Das erste Jugendfrühstück in Wildflecken hat auf Anhieb eine große Resonanz gefunden. Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) berichtete im Wildfleckener Jugendraum kurz über Grundlagen von Kommunalpolitik und Demokratie und blickte auf die bisherigen Veranstaltungen zum Thema Jugend in Wildflecken zurück. "Wir haben unterschiedliche Formen von Jugendversammlungen ausprobiert, und immer wurden sie gut angenommen. Ich will die Wünsche der Jugend ernst nehmen und Anregungen aufnehmen und umsetzen, wenn das möglich ist", sagte Kleinhenz.
Gemeindejugendpfleger Boris Höttinger ging auf die Entwicklung der Jugendarbeit seit der ersten Ideenwerkstatt ein. In den zurückliegenden Wochen wurde der Wunsch der Oberwildfleckener Jugendlichen nach einem eigenen Jugendraum in die Tat umgesetzt. "Die Jugendlichen wollten gerade in den Wintermonaten nicht mehr länger an der Bushaltestelle stehen, um sich zu treffen. Daher war der Schritt zu einem neuen Oberwildfleckener Jugendzentrum naheliegend", berichtete Höttinger. Nachdem der Jugendraum in der ehemaligen Euroschule mittlerweile hergerichtet und neu gestaltet worden ist, steht nun die Gründung eines Vorstands auf der Tagesordnung. "In Oberwildflecken ist es ein kleiner, überschaubarer Kreis, der sich regelmäßig trifft. Es ist daher nicht mit Wildflecken vergleichbar, wo es andere Strukturen und feste Öffnungszeiten braucht", ergänzte Höttinger.


Gebäude wird saniert

Während in Oberwildflecken die Raumfrage also geklärt ist, steht in Wildflecken zumindest vorübergehend ein Abschied vom Jugendzentrum oberhalb der Bibliothek an. Denn das Gebäude wird saniert, sodass das Jugendzentrum für einige Monate nicht genutzt werden kann. "Zumindest für die Wintermonate bis März haben wir den Jugendraum noch zur Verfügung, aber dann muss man sich neue Gedanken machen", sagte Höttinger. "Ich möchte nicht, dass die Jugendarbeit während der Bauphase zum Erliegen kommt", sagte Bürgermeister Kleinhenz. "Das will niemand, aber es ist gar nicht so leicht, geeignete Räume zu finden."


Komplizierte Raumsuche

Denn alle Gemeindewohnungen sind derzeit vermietet und leerstehende Wohnungen in Wildflecken befinden sich nach Auskunft des Rathauschefs in privater Hand. Räume für eine Übergangszeit anzumieten und herzurichten, würde einen enormen finanziellen Aufwand bedeuten.
Auch in Oberbach hat die Jugendinitiative einen festen Anlaufpunkt im "Kern", der sich im Untergeschoss des Pfarrheims befindet. "Der Jugendraum in Oberbach hat eine bewegte Geschichte. Vor Jahren ist die Situation völlig außer Kontrolle geraten, es kamen Jugendlich von überall her. Die Situation ist eskaliert, der ,Kern' musste geschlossen werden", blickte Kleinhenz zurück. Diese Geschichte dürfe sich nicht wiederholen. Aus diesem Grund hat sich eine stark engagierte Jugendinitiative in Oberbach formiert, die zum Beispiel beim Festival Rock vorm Markt aktiv geworden ist und sich auch bei anderen Gelegenheiten beteiligt.
Diese Jugendinitiative hat einen rasanten Generationswechsel vollzogen, der dazu geführt hat, dass nur noch ein Mitglied des Vorstandes volljährig ist. Das bringt neue organisatorische Herausforderungen mit sich. Trotzdem bewertet Höttinger den Generationswechsel als positiv: "Älter werdet ihr automatisch. So hat die Jugendinitiative eine Zukunft."
Antje Rink vom Bad Kissinger Landratsamt ging auf ein Projekt ein, bei dem es um die Beteiligung junger Menschen mit Hilfe einer Internetplattform geht. Am Beispiel des neuen Wildfleckener Pumptracks, der im nächsten Jahr errichtet werden soll, konnte man die Beteiligung der Jugend bereits in die Tat umsetzen. Die Jugendlichen hatten sich neben dem Pumptrack, einem wellenförmigen Parcours für Fahrräder oder Skater, auch einen kleinen Bolzplatz gewünscht. "Das wurde bei der Planung berücksichtigt und wird genau so umgesetzt", sagte Kleinhenz. Beim Jugendfrühstück am Wochenende kam der Wunsch nach einer Beleuchtung des neuen Freizeitareals auf, damit der Pumptrack auch in den Abendstunden als Treffpunkt genutzt werden kann. Bürgermeister Kleinhenz wird dieses Anliegen prüfen. Die Internetplattform soll ebenso im kommenden Jahr umgesetzt werden. Wildflecken, Münnerstadt und Geroda sind die Vorreiter bei diesem Projekt.


Möglichst einfach gehalten

Die Plattform soll möglichst einfach gehalten werden ohne kompliziertes Anmeldeverfahren. Mit dieser Hilfe soll es den Jugendlichen leichter gemacht werden, ihre Wünsche und Ideen an die Gemeinde heranzutragen. "Auch das ist eine Form von Demokratie, die eben nicht nur in einem Gremium wie dem Gemeinderat zum Ausdruck kommt", ist Kleinhenz überzeugt. "Wir können auf diesem Weg dann auch Fragen an die Jugend weitergeben."
Diskussionen gab es rund um die Öffnungszeiten des Jugendraumes in Wildflecken. "Was müsste passieren, dass noch mehr Jugendliche häufiger ins Jugendzentrum gehen", fragte Kleinhenz. Angedacht werden nun teilweise selbstverwaltete Öffnungszeiten. "Verantwortungsbewusstsein und Interesse sind dafür notwendig", mahnte Höttinger. "Je besser die Verantwortlichkeit festgelegt ist, desto flexibler kann man die Öffnungszeiten gestalten." Bürgermeister Kleinhenz regte an, die Jugendlichen zu schulen, wenn es um die Bewältigung von Konflikten geht. Auch die Eltern müssten einbezogen werden, um eventuelle Vorbehalte oder Ängste abzubauen. Lange beraten wurde über Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Jugendlichen und Erwachsenen beziehungsweise mit der Gemeinde. Über Whatsapp könne man zwar eine bestimmte Gruppe der Jugendlichen erreichen, aber eben nicht alle. "Unser Ziel muss aber sein, dass wir zum Beispiel bei Einladungen zu Workshops alle Jugendlichen mit unseren Informationen erreichen", sagte Kleinhenz. "Das sollte nicht die letzte Veranstaltung dieser Art sein.


Weitere Frühstücke geplant

Die Meinung der Jugend soll weiterhin gehört werden. Das nächste Jugendfrühstück könnte auch in Oberbach stattfinden, wobei dann ein Shuttle-Service eingerichtet werden müsste. Klar ist auch schon jetzt, dass es zur Eröffnung des Oberwildfleckener Jugendraums eine eigene Feier geben wird. Voraussichtlich noch im Dezember.