Garitz — Wie sieht eine Brasilianerin, die seit vielen Jahren in Garitz lebt, die Fußball-Weltmeisterschaft in ihrem Heimatland? "Ich interessiere mich eigentlich nicht so für Fußball, und ich bin ja auch schon lange weg", sagt Ana Maria Benevides-Werner. Aber sie weiß natürlich ganz genau, wem sie die Daumen drückt: "Brasilien!" Und wenn es wider Erwarten damit nichts wird, dann ist es Deutschland. Obwohl die Sprecherin des Kissinger Integrationsbeirats es auch gerne sehen würde, wenn einmal ein weniger bekanntes Land, etwa aus Afrika, gewinnen würde: "Aber das ist illusorisch."
Ob sie mit den schweren sozialen Unruhen im Vorfeld der WM gerechnet hat? "Eigentlich nicht", sagt Ana Maria Benevides -Werner: "Brasilien hat nie einen Krieg gehabt. Natürlich gibt es brutale Gewalt und Armut und Hunger in den Favelas. Aber viele Betroffene sagen sich: Das hat Gott so gewollt." Deshalb geht sie nicht von größeren Störungen während der Weltmeisterschaft aus: "Wenn die Seleção Brasileira spielt, gibt es halt nur noch Brasilianer."
Sie ist aber froh, dass die Proteste sich Wege an die Öffentlichkeit gebahnt haben und wohl mit der Weltmeisterschaft auch nicht zu Ende sein werden: "Die Fifa und die Regierung haben gewonnen, aber Brasilien hat verloren", meint sie etwas resigniert. Aber sie schaut auch in die Zukunft: "Gut, dass die Leute jetzt aufgestanden sind. Das könnte ein Vorbild für die nächsten Weltmeisterschaften sein."
Denn es freut sie, dass die Fifa doch nicht ganz allmächtig ist: Sie wollte in den Stadien durchdrücken, dass nur die Produkte ihrer Sponsoren verkauft werden dürfen: "Aber unsere Leute haben sich durchgesetzt und können jetzt zum Beispiel eigene Speisen und Getränke verkaufen." ta