Man sieht sie in fast jeder deutschen Stadt. Mit dunkelblauen Jacken und Funkgeräten laufen sie durch die Straßen. Die Rede ist von der sogenannten Sicherheitswacht. Die Männer und Frauen sind meist zu Fuß unterwegs. Auf öffentlichen Plätzen, in Parks, in Fußgängerzonen, an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel oder in großen Wohnsiedlungen sehen die Sicherheitswachtler nach dem Rechten.
"Wir sind meist alleine unterwegs, vor allem wenn es dunkel wird, geht man aber zu zweit los", erklärt Elke Gebhart. Sie ist seit fünf Jahren bei der Sicherheitswacht in Bad Brückenau. In der 7000-Einwohnerstadt gibt es seit 2001 sieben Sicherheitswachtler. Die fünf Männer und zwei Frauen laufen regelmäßig in der Innenstadt, in den Parks und am Bahnhof Streife. Auch in Supermärkten und bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise den Faschingsumzügen, sind sie anzutreffen.


Sicherheitsgefühl stärken

"Hilfssheriffs sind das aber nicht", betont Daniel Seeburg, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Die Polizei hat oft keine Zeit, regelmäßige Fußstreifen durchzuführen. Deshalb engagieren sich fast 800 Freiwillige in ganz Bayern und übernehmen diese Aufgabe. Seeburg freut sich über die Unterstützung seiner Polizisten: "Mittlerweile gehören auch unsere Wachtler zum festen Stadtbild."
Grund für die Einführung der Sicherheitswacht war vor allem das schwindende Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Aber was dürfen die Blau-Uniformierten eigentlich? Sie besitzen vor allem die sogenannten Jedermannsrechte, also Rechte, die auch jedem anderen Bürger zustehen. Dazu zählen die Festnahme von Straftätern bis zum Eintreffen der Polizei und das Recht auf Notwehr.


Kontrollen und Verweise möglich

Zusätzlich dürfen Sicherheitswachtler Ausweiskontrollen durchführen und Platzverweise aussprechen. Mit ihrem Funkgerät sind sie unmittelbar mit der örtlichen Polizeistelle verbunden. Waffen besitzen sie keine. Sie tragen lediglich ein Pfefferspray zur Selbstverteidigung mit sich.
Angst hat Elke Gebhard trotzdem nicht. "Natürlich erlebt man die ein oder andere brenzlige Situation, meist mit Betrunkenen. Aber das ist schon sehr selten." Hinzu kommt, dass alle Freiwilligen vor ihrer ersten Streife eine 40-stündige Ausbildung absolvieren. Dort werden sie über Gesetze, wie beispielsweise das Stadtrecht oder das Jugendschutzgesetz, aufgeklärt. Auch Selbstverteidigung steht auf dem Programm.
Der ein oder andere fragt sich sicher, warum es die Sicherheitswacht dann überhaupt gibt? Daniel Seeburg erklärt: "Es geht auch darum Präsenz zeigen." Sie sind ein Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung. Aggressive Unruhestifter reagieren gelassener, wenn nicht gleich die Polizei mit Streifenwagen kommt. "Und die Leute haben trotzdem Respekt vor uns", erzählt Gebhart. Denn ihre Waffe ist Kommunikation. Die Freiwilligen haben Zeit, Gespräche zu führen, Kontakt zu den Menschen aufzubauen und viele Konfliktsituationen zu entschärfen. "Wir kennen unsere Pappenheimer hier ja schon. Und die meisten verhalten sich auch angemessen, wenn sie sehen, dass wir kommen." Manchmal geben die Wachtler auch Tipps an Passanten, beispielsweise den Geldbeutel nicht offen im Einkaufkorb herumzutragen.


Weniger Vergehen

Die häufigsten Verbrechen laut Kriminalitätsstatistik der Bayerischen Polizei sind Diebstahl, Betrug und Sachbeschädigung. Aber auch Beleidigungen und Körperverletzung sind oben mit dabei. Genau diese Delikte kann die Sicherheitswacht durch ihre Streife verhindern. "Ob potenzielle Täter durch die Sicherheitswacht vor einer Tat zurückschrecken, lässt sich aber eigentlich nicht messen", erklärt Dienststellenleiter Seeburg. Fakt ist jedoch, dass die Menschen einen Ansprechpartner haben, wenn sie Hilfe benötigen. Seeburg resümiert: "Jede zusätzliche Streife ist eine Chance."
Auch wenn es in den Medien viel Kritik an der Sicherheitswacht gibt und oft Begriffe wie Billigpolizei, oder Amateursheriff fallen, erleben die Brückenauer Wachtler keine Anfeindungen oder Beleidigungen. "Am Anfang mussten wir uns unsere Position schon erarbeiten. Mittlerweile kennt uns aber fast jeder", erzählt Gebhart. Die acht Euro pro Stunde seien für alle sieben Wachtler nur eine Aufwandsentschädigung. Sie erklärt, wer sich neben seinem Beruf zusätzlich noch bis zu 15 Stunden im Monat engagiere, mache das aus Überzeugung.
Der Hausmeister der Polizeiinspektion, Michael Kammerer, engagiert sich nicht nur in der Sicherheitswacht. Er ist auch in der Feuerwehr aktiv. Hier scheint sich die Akzeptanz ehrenamtlicher Helfer, wie im Rettungsdienst, etabliert zu haben. Jule Albert