16 Auszubildende haben zum zweiten Mal in Bad Kissingen die Möglichkeit, im Rahmen der Azubi-Akademie des Bundes der Selbstständigen an insgesamt neun Workshops teilzunehmen. Bis zum Sommer stehen Kurse zu Allgemeinbildung, Telefontraining, Selbstorganisation und Gesundheit am Arbeitsplatz auf dem Programm. Auch der anstehenden Bundestagswahl ist eine Veranstaltung gewidmet.


Teamfähigkeit, Höflichkeit

Ziel aller Workshops ist es, die sogenannten Soft Skills zu vermitteln. Das sind Eigenschaften, die für eine erfolgreiche Karriere unumgänglich sind, aber in der klassischen Berufsausbildung meiste nur kurz behandelt werden: Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Pünktlichkeit und Höflichkeit etwa.
"Ich kann hier alles erfahren, was ich in der Berufsschule und im Betrieb nicht lerne", freut sich Anastasiya Kovalchuk. Die 17-Jährige hat vor einem Monat eine Ausbildung zur Verkäuferin beim Modehaus Ludewig in Bad Kissingen begonnen und nimmt das erste Mal an der Azubi-Akademie teil.


Telefontraining

Auch Landrat Thomas Bold (CSU) betont bei seiner Begrüßung zum ersten Workshop, dass Aufgabenstellungen im Berufsleben immer komplexer werden. Deshalb sei es umso wichtiger, solche Kompetenzen zu erlangen.
In ganz Bayern nehmen an 30 Standorten schon rund 1000 junge Menschen an der Akademie teil. Seit zwei Jahren können auch sechs Unternehmen aus Bad Kissingen ihre Azubis anmelden. Acht Teilnehmer kommen aus der Zahnarztpraxis Dr. Wahler und Kollegen, gefolgt von der VR-Bank mit drei jungen Azubis.
Kathrin Dyk von Dr. Wahler und Kollegen unterstützt das Projekt zusätzlich, indem sie einen Großteil der organisatorischen Aufgaben für Bad Kissingen übernimmt. "Wir wollen unseren Azubis etwas bieten, weil es einfach immer schwerer ist, gute Auszubildende zu bekommen", sagt sie. Vor allem das Telefontraining sei für die zukünftigen zahnmedizinischen Fachangestellten sehr wichtig.
Die Marktgemeinde Burkardroth, Höchemer Büro GmbH & Co.KG, ZIM GmbH, und Otto Heil GmbH & Co.KG nehmen ebenfalls teil. Auch wenn seit September dieses Jahres jeder Teilnehmer, der kein Mitglied im Bund der Selbstständigen (BDS) ist, eine Pauschale bezahlen muss: "Die Unternehmen sind trotzdem nach wie vor begeistert", sagt Frank Bernard, Geschäftsführer des Bundes der Selbstständigen und Projektleiter der Azubi-Akademie.
"Es ist einfach mal schön, was anderes zu machen, auch wenn mir manches inhaltlich nichts bringt", erzählt Jana Brust, die bei der VR-Bank eine Ausbildung zur Informatikkauffrau macht. Sie ist schon das zweite Mal dabei.


Interaktiv statt Vorträge

Da es viele Azubis gibt die mehrere Male teilnehmen, legt der Projektleiter Wert darauf, dass sich die Workshops nicht allzu oft wiederholen. Auch das Workshop-Konzept kommt an. "Vorträge sind einfach nicht so spannend, wie interaktives Arbeiten", erklärt Bernard.
Zum Abschluss des Projekts erhalten alle Teilnehmer im Sommer ein Zertifikat, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales anerkannt ist.
Müsste man das Ziel des Projektes in einem Satz zusammenfassen, würde man wohl sagen, dass die jungen Erwachsenen "über ihren Tellerrand schauen", so Bernard. Vom IT- Systemkaufmann und Fachinformatiker, über die Ausbildung zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, bis hin zum Bankkaufmann und Zahntechniker sind viele Ausbildungsberufe vertreten.
Trotz des unterschiedlichen Alters und der verschiedenen Branchen verstehen sich die Azubis auf Anhieb gut. Nach dem ersten Kennenlernen folgt der erste Workshop zum Thema Allgemeinbildung. "Ich will die jungen Leute animieren, dass sie jeden Tag mal in die Zeitung schauen, oder mal Nachrichten sehen. Das sollte so regelmäßig wie das Zähneputzen sein", erzählt die Referentin Beatrix Lieb von der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau.
Für die Zukunft hoffen die Initiatoren, dass sich weitere Unternehmen und Auszubildende an dem Projekt beteiligen, und neue Standorte ausgebaut werden. Mehr Informationen unter www.bds-auzubiakademie.de und www.bds-bayern.de. Jule Albert