Das Wetter machte den Veranstaltern des Nüdlinger Bergfests diesmal zu schaffen. Doch es war nicht der Regen, der ihnen Kummer bereitete, sondern stattdessen der anhaltende Sonnenschein. "Es war einfach zu heiß", sagte Reinhold Reiher, Vorstandsmitglied des Heimatvereins Nüdlingen mit Blick auf die am Sonntag eher mäßige Besucherzahl beim traditionellen Nüdlinger Heimatfest. Die endgültigen Daten liegen noch nicht vor, aber es lässt sich erahnen, dass - anders als im Vorjahr - der hohe Aufwand mit den vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden und das zu erwartende Ergebnis in einem ungünstigen Verhältnis stehen.

Der zu Beginn des Festes vom Vorsitzenden Werner Herterich geäußerte Optimismus ist nicht Wirklichkeit geworden. An der Attraktivität des Musikprogramms dürfte es nicht gelegen haben. Reinhold Reiher erklärte: "Die Musikgruppen waren alle super." Dennoch hat ein Teil der Besucher Kritik an der Lautstärke bei den Musikdarbietungen geäußert: Man habe sich nur schreiend verständigen können. Diese Kritik war auch schon vor Jahren zu hören.


Verzicht oder Wandel

Oder soll auf teure Bands beim volkstümlichen Fest ganz und gar verzichtet werden? Das Risiko, auf das Reinhold Schäfer, der Vorsitzende des Vereinsrings, hinwies, wird für alle Vereine, die eine Großveranstaltung ausrichten, immer größer, und die Kosten steigen enorm. Einiges hat sich geändert, seit vor 55 Jahren das Nüdlinger Bergfest von Besuchern aus ganz Unterfranken massenhaft besucht worden war. Gründliches Nachdenken über realistische Änderungen am Konzept des Bergfests ist jetzt gefragt.

Wie im Vorjahr fand der Gottesdienst am Bergfest-Sonntag im Festzelt statt. Zusammen mit dem polnischen Priester Thadeusz Koslowski (Pfarrer "Tadek") hatte Margot Freidhof die auf das Bergfest-Feiern bezogene Liturgie vorbereitet. Die Bergpredigt bildete das Evangelium, in dem zum Ausdruck kam, dass das Leben mehr sei als Mühe und Last. Mitgestaltet wurde die Eucharistiefeier von Mitgliedern des Heimatvereins in Nüdlinger Tracht. Günter Dill gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Am Ende sang Pfarrer Tadek noch das Lied von der "Schwarzen Madonna von Tschenstochau" in deutscher und polnischer Sprache.

Zum Mittagessen spielte dann die Kapelle "Klingend b-lech" mit vorwiegend böhmisch-mährischer Musik. Später setzten die "Fritzlich" das volkstümliche Programm fort. In einem vierstündigen Auftritt ließen danach die Feuerthaler Musikanten vor "ausgedünntem" Publikum ihr Können aufblitzen. Es war für sie nicht erfreulich, dass im vorderen Bereich des Festzeltes gähnende Leere herrschte. Viele Bergfestbesucher hatten außerhalb des Zeltes Platz genommen.

Als "Clou" präsentierte sich zum Ausklang des Bergfests das "Friedhofsensemble". Es musste bis auf eine Intermezzo auf seinen "Stardirigenten" Werner Beck verzichten. Der verletzte Werner Beck erschien schwarz gekleidet und mit Zylinderhut nur ganz kurz. Immerhin erhielt das "Friedhofsensemble", tatsächlich aus lauter Friedhofsmusikern bestehend, lautstarken Beifall. Die Musiker bewiesen, dass sie nicht nur Trauermusik, sondern schmissige Rhythmen zu spielen verstehen.


Besucher im Museum

Wie von Vereinsseite zu erfahren war, nutzten eine Reihe von Besuchern des Bergfestes auch die Gelegenheit, das örtliche "Kleinod", das vom Nüdlinger Heimatverein vor gut 50 Jahren begründete Heimatmuseum, zu besichtigen.