Es gibt Orden und Ehrenzeichen, die leichter zu bekommen sind, als die Bad Kissinger Bürgermedaille. Wer die haben will, muss sich über viele Jahre engagieren. Wie Olga Straub es seit 1962 tut, "weil ich schon immer für andere, vor allem ältere Menschen, eine Schwäche gehabt habe." Da seien die Auszeichnungen, die sie bekommen hat, "Nebensache".
Früher war sie mit dem Kinderwagen unterwegs und hat gleichzeitig die Post für das katholische Pfarramt ausgetragen. Sie ist seit 1983 das - jetzt dienstälteste - Mitglied des Pfarrgemeinderats, führt die Frauen der Katholischen Arbeitnehmerschaft, wurde als erste Frau in der Pfarrei Kommunionhelferin und Lektorin. Olga Straub betreute Menschen im Krankenhaus und daheim, leitet seit 1994 sehr aktiv die Nachbarschaftshilfe der Herz-Jesu-Pfarrei, führt Caritas-Sammlungen durch und gehört dem Seniorenbeirat an. In Würdigung dieses langjährigen, herausragenden Engagements bekam sie die Bürgermedaille von Bad Kissingen.
Die gleiche Auszeichnung ging an Silvia Ammersbach, die seit über 30 Jahren die katholische Pfarrbücherei in Garitz betreut. Deren Bestand ist von 150 auf 1600 Bücher angestiegen. Dazu kommen weitere 5400 Medien. 16 000 Ausleihungen pro Jahr zeigen, wie gut dieses Angebot im Stadtteil genutzt wird.
George Ohl ist in doppelter Hinsicht ein Sonderfall: Er wohnt nicht in Bad Kissingen und er ist US-Staatsbürger. Von 1977 bis 2010 leitete er das Amt für Presse und Öffentlichkeit der US-Garnison Schweinfurt/ Bad Kissingen. Er war damit das wichtigste Bindeglied zu den deutschen Behörden, Kreisen und Kommunen, organisierte eine Vielzahl von Initiativen und Aktionen, die sich sehr positiv auf das Miteinander von US-Army und Bevölkerung ausgewirkt haben. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) nannte ihn ein Symbol für die deutsch-amerikanische Freundschaft und einen Freund Bad Kissingens.
In seiner Festrede sagte der OB, mit der Würdigung wolle die Stadt wieder ein Zeichen setzen und unterstreichen wie bedeutend das ist, was die Geehrten getan haben. Sie hätten gezeigt, "diese Stadt ist mir wichtig, ich will mich für sie einsetzen." Ihr Engagement sei Ausdruck richtig verstandener Solidarität des Starken und Leistungsfähigeren mit Schwachen. Mit der Medaille wolle die Stadt nicht nur danke sagen, sondern zum Nachmachen anregen.
Mit der Bürgermedaille (in der Regel in Bronze) würdigt die Stadt Kissingen Mitmenschen, die sich in besonderer Weise und lange Jahre um die Allgemeinheit verdient gemacht hat. Die Auszeichnung gibt es auch, selten, in Silber und in Gold.Es ist neben der Ehrenbürgerschaft die höchste Ehrung, die die Stadt vornehmen kann. Bislang wurde die Medaille rund 200 Mal vergeben. Knapp 100 Träger leben noch. Der Stadtrat entscheidet, nach Vorauswahl durch seine Fraktionen, über die Vergabe. Die Überreichung erfolgt im Rahmen einer Stadtratssitzung einmal im Jahr.