Durch die Arbeitswoche an der Musikakademie gelangt auch konzertante Literatur zu den Heimatkapellen. "Hier beherrscht größtenteils die traditionelle Blasmusik das Metier. Zu kirchlichen Anlässen oder bei Festen hat konzertante Blasmusik wenig Eintritt", erklärt Jürgen Weyer, Organisator der von Bezirk und Freistaat geförderten Bläserwoche. Weyer weiß aber sehr wohl um den Stellenwert unterhaltender oder begleitender Musik in den Dörfern. "Musik solcher Art braucht jeder Ort", unterstreicht der 39-Jährige und verweist auf das Wertungsspiel, das seit drei Jahren auch für diesen Sektor eingeführt wurde.

Andere Instrumente ausprobieren


In der Bläserwoche stehen auch verschiedene Instrumente zum Ausprobieren bereit, die häufig in den Heimatkapellen nicht vertreten sind, wie beispielsweise Xylophon oder Pauken. Zudem stellt Weyer die "nicht zu unterschätzenden Vorteile der Persönlichkeitsbildung" solcher Seminare heraus. "Durch die Bläserwoche sind schon viele Kontakte vertieft und das Engagement unter Heimatkapellen forciert worden sowie Vereinspartnerschaften entstanden", weiß der Brendlorenzer. So gesehen wirkten die jungen Musici auch als Multiplikatoren.

Für Abwechslung gesorgt


Die Bläserwoche soll als Teil einer musikalischen "Nachwuchsschmiede" aber auch in anderer Hinsicht wirken. So sorgen eine Schnitzeljagd auf Schloss Saaleck, eine Stadtbesichtigung oder der Besuch einer Eisdiele mit Begleitung durch Tanja Dommes für eine willkommene Auflockerung der anstrengenden Übungseinheiten für die Zwölf- bis 18-Jährigen.
Die konzertante Blasmusik bildet allerdings den Mittelpunkt. "Hier kann ich viel lernen und mich entscheidend verbessern", meint zum Beispiel Peter Balling, der im Musikverein Rannungen Posaune und Bariton spielt. Hier musiziert der Zwölfjährige bereits mit den Erwachsenen zusammen. "Die Musik macht mir große Freude, und da möchte ich dabei bleiben", betont er.
Im Herbst stehen bei dem Jungmusiker Prüfungen an. "Ich möchte gern das silberne Wertungsabzeichen mit der Posaune und das goldene Abzeichen mit dem Bariton absolvieren", verkündet er stolz. Musik als Beruf kann er sich aber nur schwer vorstellen. "Ich will lieber arbeiten und die Musik als Hobby betreiben", erklärt Peter.

"Schlagzeug ist voll cool"


Ähnlich denkt auch Anna Kirchner vom Musikverein Stangenroth, die mit Inbrunst Schlagzeug spielt. Seit dem sechsten Lebensjahr, als ihre Heimatkapelle eine Bläserklasse gründete, musiziert die heute 15-jährige. Die "Schießbude" macht ihr unheimlich viel Spaß. "Schlagzeug spielen - auch in der konzertanten Variante - ist voll cool", sagt sie.
Die junge Drummerin will "auf jeden Fall das goldene Leistungsabzeichen erreichen und nur zu gerne einmal in einem richtig großen Orchester mitspielen." Aber auch bei ihr soll das Musizieren ein Hobby bleiben. Toll findet Anna zudem, dass sie in der Bläserwoche neue Leute kennen lernt und Instrumente ausprobieren darf, die es im Heimatverein nicht gibt.

"Echt dazugelernt"


Bei dem Abschlusskonzert am Samstagnachmittag werden den zahlreich erschienenen Eltern und Besuchern die Ergebnisse der Bläserwoche präsentiert. Als Gesamtorchester oder in verschiedenen Ensembles trumpfen die jungen Musiker im Großen Saal auf. Ein erstaunter Vater kommentiert: "Die haben ja echt dazugelernt."