Mit dem Anbringen eines neuen Hinweisschildes auf den militärhistorischen Wanderweg 1866 neben der Eingangstür musste der Nüdlinger Bauhof seine Putz- und Malerarbeiten am Museumsgasthaus "Zum Stern" in der Ortsmitte erst einmal witterungsbedingt einstellen. Die Restarbeiten sollen im Frühjahr ausgeführt werden, um den denkmalgeschützten Gasthof endlich wieder zu einem baulichen Schmuckstück zu machen.

Schon vor 17 Jahren hatte der letzte Besitzer den dreigeschossigen Gasthof verlassen. Seitdem setzten Witterung und Feuchtigkeit dem alten Gemäuer zu, dessen Grundmauern aus dem Jahr 1595 stammen, wie die Jahreszahl an einer Seitenwand bezeugt. Das heute bestehende Gebäude dürfte allerdings erst im Jahr 1800 errichtet worden sein. Zumindest nennt der noch erhaltene Wirtshausausleger diese Jahreszahl.


Heim für 14 Asylbewerber

Nach Jahren des Leerstands kaufte die Gemeinde im Januar 2014 den Gasthof, um ihn endlich im Rahmen der Ortskernrevitalisierung einer neuen Nutzung zuführen zu können. Die damals in Auftrag gegebene Studie gab mehrere Nutzungsmöglichkeiten vor, wovon eine die Unterbringung von Flüchtlingen in den Wohnungen des ersten Ober- und des Dachgeschosses war. Die Gemeinde richtete die Zimmer entsprechend her. Seit Januar 2015 sind sie mit 14 Asylbewerbern belegt.

Das Erdgeschoss wurde ab Sommer 2015 vom Heimatverein, der den "Stern" als künftiger Betreiber von der Gemeinde übernommen hat, in Eigenleistung renoviert. Nach Vorgaben der Denkmalschutzbehörde war darauf zu achten, den Originalzustand der zuletzt 1960 modernisierten Gaststube zu erhalten. Nach Abriss des an das Hauptgebäude angebauten früheren Schlachthauses gibt es jetzt eine zusätzliche Freifläche zum Feiern im Freien.

Seit der Wiedereröffnung als Museumsgasthof im Dezember führt nun der Verein dort seine eigenen Versammlungen durch, lädt zu öffentlichen Veranstaltungen wie dem beliebten Wirtshaussingen ein und stellt die Gaststube auch anderen Nüdlinger Vereinen zur Verfügung.

Was bisher noch fehlte, waren der Verputz und der neue Außenanstrich des Hauses. "Wir haben erst Mitte September die offizielle Genehmigung vom Landratsamt erhalten", erklärt Bürgermeister Hofmann (CSU) den verspäteten Beginn der Arbeiten, für die insgesamt 30 000 Euro im Haushalt 2016 eingestellt sind.

Auch für diese Außenarbeiten hatte die Denkmalschutzbehörde genaue Anweisungen gegeben: Es durften ausschließlich mineralischer Putz und Öko-Farben auf natürlicher Basis in einer "recht engen Farbenpalette" verwendet werden, wie Hofmann betont. Die Bauhofmitarbeiter machten sich umgehend an die Arbeit, schafften aber bis zum ersten Frost nur die Vorderfront und die linke Hausseite an der Schenkgasse. "Die anderen zwei Seiten machen wir im Frühjahr bei trockener Witterung", versichert Hofmann.


Bürgersaal im Oberschoss?

Damit wäre dann zwar ein Schritt zur gewünschten Neubelebung des Gasthauses getan. Doch die endgültige Umsetzung der Studienvorschläge "liegt noch auf Eis", so Hofmann. Sobald der Gemeinderat die Zeit für gekommen sieht, sollen auch die noch bewohnten Obergeschosse umgestaltet werden. "Mein Favorit unter den Ideen ist die Schaffung eines Bürgersaals." Denn ein solcher Saal werde in der Gemeinde dringend gebraucht. Alle anderen verfügbaren Räumlichkeiten seien für größere Bürgerversammlungen unzureichend. "Aber über das Wie und Wann muss der Gemeinderat entscheiden."