Bürgermeister Günter Kiesel (CSU) brachte es auf diesen Punkt: Er sei froh über jeden Tag, an dem nichts passiere. Seine Gemeinde werde durch die viel befahrene B 287 in zwei Teile zerschnitten. Der Straßenverkehr habe längst das Maß des Zumutbaren überschritten. Deshalb unternimmt die Gemeinde erneut einen Vorstoß in Sachen Umgehungsstraße.
Weil er keine Chance verpassen will, soll der Landtagsabgeordnete Günther Felbinger (Gemünden, Freie Wähler) sich dafür einsetzen, dass das Projekt bei der Fortschreibung des Bundesfernstraßenplans 2015 in die oberste Rubrik "dringlicher Bedarf" eingestuft wird. Dort war es schon einmal aufgeführt. Dann aber kam die A 71 und die (irrige) Annahme, der Verkehr durch den Ort werde abnehmen.
Die Umgehung wurde in die Kategorie "weiterer Bedarf" ab- und auf die lange Bank geschoben. "Wir wurden geopfert", sagte Günter Kiesel mit Blick nach Werneck, das kürzlich eine Umgehung erhalten hat.
Würde die Rückstufung revidiert, würde die Verwirklichung des uralten Wunsches näher rücken. Liefe alles optimal, wäre eine Realisierung noch in diesem Jahrzehnt nicht auszuschließen, wie Günter Kiesel hofft.
Der jüngste Vorstoß, so Christian Höfler (Bürgerblock), sei auf ihn zurückzuführen. Harald Hofmann (CSU) widersprach: Seit 1965 herrsche im Gemeinderat Einigkeit über die Notwendigkeit dieser Umgehung. Das verwunderte Höfler.
Hier müssten alle an einem Strang ziehen, sagte Kiesel: "Wir wollen es alle und brauchen die Hilfe aller." Deshalb müssten auch die Abgeordneten anderer Parteien mit ins Boot. Höfler sagte, "wir wollen etwas für unser Dorf erreichen."
Felbinger hatte sich an Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gewandt. Als Oppositionspolitiker habe er eine gute Ausgangsposition, "den Finger in die Wunde zu legen und die Regierung in Zugzwang zu bringen." Die Länder würden vorschlagen, was der Bund als "vordringlich" einstufen sollte. Das würde als erstes gebaut, wenn Mittel zur Verfügung stehen.
Herrmann hatte Felbinger geantwortet, das Verkehrsaufkommen in Nüdlingen liege unter den bayerischen Durchschnittswerten. Auch eine Sperrung für Lkw sei nicht geplant. Felbinger nannte das Projekt "mittel- bis langfristig." Aber vieles spreche dafür, dass es erreichbar sei. Denn "es geht darum, ein altes Versprechen einzuhalten."
Nach Angaben des Bürgermeisters hat die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht. Kiesel: "Wir sind immer dran gewesen." Zwar gibt es noch keine Planung für das grob geschätzt zehn Millionen Euro teure Vorhaben, aber genaue Vorstellungen: Die neue B 287 würde ab dem "Waldschlösschen" nach links abbiegen und die gefährlichen Serpentinen umgehen. Sie würde zwischen Nüdlingen und Haard hindurch geführt und dann wieder auf die alte Bundesstraße gelangen. Bei der Bauleitplanung hat sich die Kommune Nüdlingen alle Wege und die Abstandsflächen offen gehalten.
8770 Autos haben 2010 im Schnitt pro Tag Nüdlingen durchfahren. Davon waren 406 Fahrzeuge des Güter- und 347 des Schwerverkehrs. Diese Zahlen bewegen sich im Rahmen der Vorjahre. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums beträgt die durchschnittliche Belastung von Bundesstraßen in Bayern pro Tag 9640 Kfz mit 878 Lkw. ed