Sie liegt im Grünen. An ihrer Schokoladenseite züngelt sich die Saale entlang. Der Blick ans andere Ufer bleibt an prächtigen Rosenbüschen kleben. Ludwigsbrücke und Regentenbau machen das schillernden Panorama komplett. Sie könnte ewig in ihrer Harmonie schwelgen, wären da nicht die Kritiker. Sie sprengen das Idyll, in das sich die Medienwiese fügt. Die findet sich wieder in einer Diskussion über Bedrohung und Bereicherung. Dass sie seit drei Jahren zum größten Fest der Stadt gehört, schmeckt nicht allen. Andere sind davon überzeugt, dass sie das Rakoczy-Wochenende sogar sicherer macht.

"Will man die hiesigen Wirte und Vereine ruinieren?", fragt Florian Keßler und schaut während der Stadtratssitzung in die Richtung von Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Der Stadtrat bohrt nach und spricht einigen Bad Kissinger Gastronomen aus der Seele. Die fühlen sich und ihr Geschäft während des Rakoczy-Festes von den Veranstaltungen auf der Medienwiese bedroht. "Die Vereine und Wirte kämpfen jedes Jahr darum, die Gäste zu halten", sagt Florian Keßler (DBK). Auf der Medienwiese locken Freibier und bekannte Bands das Publikum aus der Innenstadt, meint er. Kein Zustand, den die Stadt ihren Gastronomen zumuten sollte, findet Florian Keßler. Kein Grund sich in die Geschäfte der Betreiber einzumischen, findet die Stadt.

"Wir wollen eine Plattform anbieten. Den Rest regelt Angebot und Nachfrage", sagt Thomas Lutz vom Stadtmarketing. Für ihn geht das Konzept auf, das vor sechs Jahren notwendig wurde. In der Von-Hessing-Straße am Marienplatz ist es in der Vergangenheit ausgeufert. Zunehmender Alkoholmissbrauch von Jugendlichen in diesem Gebiet war den Kissingern ein Dorn im Auge. "Wir haben eine Entspannung gebraucht", sagt Thomas Lutz.

Entzerrung auf die Fläche

Das "Blaulichtviertel" mit den Rettungskräften siedelte sich dort an, wo früher exzessiv gefeiert wurde. Daraufhin verlagerte sich der Anlaufpunkt des jüngeren Publikum in die Innenstadt, die noch voller wurde. Eine Entzerrung sollte her. Aus der Europawiese und ihrem Festprogramm wurde die Medienwiese, auf der Saale Zeitung, Main Post, Primaton und TV Touring Veranstaltungen am Rakoczy-Wochenende organisieren und die Werbetrommel für das Stadtfest rühren. Heuer im vierten Jahr. "Wir investieren viel Geld. Wir buchen Bands und bewerben das Rakoczy-Fest überregional. Wir machen es bekannt und attraktiv und entwickeln das Fest weiter", sagt Alexander Subat, Geschäftsführer der Kissinger Verlagsgesellschaft. "Durch die Medien wird das Fest aufgewertet." Das Ziel, mehr Leute von außerhalb in die Stadt zu locken, werde erreicht. Die Zahlen von Thomas Lutz machen es deutlich. In diesem Jahr halten er und sein Team 35 000 Pins für die Besucher bereit. 3000 mehr als im Vorjahr. Von dem Zuwachs spürt Emmanuel Papadopoulos nichts in seinem Lokal in der Grabengasse. Im Gegenteil.

"Ich habe letztes Jahr am Sonntag draufgelegt", sagt der Gastwirt. "Durch das Verlegen nach außen verliert das Stadtfest sein Bild." Er hält die Medienwiese für Konkurrenz für die Wirtsleute. "Die Leute werden aus der Stadt weggezogen." Christian Haensch, Inhaber des "Zoom Eulenspiegel" hat einen ähnlichen Eindruck. "Der Sonntag ist für uns ein verschenkter Tag." Er habe überlegt, in diesem Jahr keine Band spielen zu lassen. Für seine Stammgäste habe er sich nun doch eine engagiert. Trotzdem versucht er, seine Kosten zu drücken. "Es hat sich raus verlagert", sagt Christian Haensch.

Leute flanieren durch die Stadt

Thomas Lutz widerspricht. Er untersucht die Besucherströme und macht Umfragen und Erhebungen. "Wir haben messbare Zeichen. Die Leute bewegen sich." Der typische Gast steige an irgendeiner Stelle ein, wo er sich einenhalb bis zwei Stunden aufhält, und flaniere nach einer gewissen Zeit. Auch an der Medienwiese tragen zu einer bestimmten Uhrzeit nahezu alle einen Pin, und den gab es bis zum vergangenen Jahr nur in der Innenstadt zu kaufen, meint Thomas Lutz. Ohnehin sei ein Effekt der Medienwiese von ganz besonderer Bedeutung: Die höhere Sicherheit für das gesamte Rakoczy-Fest.

"Man kann sich wieder freier in der Stadt bewegen", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). "Seitens der Sicherheit sollten wir dankbar sein, dass die Veranstaltung entzerrt wird." Auch aus polizeilicher Sicht eine "positive Entwicklung". "Die Entzerrung der Besucherströmung ist immer eine Erhöhung der Sicherheit", sagt Stefan Haschke, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen. Er spürt seit zwei Jahren eine deutliche Entspannung dort, wo früher vor den Toren des Stadtfestes gefeiert wurde. Entspannung tut nicht nur hier gut.