Bio-Landwirt Markus Hartmann kommt am Sonntag, 15. Juni, mit einem "rollenden Bauernhof" auf die Freifläche neben dem Kissinger Gradierbau (Untere Saline). Auf einem begehbaren Anhänger zeigt er dort von 11 bis 17 Uhr seinen Streichelzoo aus Kälbern, Schweinen, Ziegen und Hühnern. Damit sollen vor allem Kinder angelockt werden. "Wenn die Menschen nicht mehr zu den Tieren kommen, kommen unsere Tiere eben zu den Menschen."
Mit der Aktion beteiligt sich der Kreisverband am bundesweiten "Tag des offenen Hofes", der heuer unter dem Motto "Landwirt schafft Heimat" steht. 1200 landwirtschaftliche Betriebe sind im Landkreis Bad Kissingen gemeldet. Davon betreiben etwa 85 Prozent die Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb. Allerdings bewirtschaften die restlichen 15 Prozent im Vollerwerb über 60 Prozent der Ackerflächen.

Weniger, aber größere Höfe

Etwa zwei Drittel aller Betriebe haben ihren Schwerpunkt im Ackerbau, nur ein Drittel ist in der Tierhaltung und in der Milchwirtschaft aktiv. "Die Zahl der Tierhalter ist zwar gesunken, die Zahl der Tiere aber gleich geblieben", weiß Georg Scheuring, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. "Die Bestandsgröße pro Hof ist also gewachsen."
Bei Bio-Landwirt Markus Hartmann stehen insgesamt 160 Rinder, vom Kalb bis zum Zuchtbullen im Stall. Seine 75 Milchkühe kennt er fast alle mit Namen. "Falls ihm der mal nicht einfällt, erkennt er die Kuh am Euter", schmunzelt Ehefrau Judith. Aber es stimmt tatsächlich. Im riesigen Stall hat jedes Rind seine vorgeschriebenen 6,5 Quadratmeter. "Das ist für unsere Tiere Wellness pur", ist Judith Hartmann zufrieden.
Vor drei Jahren hat das Ehepaar seinen Hof vollständig auf Bio umgestellt. "Seitdem geht es den Tieren, aber auch uns viel besser." Im Stall steht die Gesundheit der Rinder an erster Stelle. Antibiotika werden nur noch eingesetzt, wenn das Tier krank ist.
Seinen 120 Hektar großen Bio-Hof bewirtschaftet Markus Hartmann nur mit der Familie. Allenfalls in Spitzenzeiten braucht er Hilfe. Neben den Weideflächen für seine Rinder ("pro Rind vier Quadratmeter") baut er Getreide zum Verkauf und Grünfutter für den Eigenbedarf an. Chemischer Pflanzenschutz ist verboten, gedüngt wird nur noch mit natürlichen Stoffen wie hofeigene Gülle. Alles in allem hat die Familie ihr Auskommen - auch ohne Massentierhaltung.

Guten Ruf auffrischen

"Wir wollen am 15. Juni über die Tiere mit den Menschen ins Gespräch kommen", hofft Kreisvorsitzender Karlheinz Vogler auf guten Besuch des "rollenden Bauernhofes". Die Landwirtschaft habe in der Bevölkerung einen guten Ruf, "den wir aber immer wieder auffrischen müssen". Denn hin und wieder sorgen doch Schlagworte wie industrielle Landwirtschaft, Massentierhaltung oder Medikamenteneinsatz in der Öffentlichkeit für Verwirrung.
Deshalb wollen Mitglieder des Kreisbauernverband wie das Ehepaar Hartmann, Kreisbäuerin Rita Jörg, Landwirt Edgar Thomas oder Bäuerin Edeltraud Häusler während des Aktionstages an der Unteren Saline die erwachsenen Besucher über die heutige Landwirtschaft mit ihren Gesetzesvorschriften und unübersichtlichen EU-Vorgaben informieren. Im Streichelzoo dürfen die Kinder alle Tiere anfassen, um zu begreifen, dass Milch nicht aus dem Tetra-Pack und Eier nicht aus der Pappschachtel kommen. Für alle gibt es zudem eine Glücksrad-Tombola.