Es muss endlich was passieren. Darin waren sich am Dienstagabend alle Burkardrother Gemeinderäte einig. Schließlich bietet die Schotterfläche in der Unteren Marktstraße 3 keinen schönen Anblick, verschandelt seit Jahren schon das Ortsbild. Zudem bereitet der Hang dahinter zusehends Probleme. Deshalb stimmten die Räte in ihrer Sitzung am Dienstagabend geschlossen für die von Architekt Johannes Hahn vorgestellten Pläne. Demnach soll auf der Fläche, wo früher das Baywa-Gebäude stand, ein multifunktionales, öffentliches Gebäude entstehen und der daneben befindliche Gerberkeller saniert werden. Außerdem ist vorgesehen, die gegenüberliegende Gerberwiese zu beleben und mit einer Kneippanlage sowie einer Fahrradstation zu versehen.


Zuschuss aus Fördertopf

Um all das umzusetzen, muss die Gemeinde kräftig investieren. Rund 1,100 Millionen Euro Baukosten hat Planer Johannes Hahn für das Vorhaben veranschlagt. Geld, das der Markt Burkardroth so aber nicht hat. Die Umsetzung ist dennoch möglich, da der Freistaat das Projekt mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm unterstützt.
Laut Hahn wurde von der Regierung Unterfranken bereits eine Förderung in Höhe von 60 Prozent zugesagt. Somit bleiben zwischen 500 000 und 600 000 Euro übrig, die die Gemeinde aus ihrer eigenen Tasche finanzieren muss.


Aufwendige Hangabsicherung

Die größte Herausforderung des Bauvorhabens ist die Absicherung des Hangs. Schließlich werde davor eine etwa 6,50 Meter hohe Betonwand gebaut, erläuterte der Planer in der Gemeinderatssitzung. "Das ist nicht einfach", fügte er hinzu. Rund 260 000 Euro werden diese Arbeiten kosten. Man werde dabei die bestehende Natursteinmauer absichern und unterfangen sowie eine Drainage zur Ableitung des Hangwassers anlegen. Die neue Wand werde zudem mit Dämmung und Abdichtung versehen. Abschließend werde diese Betonwand mit Natursteinen verblendet.
Ähnlich werde man auch am Gerberkeller vorgehen, um ihn künftig vor eindringendem Hangwasser zu schützen und trockenzulegen. Gemeinderat Martin Warmuth wies an dieser Stelle darauf hin, dass es in dem historischen Gebäude auch auf der Seite zur Parkscheune Feuchtigkeit im Mauerwerk gebe. Über die Jahre hätten sich deshalb im Innern mehrere Fliesen von den Wänden gelöst. Er wollte wissen, was Hahn diesbezüglich geplant habe.
Der erklärte, dass die Wand zur Parkscheune nicht gedämmt sei und sich deshalb dort Kondenswasser niederschlage. Da der Gerberkeller mit der Sanierung jedoch trockengelegt werde, seien keine weiteren Maßnahmen notwendig. "Eine Dämmung der Wand zur Parkscheune ist für den künftigen Nutzen dieser Räume nicht notwendig", so der Planer. Schließlich seien sie nur noch als Abstellräume vorgesehen und nicht mehr als Toiletten.
Neue öffentliche WC's, sowohl für Damen und Herren als auch Behinderte, entstehen im Untergeschoss des Funktionsbaus. Der wird direkt an der Grenze zum Anwesen Untere Marktstraße 5 errichtet. Dessen Obergeschoss wird ausgebaut, so dass dort ein 55 Quadratmeter großer Mehrzweckraum, eine rund elf Quadratmeter große Teeküche sowie ein Stuhllager unterkommen. "Dies könnte man auch im Erdgeschoss unterbringen", wies der Planer auf eine Alternative hin.
Zwischen diesem zweigeschossigen Funktionsbau und dem Gerberkeller wird ebenfalls ein multifunktioneller Raum entstehen, rund 100 Quadratmeter groß, mit einem Pultdach darüber. Er soll vor allem für öffentliche Veranstaltungen, wie beispielsweise für das Marktfest oder Ausstellungen, genutzt werden können.


Glasfront zum Hof

Zur Hofseite wird der Raum mit einer zehn Meter langen Glasfront versehen. "Je zwei Glasfelder links und rechts bleiben feststehend, die in der Mitte werden zum Öffnen sein", erklärte Hahn. Die Baukosten für diese Gebäudeteile einschließlich Stützwände und Sanierung des Gerberkellers betragen rund 960 000 Euro.
Die Gemeinderäte zeigten sich damit weitestgehend einverstanden, hakten jedoch bei der geplanten Heizungsanlage nach. Diese soll 55 000 Euro kosten und mit Erdwärme betrieben werden. Siegbert Fehr aus Lauter fragte, ob es eine so teure Variante sein müsse. Schließlich werde das Gebäude nicht so intensiv genutzt wie etwa ein Wohnhaus.
Bug räumte ein, dass es durchaus Alternativen gebe. Weitere Diskussionen folgten zur geplanten Kneippanlage auf der Gerberwiese. 140 000 Euro Baukosten hat der Planer dafür veranschlagt - inklusive Fahrradstation für E-Bikes und Unterstand. Vorgesehen ist ein 8,50 Meter langes Kneipp-Tretbecken in Form einer rechteckigen Betonwanne. "Etwa acht Personen können darin ihre Touren laufen", erklärte Hahn. Das Wasser für dieses und das Armbecken soll vom Brunnen auf dem Marktplatz stammen und über eine Schlauchleitung zur Gerberweise gelangen. Dort sieht Hahn vor, eine Zisterne als Speicher zu installieren. "Der Abfluss folgt in den Bach", fügte er hinzu.


Wer übernimmt die Organisation?

Einige Gemeinderäte wollten schließlich wissen, wer sich künftig um die Kneippanlage kümmern wird. "Draußen in den Dörfern erledigen die Leute das ehrenamtlich. Ich befürchte, hier übernimmt das die Gemeinde", sagte Egon Gessner. Bug antwortete, er hoffe darauf, dass sich ein Verein findet, der sich nicht nur um die Kneippanlage, sondern auch um das neue multifunktionale Gebäude kümmert, die Pflege, die Organisation und das Management übernimmt. "Gegebenenfalls muss dieser erst noch gegründet werden", meinte er.
Obwohl er mit diesem Argument nicht alle Gemeinderäte überzeugen konnte, stimmten sie letztlich dem Vorhaben zu. Voraussichtlich im Frühjahr 2017 könnten nach Auskunft des Planers die Bauarbeiten dafür beginnen. "Sie werden schätzungsweise Ende 2018 abgeschlossen sein", sagte Johannes Hahn auf Nachfrage dieser Zeitung.