Man möchte meinen, die Mitgenfelder wollen lieber unter sich bleiben. Günter Weber zum Beispiel ist ein "Neig'schmeckter". Ihm haben sie damals die Luft rausgelassen, als er hier neu war. Zugezogen aus der Nachbargemeinde. Das ist jetzt 50 Jahre her, aber der 68-Jährige schmunzelt noch immer über die "G'schicht von damals". Mittlerweile ist das freilich anders. Die Dorfgemeinschaft heißt Neuankömmlinge und Gäste herzlich willkommen - davon zeugt auch der frisch aufgestellte Begrüßungsstein am Eingang des Dorfes, wenn man von Breitenbach kommt.

Anlass für den neuen Stein ist die 1175-Jahr-Feier am 26. und 27. Mai 2012. Neben dem obligatorischen Festzeltbetrieb gibt das Dorfmuseum Einblicke in die Ortsgeschichte. Kinder können auf dem Schlehen-Hof auf Ponys reiten und Bogenschießen üben. Mit Spannung erwarten die Mitgenfelder die Theatervorführung "Das Dorffest". Bis zuletzt gilt der Inhalt des Stückes als "streng geheim", wie Ortssprecher Helmut Fischer versichert. So streng geheim, wie eben so ein Dorfgeheimnis bleiben kann...

Die mit Abstand längste Vorbereitungszeit verbuchen aber weder die Theatergruppe noch die Aufrichtung des Begrüßungssteins. Seit zwei Jahren schreiben Helga und Norbert Weißenberger an der Mitgenfelder Chronik. Priska Kohlbeck hat das Layout entworfen. Pünktlich zum Fest stehen 500 Exemplare für je 19 Euro zum Kauf bereit. Reinhard Will hat sich schon durch die 315 Seiten geblättert. Sein Fazit: "Oh... wunderbar. Wahnsinnig schön gemacht!"

Mit seinem " Urbuche-Taxi" hat sich Richard Baus eine originelle Idee für das Dorfjubiläum einfallen lassen. Gegen eine kleine Spende können sich die Festgäste von alten Schleppern aus der Landwirtschaft hinauf zum alten Wahrzeichen des Ortes fahren lassen. Baus Hanomag R12 KB fährt natürlich ganz vorne mit. Seine Kollegen von den Schlepper freunden Main-Franken und den Bulldogfreunden Vorrhön leisten mit ihren Fahrzeugen tatkräftige Unterstützung. Der Erlös kommt einem Projekt in Afrika zugute, das die Mitgenfelder Nonne Schwester Amanda in jahrelanger Arbeit aufbaute.

Überhaupt ist die Urbuche genau der richtige Ort, um sich das Dorffest von oben zu betrachten. Viele Geschichten ranken sich um den alten Baum, der vermutlich um die 500 Jahre alt ist. Einmal soll sich zum Beispiel die Kuh des Schmiedes mit ihren Hörnern im Stamm verfangen haben. Damals war das Loch noch nicht so groß wie heute, da konnte ein Tier leicht hängenbleiben. "Die Männer mussten dann anrücken und die Kuh heraussägen", erzählt Baus. Das müssten sie heute sicherlich nicht mehr. Denn mittlerweile klafft der Stamm soweit auseinander, dass ein Bräutigam seine Braut mit Leichtigkeit durch die Öffnung tragen könnte. Bei so viel Traditionsbewusstsein würden die Mitgenfelder vielleicht auch von ihren Späßen absehen und den Neulingen die Luft in den Reifen lassen.

A Festplatz Zentrum der 1175-Jahr-Feier ist der Festplatz Mitgenfeld mit Festzelt und dem Angebot des Vereins "Kunterbuntes Kinderzelt". Für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt und auch die kleinen Gäste kommen allemal auf ihre Kosten.

B Säffe Viele verschiedene Oldtimer stehen bei Säffe zur Schau. Die Fahrzeuge gehören den Schlepperfreunden Main-Franken und den Bulldogfreunden Vorrhön. Von hier geht`s auch mit dem "Urbuche-Taxi" los in Richtung Wahrzeichen Urbuche.

C Urbuche Das Wahrzeichen von Mitgenfeld bietet einen schönen Ausblick über Dorf und Umland. Eine Bank und die Wiese laden zu einem Familienpicknick ein. Wer den weiten Weg nicht zu Fuß wandern will, kann auch für den Rückweg das originelle "Urbuche-Taxi" nutzen.

D Heppe Die Mitgenfelder Theatergruppe präsentiert passend zum Anlass das Stück "Das Dorffest". Die Vorführungen beginnen am Samstag um 16 und 19 Uhr sowie am Sonntag um 14 und 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

E Schlehen-Hof Kinder können sich auf dem Schlehen-Hof mit Pfeil und Bogen ausprobieren. Außerdem warten ein paar Ponys darauf, mutige Reiter zu finden. Eltern und Großeltern sind natürlich auch herzlich willkommen.

F Griebels Wer gerne die Geschichte seit der ersten Erwähnung Mitgenfelds am 3. Mai 837 studiert, ist bei Griebels genau richtig. Einzelne Stationen der Dorfgeschichte sind im Dorfmuseum dokumentiert und anschaulich gestaltet. Das Museum hat während des gesamten Jubiläumsfestes sowohl am Samstag, als auch am Sonntag geöffnet.