In die leerstehende Kelterhalle der ehemaligen Winzergenossenschaft Hammelburg ist wieder Leben eingekehrt. Das Gebäude in der Rote-Kreuz-Straße 41 ist seit Kurzem Sitz der Holzwerkstatt von Schreinermeister Harald Fischlein.
Wo einst Trauben gepresst wurden, fliegen heute die Späne. Im Juni 2011 konnte Fischlein nach einem eineinhalbjährigen Genehmigungsverfahren mit dem Umbau beginnen. Früher am Viehmarkt ansässig, fehlten dem jungen Unternehmer die Lagerkapazitäten in der Altstadt. "Auch im Park- und Anlieferverkehr war ich eingeschränkt. Da kam mir die ungenutzte Winzerhalle in den Sinn", erläutert der neue Eigentümer.
Von Beginn an war es Fischleins Absicht, den Charakter und die Außenansicht der 106 Jahre alten Winzerhalle zu erhalten. "Die Innenräume eigneten sich ohne Umbau überhaupt nicht für einen Handwerksbetrieb. Wir mussten Maschinen, Behälter und Werkzeuge der Winzergenossenschaft ausräumen, rund 80 Tonnen Estrich einbauen und konnten erst danach mit der Gestaltung beginnen."

Ein Stück Geschichte


Jetzt hat der Betrieb aber ausreichend Lagerfläche, Parkplätze und auch Anliefermöglichkeiten. Die Bau- und Möbelschreinerei besitzt eine geräumige Werkstatt, einen Ausstellungsraum mit Foyer und ein Büro. Dennoch lässt das Gebäude von außen erahnen, dass es sich um ein Stück Hammelburger Geschichte handelt. So beließ der Neueigentümer beispielsweise die alten Fenster und dichtete sie mit einem Zweitfenster von innen ab.
Auch die Fachwerkstruktur ist noch gut zu erkennen. Das hat nicht wenige Besucher bei der Eröffnungsfeier beeindruckt. Von denen meinte einer: "Man hätte das Ding auch wegschieben können." Doch Fischlein wollte die Spuren von Pfarrer Johannes Martin, dem Gründer der heimischen Winzergenossenschaft, nicht sang- und klanglos vom Erdboden tilgen. Der junge Unternehmer hat sich auf die Fahne geschrieben, Erhaltenswertes nicht gleich wegzuwerfen, sondern zu reparieren.

Lehrlinge gesucht


Vier Mitarbeiter, einschließlich Fischleins Ehegattin, bilden das Team der Holzwerkstatt. Fischlein will auch auf jeden Fall wieder ausbilden. "Der Schreiner ist ein fast aussterbender Beruf. Es muss ja irgendwie weitergehen", argumentiert er.