Als Sonja Schrenk Weihnachten auf die Waage stieg, wusste sie: Jetzt reicht's. Heute präsentiert sie einen ganzen Beutel voller Lebensmittel. Das, was die 64-Jährige da hochhebt, hat sie vor fünf Monaten noch auf den Rippen getragen. Natürlich nicht in Form von Milch, Cappuccinopulver und Cornflakes, sondern als überschüssige Pfunde.
Das Programm, mit dem Schrenk abnimmt, heißt Weight Watchers. Für rund 40 Euro im Monat erhalten die Teilnehmer Informationsmaterial, ein Mahlzeiten-Tagebuch und eine Einladung zum wöchentlichen Treffen. In Bad Brückenau kommen etwa dreißig Verbündete jeden Mittwochabend in die Georgi-Kurhalle und dann werden Tipps ausgetauscht: Etwa satt einkaufen zu gehen oder die eigene Portion Nudelauflauf eben nicht mit Käse zu bestreuen. "Habt ihr schon mal Erdbeeren mit Balsamico probiert? Da brauche ich gar kein Eis...", sagt eine Frau und eine andere lächelt wissend. "Mein Mann hat erst gar nicht gemerkt, dass ich jetzt anders koche", berichtet Sonja Schrenk. "Aber abgenommen hat er!" Ein Lachen geht durch die Runde. Die Spendenaktion für die Tafel spornt zusätzlich an. "Da sieht man mal, was man schon alles geschafft hat", sind sich die Frauen einig.
Das Konzept von Weight Watchers ist einfach: Jedes Lebensmittel hat einen bestimmten Punktewert: ein Glas Orangensaft gibt zwei Punkte, ein Brötchen vier und eine Portion Bratwurst mit Pommes 26 Punkte. Ulrike Wiedemann-Grob arbeitet als Coach für Weight Watchers und leitet Treffen in Bad Kissingen, Hambach, Bad Brückenau und Schweinfurt. Für jeden Teilnehmer rechnet sie ein individuelles Punkte-Budget aus. Wird das Budget eingehalten, liegt die Aufnahme von Energie knapp unter dem Verbrauch und der Körper baut Fettreserven ab.
"Es ist keiner dabei, der nicht schon einen Rückschlag gehabt hätte. Aber man is(s)t nicht mehr allein gelassen", weiß Wiedemann-Grob aus eigener Erfahrung zu berichten. Ihr Ziel ist es, Frauen mit denselben Problemen zu helfen - aber auch, sich ein zweites Standbein aufzubauen, nachdem ihr Familienbetrieb kaputt gegangen ist. "Als Nebenverdienst geht es", sagt die 45-Jährige, die für ihre Arbeit Provision bekommt. Eine Familie könne sie damit aber nicht ernähren.
Der Weg zum Wunschgewicht macht sich bezahlt: Das Unternehmen machte 2011 weltweit rund fünf Billionen US-Dollar Umsatz. Für Sonja Schrenk macht das keinen Unterschied: "Ich sehe das ganz pragmatisch. Dass das ein Geschäft ist, war mir klar. Das ist doch überall so." Bis sie ihr Ziel erreicht hat, wird es noch ein paar Wochen dauern, aber Erfolge gibt es schon. "Die ersten Komplimente kommen", erzählt sie den anderen und meint damit auch den Satz ihrer zwölf Jahre alten Enkelin zu Himmelfahrt: "Oma, du siehst echt geil aus!"