Drei Bundesländer, fünf Landkreise, mehr als ein Dutzend Vereine und Verbände (siehe Info-Kasten): Die Rhön will nach außen als Einheit auftreten, hat nach innen aber eine selbst für Experten schwer zu durchschauende Struktur. Das soll sich nun bald ändern: "Wir wollen ein Destinationsmarketing aus einer Hand und länderübergreifend", nannte Landrat Thomas Bold (CSU) als Ziel. Der Bad Kissinger Kreistag hat dazu in seiner jüngsten Sitzung die Weichen gestellt.
"Es ist nicht immer einfach, über drei Länder hinweg Kompromisse zu finden", blickte Bold auf ein "sehr arbeitsintensives Jahr" zurück. Der Landkreis Bad Kissingen hat aktuell den Vorsitz in der Arge Rhön, der Arbeitsgemeinschaft der fünf Rhön-Landkreise. Geschäftsführer Jürgen Metz stellte Pläne und Historie vor: Auftakt war bereits 2014, im vergangenen Jahr standen die Zukunftswerkstatt mit lokalen Akteuren und eine Bestandsaufnahme an. Metz ging auf Beispiele ein: So stiegen zwar die Übernachtungszahlen in den fünf Landkreisen, nicht aber im eigentlichen Biosphärenreservat (BR). Es gebe zwar Vorzeige-Projekte wie den Premium-Wanderweg "Hochrhöner", aber: "Das ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre her", relativierte Metz diesen Erfolg. "Jeder macht ein Stück weit sein eigenes Ding", kommentierte Metz allgemein das aktuelle Marketing.


Kreise als Gesellschafter

Das Ziel ist, fest gefahrene Strukturen aufzubrechen. Mit dem Berliner Büro BTE wurde ein Konzept entwickelt, um die Rhön besser zu vermarkten sowie mehr Gäste und damit mehr Wertschöpfung in die Rhön zu holen. Zentrale Instanz dafür soll eine neue Rhön GmbH werden, vermutlich soll sie aus der bisherigen Dachmarke Rhön GmbH entstehen. Dabei gibt es jede Menge rechtliche Fragen: Aktuell ist der Dachmarke-Verein alleiniger Gesellschafter der GmbH, die Rhön GmbH soll jedoch die fünf Kreise als alleinige Gesellschafter bekommen.
Trotzdem soll der Dachmarke-Verein mit knapp 300 Mitgliedern unter anderem als Markennutzer bestehen bleiben. Auch andere Organisationen wie der Verein Rhönforum in Thüringen oder die hessische "Rhön Tourismus und Service GmbH" bleiben bestehen und geben lediglich Kompetenzen ab. Die "Tourismus GmbH Bayerische Rhön" wird möglicherweise mit der neuen Rhön GmbH verschmolzen.
Ein Grundsatz bei der Beratung sei "zentrale Kompetenz, dezentrale Präsenz" gewesen. Sitz der neuen Rhön GmbH soll Oberbach im Landkreis Bad Kissingen sein, die anderen vier Kreise sollen jedoch "Kompetenzcenter" oder Regionalbüros erhalten. Laut Metz gibt es im Moment Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern. Die Stelle des Geschäftsführers ist bereits ausgeschrieben. Aktuell geklärt werden noch die Unterschiede beim Beihilferecht der drei Länder, zudem würden Verträge mit den Schutzgebietsverwaltungen vorbereitet.


"Bedeutender Schritt"

"Alle sehnen sich nach einer einheitlichen Vermarktung", würdigte CSU-Kreisrat Walter Gutmann die Bemühungen. Drei Länder und fünf Landräte unter einen Hut zu bekommen, sei ein "bedeutender Schritt": "Es ist viel erreicht worden", lobt er das Konzept, schränkte aber auch ein: "Es wird noch etliche Jahre dauern und noch viel Arbeit brauchen." Auf Nachfrage berichtete Landrat Bold, dass die Tourist-Informationen in der Rhön nicht der Rhön GmbH zugeordnet werden, weil sie zu unterschiedlich verteilt seien. "Da müssen wir noch sehen, wie wir das regeln."