeute, dass während der kalten Jahreszeit der Sichtschutz erneut gleich Null wäre. Wenn die Hecke gepflanzt werde, habe sie anfangs nur eine Höhe von 1,20 Meter, "das ist ein Witz", sagen Herwig und Inge Drescher. Schließlich müsse das abgefallene Laub auch entsorgt werden. Wo sei da der Kostenvorteil für die Stadt?


Kritik an zusätzlichem Zugang

"Die genialste Lösung wäre, wieder eine Thujahecke zu pflanzen", betonen die Anlieger, die sich nach eigenen Worten wie dumme Schulkinder behandelt fühlen, in ihrem Schreiben an die Stadt.Und noch etwas bringt die Anlieger Harnisch. So plant die Stadt einen zusätzlichen Friedhofs-Zugang von der Richard-Wagner-Straße aus. In der gesamten Umgebung gebe es ohnehin kaum Parkplätze, sagen Volker Zehe und Inge Drescher. Sie und ihre Nachbarn befürchten nun vor allem bei Urnenbestattungen im Kolumbarium einen regen Parksuchverkehr.
Abschließend heißt es im Schreiben der Anlieger an die Stadt wörtlich: "Vor weiteren Maßnahmen bitten wir Sie, mit den Anwohnern ein Gespräch zu suchen, um eine gemeinsame, zufriedenstellende und friedliche Lösung zu finden.