Die Steilwand am Schwedenberg ist das stille Wahrzeichen von Elfershausen. Tag für Tag werfen Tausende einen Blick darauf, wenn sie auf der Autobahn 7 daran vorbei fahren. Und bei Einheimischen ist die fast 50 Meter senkrecht abfallende Muschelkalkformation ein beliebtes Wandergebiet. Denn an deren Fuß sowie ganz oben auf der Höhe führen Wanderwege vorbei.
Die "Falkenwand", wie sie auch genannt wird, ist wegen ihrer Brüchigkeit von Kletterern bislang verschont geblieben und daher ein Eldorado für seltene Vögel und Pflanzen. Wanderfalken, Zippammern und besonders Uhus - neuerdings auch Waschbären - suchen im zerklüfteten Gestein nach Brut- und Nistmöglichkeiten. Am Fuß der Wand wächst auf dem Trockenrasen eine Vielzahl äußerst seltener und geschützter Pflanzen. Hier sind auch Glattnatter, Zauneidechsen und kaum noch zu findende Schmetterlinge und Falter unterwegs, die das wärmende Gestein lieben.

Große Herausforderung

Voraussetzung für all das ist allerdings, dass Trockenrasen und Steilwand nicht verbuschen. Deshalb wandte sich Elfershausens Bürgermeister Ludwig Neeb an den Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Bad Kissingen, Ralf Kiesel.
Normalerweise ist es kein Problem, aufgelassene Weinberge wieder frei zu bekommen, wenn sie denn in staatlichem Besitz sind, oder der Eigentümer einwilligt. Landwirte hat Kiesel immer an der Hand, die auch im schwierigen Gelände Hecken, Büsche und Sträucher zurückschneiden. Aber die Steilwand, in der sich inzwischen auch Schlehen, Haselnuss- und Brombeersträucher, sowie der rote Hartriegel eingenistet haben, stellt doch eine ganz besondere Herausforderung dar. Es gibt zwar Firmen, die solche Aufgaben erledigen, aber sie sind fast unbezahlbar.
Da ist es gut, dass es die Bergwacht gibt. Und so kamen die Mannen um den Oberbacher Bergwachtleiter Steffen Koberstein diesmal nicht nur mit Seil und Steigeisen im Gepäck, sondern brachten mit Motorsägen, Ast- und Rosenscheren auch gleich ein ganzes Arsenal an Gerätschaften mit, mit denen die Bergretter ansonsten nicht viel zu tun haben.

Der Fels ist brüchig

"Wegen des extrem milden Winters haben wir derzeit kaum etwas in der Rhön zu tun", erläutert Steffen Koberstein und erzählt, dass es doch eine ganz andere Herausforderung sei in der brüchigen Steilwand am Seil hängend Büsche herauszuschneiden, als sonst in der Rhön verunfallte Skifahrer zu Tal zu bringen. Der Fels hier sei so brüchig, dass sich alle auf dem Hochplateau an dicken Bäumen gesichert haben und alle versuchen, in ihrem Abschnitt auf einer Ebene zu arbeiten, denn immer wieder lösen sich kleinere oder sogar größere Felsstücke aus der Wand.
Auch das abgeschnittene Baum- und Strauchwerk wird nach unten geworfen, wo es später in kleinen Feuern verbrannt werden soll. "Ein Abtransport dieses Holzes ist einfach nicht bezahlbar, denn auch am Fuß der Steilwand geht es noch einmal rund 80 Meter über Geröllhalden bis zum nächsten Weg", erklärt Ralf Kiesel.
"Mit der Bergwacht, die hier in diesem ,Winter' nun schon zum vierten Mal im Einsatz ist, haben wir eine Traumlösung gefunden", so Ralf Kiesel, der sogleich nachschiebt, dass bei einem "richtigen Winter" solch eine Arbeit eigentlich unmöglich ist: Zum einen hätten die Bergretter kaum Zeit, zum anderen wäre die Wand noch gefährlicher und wegen des Frostes müsste auch öfter eine Aufwärmpause eingelegt werden. So aber könne man durcharbeiten und damit die Kasse der Bergwacht auffrischen, denn ganz umsonst arbeitet auch die Bergwacht nicht.
Zwar ist es für die meisten der sechs Männer eine schöne Abwechslung im Übungsalltag, aber es ist gleichzeitig auch eine Herausforderung, im brüchigen Gestein auch noch eine Motorsäge zu bedienen. So sei es eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Landschaftspflegeverband bekommt eine bezahlbare Maßnahme, Bergwacht und einige beteiligte Landwirte profitieren davon und Bürgermeister Ludwig Neeb kann wieder stolz auf den freien Blick zur "Falkenwand" sein.