Neue Besitzer des Schlosses Ebenhausen sind Ute und Hans Metzger aus Sulzfeld bei Kitzingen. Sie erwarben das historisch bedeutsame Objekt von der Gemeinde und werden es in den nächsten Jahren einer Wohnnutzung zuführen.
Die neuen Eigentümer sind erfahren in der Sanierung alter Bausubstanz, wie sie es bereits bei früheren Objekten - darunter ein Gebäude in Mainbernheim, das nach der Restaurierung von der unterfränkischen Kulturstiftung ausgezeichnet wurde - bewiesen. "Das Schloss in Ebenhausen soll unser bisheriges Tun krönen", versichert Hans Metzger in der Überzeugung, auch diese Herausforderung zu meistern.


Rettung alten Kulturgutes

Hans Metzger baut gerne. Schon mit 25 Jahren kaufte der gelernte Stahlbauschlosser sein erstes Haus und richtete es mit Unterstützung seines Vaters, eines Zimmermanns, in seinem Heimatort Sulzfeld her. Es folgte im selben Dorf ein denkmalgeschütztes Bruchsteingebäude mit drei Wohneinheiten. Weitere Projekte wie die alte Brauerei in Marktsteft, wo elf Wohnungen entstanden, und kleinere historische Häuser, in die neues Leben einkehrte, unterstrichen seine Liebe, altes Kulturgut vor dem Verfall zu retten.
In Mainbernheim sanierte Metzger das "Paulshaus", eine ehemalige Gaststätte. Für das gelungene Projekt erhielt er 2013 von der Kulturstiftung Unterfranken einen Förderpreis in Höhe von 25 000 Euro. Aktuell vollendet der 59-Jährige mit seinem Team noch ein kleineres Einfamilienhaus, ehe das Ebenhäuser Schloss als weiteres großes Projekt wartet.
Wie wurde das Ehepaar Metzger auf das Schloss aufmerksam? Ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen vom 16. Januar 2012 unter der Überschrift "Auf diesen Steinen können Sie Märchenwelten errichten" weckte seine Neugierde. Es folgten Besichtigungen sowie Gespräche mit Gemeinde und Landesamt für Denkmalpflege. "Die Aufgabe, aus dem Schloss etwas zu machen, reizte uns mehr und mehr, zumal wir in Bürgermeister Siegfried Erhard und dessen Nachfolger Franz Kuhn seriöse und faire Partner fanden. Wir hoffen, dass uns unsere Erfahrungen von vorhergehenden Sanierungen zugutekommen", blickt Hans Metzger voraus.


Nicht unter Zeitdruck

Das mittelalterliche Schloss wurde über 150 Jahre privat als Wohnung und für die Landwirtschaft genutzt. Nach einigen Wirren - ein Schlossteil geriet in ein Insolvenzverfahren, der andere zwischenzeitlich an einen unseriösen Geschäftsmann - übernahm die Gemeinde 2009 die gesamte Anlage mit dem Ziel, einen Investor beziehungsweise Käufer zu finden, der eine sinnvolle Nutzung garantiert. Unter dieser Prämisse entstand kein Zeitdruck, auch wenn eine rasche Lösung wünschenswert war; denn immer wieder gab es bauliche Probleme mit kaputten Ziegeln, Mauerrissen und -abbrüchen.


Klausurtagung des Gemeinderats

"Mit Herrn Metzger führten wir von Beginn an sachliche und konstruktive Gespräche. Bei einer Klausurtagung des Gemeinderates 2013 verdeutlichte er uns seine Vorstellungen. Uns überzeugten vor allem seine Erfahrungen und Ergebnisse in Sachen Sanierung alter Bausubstanz. Weitere Überlegungen folgten, um eine für beide Seiten verantwortbare Vereinbarung zu treffen. So ließen wir in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege ein Gutachten über das Schloss erstellen", sagte Bürgermeister Franz Kuhn. Die Bausubstanz wurde untersucht, Nutzungsmöglichkeiten wurden aufgezeigt, ein verformungsgerechtes Aufmaß zur verwundenen Konstruktion erstellt, burgenkundliche Aussagen getroffen und Kostenschätzungen vorgenommen. Die Ergebnisse füllten drei Ordner, die die Gemeinde im Oktober 2015 erhielt. Sie bildeten Basis der Kauf- bzw. Verkaufsvereinbarung.
Beide Seiten sind froh. "Ebenhausen hat eine günstige Lage zwischen Schweinfurt und Bad Kissingen, besitzt Bahnhof, gute Straßenanbindungen und Schule. Das Schloss liegt mitten im Altort, der über die Städtebauförderung wunderbar hergerichtet ist. Es aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken und mit Leben zu erfüllen, das können wir uns sehr gut vorstellen", betonte das Ehepaar Metzger.


