Kaum sind Peter Halbleib, Richard Heurich, Herbert Leibold und Thomas aus dem neuen Shuttle-Bus auf dem Maria Ehrenberg ausgestiegen, greifen sie schon zu Rechen, Schubkarre und Schaufel. Die vier Männer gehören zu den Helfern, die am Samstag in und um die Wallfahrtskirche für Ordnung sorgten, damit morgen, Dienstag, 1. Mai, das neue Wallfahrtsjahr ohne Komplikationen eröffnet werden kann. Unter der Woche hatten Frauen bereits Messgewänder eingeräumt, die Gesangbücher auf den Berg gebracht und geputzt.

"So dreckig wie heuer war die Treppe noch nicht", sind sich die vier Männer schon nach kurzer Zeit einig. Am Fuß der so genannten Himmelsleiter beginnen sie ihr Werk und arbeiten sich die 254 Stufen hoch. Bei der alten Treppe seien jährlich nur kleine Ausbesserungsarbeiten nötig gewesen, aber heuer "blieb richtig viel hängen". Peter Halbleib, Richard Heurich, Herbert Leibold und Thomas Heurich rechen Laub weg und kratzen Moos und Unkraut aus den Fugen und von den Steinen. Das geht schnell ins Kreuz, aber alle vertrauen darauf, dass Masseur Thomas Heurich die müden Muskeln wieder in Schwung bringen wird. "Er hat ja schon Handschuhe gegen die Blasen angezogen." Peter Halbleib dagegen bluten die Finger: "Da hat man schon Buße getan, bevor das Wallfahrtsjahr losgeht."

Eine Stunde später sind sie noch nicht einmal bei der zweiten Mutter-Gottes-Statue angelangt, dennoch heizt ihnen die Sonne ordentlich ein. Die Männer auf dem Gipfel hingegen säubern die Dachrinnen, in denen schon das Gras gewachsen ist, und entfernen Äste sowie den Draht um die gesamte Anlage herum, der vor dem Winter zum Schutz vor Wildschweinen angebracht worden war.


Test für die Technik



In der Zwischenzeit testet Frank Scherner in der kühlen Kirche die Technik. Die Glocken läuten, und die Lautsprecher funktionieren, jedoch zum Leid des draußen Laub rechenden Jürgen Kraus, denn klassische Musik will er dieses Jahr mal nicht beim Frühjahrsputz hören. Seine mitgebrachte CD erkennt die Anlage nicht: Seit 1998 steht sie bereits auf dem Maria Ehrenberg, ist aber noch deutlich älter. "Dann singen wir halt selber", bestimmt Frank Scherner. Er übernimmt im Wallfahrtsjahr Küsterdienste bei Wallfahrten an den Werktagen und macht die Kirche anschließend wieder sauber. Der Lautsprecher-Test ist nun mit Falcos "Out of the Dark" erfolgreich bestanden, passend zum Lichtblick für die vier auf der Himmelsleiter, denen Scherner auf Höhe der zweiten Marienfigur Wasserflaschen bringt.

Woanders sei es immer ein Problem, Helfer zu organisieren, nicht so bei der Maria-Ehrenberg-Mannschaft. "Das hat sich so eingespielt", hört man immer wieder aus der eingefleischten Truppe. Die einen sind seit fünf Jahren dabei, andere schon von Kindesbeinen an. Engelbert Bauer wurde schon von seinem Lehrer mit der Klasse auf die Treppe geschickt, um das Unkraut rauszukratzen. Im Nachhinein ein Fehler, so der Kothener, denn dadurch haben die Stufen an Halt verloren. Später kam er als Messdiener auf den Ehrenberg, danach wirkte er in der Pfarrverwaltung mit. Seit nunmehr 18 Jahren kommt er zum Frühjahrsputz.

Was macht Maria Ehrenberg aus? Pfarrer Pretscher habe mit Lichtbildvorträgen Werbung für den Wallfahrtsort gemacht und ins Licht gerückt, berichtet Engelbert Bauer. Gerade im Mai kämen viele Seniorengruppen zu einem Ausflug in die Rhön und verbinden dies mit einem Gottesdienst auf dem Maria Ehrenberg. Der Wallfahrtsort sei eine "beständige Sache", sagt Bauer. Manche hätten durch ihre Eltern, die schon bei Wallfahrten dabei waren, eine enge Beziehung zu dieser Kirche. Es sei Tradition, bei Wallfahrten mitzugehen. Seine eigene Tradition, den Maria Ehrenberg nach dem Winter wieder für die Wallfahrten herzurichten, will Engelbert Bauer noch lange beibehalten: "So lange ich das noch kann, mach ich mit."