Olga Yakim putzt schon eine Weile, als sie sich auf einen Stuhl in der Wandelhalle fallen lässt. Um genau zu sein seit 5 Uhr morgens. Joe Cocker, sagt sie, habe seine Spuren hinterlassen. Also nicht er selbst, sondern die Techniker, die alles aufbauten und den Dreck bei dem nassen Wetter immer mit reintrugen in den Elisabethenhof. Dort beginnt Yakim ihren täglichen Rundgang. Fliesen, Treppenhaus, Türklinken, Aufzug und Fensterbänke müssen sauber gehalten werden. Um 7.30 Uhr sind die Toiletten in der Wandelhalle an der Reihe. Dann der Kursaal, einmal in der Woche das Gartenhäuschen. Ein Vollzeitjob.

"Andere wollen keine Toiletten putzen. Aber für mich ist das einfacher", sagt Olga Yakim. Ihr Gesicht ist gezeichnet von einem harten Leben. In Kasachstan hat sie zusammen mit ihren drei Töchtern einen Bauernhof versorgt. Die Familie hatte Kühe, Schweine, Schafe, Enten, Gänse und Hühner. Und ein Pferd. Und einen Garten. "Schwere Arbeit", erinnert sich die 53-Jährige. "Wir haben alles mit der Hand gemacht."

Fünf Tage im Bus unterwegs

Zum Beispiel geschlachtet. Als Yakim im Sommer 2001 im Erstauffanglager für Russlanddeutsche gefragt wurde, was ihre Töchter arbeiten, antwortete sie "Schweine schlachten". Sie erntete ungläubige Blicke. "Aber es war so", sagt sie. "Ich habe mit einem Seil die Füße festgebunden." Dann haben die Mädchen zugestochen.

Seit zwölf Jahren lebt Yakim in Bad Brückenau. Es war nicht das erste Mal, dass sie bei Null angefangen hat. 1987 siedelte sie von der Ukraine nach Kökschetau, Kasachstan. "5000 Kilometer Entfernung waren das", erinnert sie sich. 13 Jahre später setzt sich ihre Tochter Marina in den Bus und fährt auch wieder 5000 Kilometer. Nach Deutschland. Allein mit ihrer dreijährigen Tochter baut sie sich ein Leben in Bad Brückenau auf und holt den Rest der Familie nach.

Vier Generationen in einem Haus

"Wir wussten nicht, wohin wir überhaupt gehen. Aber alle haben gesagt, dass es besser ist in Deutschland", sagt Yakim. Und es war besser. Die Familie hat ein Haus im Staatsbad gekauft. Dort leben vier Generationen unter einem Dach: Yakims Mutter, ihr Lebensgefährte und die Tochter Marina Fink mit Mann und den drei Kindern. "Wir sind glücklich, dass wir da sind", darin sind sich Mutter und Tochter einig.

Manchmal besucht Yakim ihre Geschwister, die zum Teil noch in der Ukraine leben. "Schlimm" sei die Situation dort. "Viele haben keine Arbeit, es ist so arm alles", erzählt Yakim. Da schätzt sie das Leben, das sie in Deutschland führt. Und sie schätzt auch ihre Arbeit. "Hier kann ich in aller Ruhe putzen, ohne Druck", sagt Yakim. "Ich arbeite nicht nach der Uhr. Wenn ich fertig bin, bin ich fertig." Sie arbeitet sieben Tage, dann hat sie einen Tag frei und ihre Tochter Marina Fink schwingt den Putzlappen.

Ein "Danke" gibt es auch mal

Natürlich gibt es auch Tage, an denen die Arbeit nicht so schön ist. Oder die Zustände, auf die Yakim und Fink stoßen, wenn sie die Toilettentür öffnen. "Manchmal sieht man, dass es mit Absicht gemacht ist", sagt Fink über die "Kunstwerke". Aber irgendjemand muss die Sauerei eben wegmachen. "Also Handschuhe an, Maske auf und los geht's."

Auch ihre Mutter steht oft genug vor verstopften Toiletten und beschmierten Wänden. Aber sie hat auch positive Erlebnisse. Auf der Liste, in der Yakim immer notiert, wann sie geputzt hat, hängt manchmal ein Zettel, erzählt sie mit einem stillen Lächeln. Und auf dem steht: "Danke, dass es so sauber ist". Auch das gibt es.