Mit einem Kran haben Arbeiter die 1,2 Tonnen schwere Schlauch-Membran-Pumpe an ihren Platz gehievt. Die Maschine steht im Keller des neuen Technikgebäudes, von dem aus in wenigen Wochen das gesamte Areal rund um den neu gestalteten Runden Brunnen in der Unteren Saline gesteuert wird. Sobald die Pumpe in Betrieb ist, versorgt sie den Gradierbau mit dem Wasser aus der Solequelle. "Wasser aus dem Runden Brunnen wird von der Pumpe in den Hochbehälter gequetscht", sagt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Von dort aus rieselt es über die Reisigzweige des Gradierbaus und fließt anschließend über das nahe Kneippbecken in die Saale ab.

Das Quetschen ist dabei eine langsame und schonende Art, um das besonders kohlenstoffdioxidhaltige Heilwasser zu transportieren. "Mit einer normalen Kreiselpumpe hätten wir das ganze Gas verloren", erklärt Rosentritt weiter. Das Wasser aus dem Runden Brunnen speist aber nicht nur den Gradierbau, sondern dient bei Bedarf auch als Ersatzquelle für die Kisssalis-Therme.


Altlasten verzögern Arbeiten

Seit dem Abriss der Heinz-Kalk-Klinik im Jahr 2009 war der 90 Meter tiefe Runde Brunnen nicht mehr sichtbar, und das Gelände zwischen Gradierbau und Saale lag brach. Der Freistaat gestaltet jetzt den Bereich neu. Der Runde Brunnen wird saniert, es entsteht das neue Technikgebäude, zudem wird der Außenbereich komplett neu gestaltet. Bis Ende Juni sollen die Arbeiten an dem mehr als 1,7 Millionen Euro teuren Projekt abgeschlossen sein. "Wir sind einige Wochen im Verzug", berichtet Hartmut Holzheimer, der das Vorhaben fachlich für das Wasserwirtschaftsamt begleitet. Gründe waren die Witterung sowie unvorhergesehene Altlasten im Boden, die abgerissen werden mussten.

Dennoch hat sich seit dem Baustart im Dezember einiges getan. Die Betonarbeiten am Brunnen sind abgeschlossen, derzeit bereiten die Stahlbauer die 3,5 Meter hohen Stelen vor, die rund um die Brunnenanlage stehen werden. "In nächster Zeit werden dann die Leerrohre gelegt für die Beleuchtung", sagt er. Zum Schluss kommt die Plexiglaskuppel, die den Brunnen abdeckt und Besucher vor entweichendem CO2 schützt.


Kameras überwachen das Areal

Der Rohbau für das Technikgebäude steht ebenfalls, und die Arbeiter treiben den Innenausbau voran. Fenster und Türen sind eingesetzt, die Räume werden gefliest, und die Pumpe wird installiert. Holzheimer schildert den weiteren Zeitplan: "Anfang Mai kommt dann die Brunnentechnik und die Elektrik", sagt er. Damit wird später die Beleuchtung der Anlage gesteuert, die Wasserwerte im Brunnen gemessen und die Wasserzufuhr zum Gradierbau geregelt.

Der Brunnen sowie eine Info-Säule mit Touchscreen-Monitor werden künftig von Sicherheitskameras überwacht. "Die Videoüberwachung soll abschrecken, so dass niemand auf die Idee kommt, hier etwas zu beschädigen", sagt Rosentritt. Außerdem sollen sie den Betreibern die Arbeit erleichtern und Zeit sparen. Für das Areal ist nach der Fertigstellung die Staatsbad GmbH zuständig.

Neben der Baustelle sind bereits 1500 Kubikmeter Erde für den Bau des Außenbereichs aufgeschüttet. Das Gelände soll passend zu Saale, Brunnen, Gradierbau und Kneippbecken das Thema Wasser aufgreifen und wellenartig gestaltet werden. "Die Wellen werden von der Nordbrücke her immer höher bis zum Brunnen und fallen danach wieder ab", erklärt Martin Christ, Leiter der Kurgärtnerei.

Die Wellen werden von einem 90 Meter langen Weg geschnitten, der die Besucher zum Brunnen führt. Die Länge des Weges verdeutlicht die Tiefe des Runden Brunnens und soll über den Plattenbelag das geologische Profil im Untergrund darstellen. In den Wellentälern werden im quadratischen Raster alle fünf Meter Blauglockenbäume gepflanzt. 30 Stück sind insgesamt vorgesehen. "Wenn die Bäume richtig alt sind, ergibt das einen schönen Baumhain. Das ganze Areal soll ein Anziehungspunkt für Bad Kissinger und Gäste werden", sagt Christ. Er schätzt, dass die schnellwachsenden Bäume zehn bis 15 Jahre benötigen, bis ein gut geschlossenes Blätterdach entstanden ist.


Siebold-Garten im Frühjahr

Der geplante Siebold-Garten mit Blumenbeeten und einer Ausgabestelle für Wasser vom alten Luitpoldsprudel wird nicht direkt am Runden Brunnen realisiert. "Der kommt voraussichtlich auf die Wiese an die Kneippanlage", berichtet der Chef der Kurgärtnerei. Die Arbeiten dafür werden allerdings noch ein paar Monate auf sich warten lassen. "Den Siebold-Garten werden wir voraussichtlich im nächsten Frühjahr angehen", sagt Christ.