Planen mit dem Denkmalamt

Nachdem der Kauf notariell beurkundet ist, stehen jetzt die Planungen zusammen mit Architekt Friedrich Staib (Sulzfeld) und Christian Schmitt vom Landesamt für Denkmalpflege an. Grundzüge wie zu Balkonen oder Kaltdach konnten bereits im Vorfeld abgesteckt werden. Generell heißt es, mit der historisch wertvollen Bausubstanz sensibel umzugehen. Dazu zählen Treppenhaus, Stuck an Wänden und Decken, Fenstergewänder und Innentüren. Manches wurde durch späteren Innenausbau wie herabgehängte Decken in Mitleidenschaft gezogen. "Aber wir sind zuversichtlich, den alten Glanz wieder aufleben zu lassen", betont Hans Metzger, der bei der Finanzierung auf Hilfen über den Denkmalfonds setzt.
Nach der Baugenehmigung folgt die Umsetzung in Abschnitten, wobei Süd- und Nordteil den Anfang machen werden. Part drei ist der Schüttbau, "ehe die Verbindungsflügel, die in besonders schlechtem Zustand sind, das Werk abrunden", ging Metzger auf den zeitlichen Ablauf ein.
In den letzten Jahren richtete beispielsweise die Blaskapelle im Innenhof Schlosskonzerte aus. "Kulturelle Nutzungen sollen auch künftig in Abstimmung mit den Bewohnern möglich sein", ergänzt der neue Eigentümer, der selbst wie bei früheren Projekten mit seinem Sohn Hand anlegen wird. "Zusammen mit Fachkräften werden wir anpacken, um das Kleinod behutsam und fachgerecht herzurichten. Das ist uns ganz wichtig", macht er klar und lässt keinen Zweifel am Erfolg seiner Vorstellungen. "Dieser Schatz muss mit Geduld gehoben werden", hieß es in der Frankfurter Allgemeinen, die Bezug zu John Bauer, dem berühmten schwedischen Maler, dessen Vater aus Ebenhausen stammte, herstellte und daran erinnerte, dass der Künstler 1902 Ebenhausen besuchte und das Schloss sah.


Aus der Geschichte des Schlosses

Im Zuge der 1200-Jahr-Feier erschien, ging Harald Schubert im Detail auf das Schloss ein. Wie er erkundete, bestand dort, wo heute das Schloss steht, bereits im 11. Jahrhundert eine Burg, die die Henneberger, die erstmals 1037 in Ebenhausen erwähnt sind, als Zehntgrafenamt nutzten.
Dieses Adelsgeschlecht verkaufte 1353 Burg, Stadt und Zehnt an das Hochstift Würzburg. Eine Urkunde aus demselben Jahr belegt, dass Ebenhausen Stadtrecht besaß, das heißt, mit Gräben, Mauern und Türmen den Ort befestigt werden durfte. Das Schloss als Sitz einer Henneberger Nebenlinie aus niederem Adel wurde zu einem Amtsgebäude, in dem fortan der Amtmann des Fürstbischofs seinen Sitz hatte, um Recht zu sprechen und Abgaben einzutreiben.
Im Bauernkrieg 1525 brannte das Schloss nieder, wurde aber wieder aufgebaut. 1587 ließ der Fürstbischof die Schlossscheune als Schüttbau für die Getreideabgaben errichten. Im Dreißigjährigen Krieg blieben Schloss und Dorf nicht unverschont, als die Schweden plünderten und brandschatzten. Der Wiederaufbau erfolgte vor allem unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenklau (1699 bis 1719) und dessen Baumeister Joseph Greissing, dessen typische Arbeit beispielsweise das Muster der Steinbodenplatten erkennen lässt.
Mit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Fürstbistum Würzburg aufgelöst und dem Königreich Bayern angegliedert. Das Amt Ebenhausen wurde dem Landgericht Euerdorf unterstellt. Im Schloss wohnte vorübergehend ein von der Regierung von Unterfranken eingesetzter Administrator.
Pläne, das inzwischen leer stehende Schloss 1811 zu einer Kirche umzubauen, wurden verworfen. Ein Gemeindeverzeichnis belegt, dass 1834 ein vom Forstamt eingesetzter Jäger im Schloss wohnte. Nach Auflösung des Forstamts stand das Schloss leer und wurde - wie die Ortschronik erwähnt - als "Baustoffquelle" benutzt. 1847 kaufte Michael Schubert von der Regierung von Unterfranken für 9000 Gulden das Schloss, das fortan als Wohnung und für die Landwirtschaft diente. Zwei seiner Kinder erbten die Anlage, nämlich ein Sohn den südlichen und eine Tochter, die den Bauer Caspar Wahler geheiratet hatte, den nördlichen Teil. Diese Besitzverhältnisse bestanden bis ins 21. Jahrhundert, ehe das Schloss in Gemeindehand und dann an das Ehepaar Metzger ging.