Lautes Geschnatter tönt über den Burkardrother Marktplatz. Doch ein Verursacher ist nicht direkt auszumachen. Die Laute kommen von der "Blauen Lagune". So werden die Stufen hinunter zum Bach Aschach genannt, der am Rand des Marktplatzes zwischen Rathaus und Bäckerei Schmitt freigelegt ist. Abends leuchten die eingelassenen Lampen blau, daher der Name.
Dort unten im Wasser streiten sich zwei Erpel um eine Ente, zwicken und jagen sich lautstark. Die Umworbene hingegen scheint das nur wenig zu interessieren. Sie macht sich lieber auf die Suche nach einem stillen Plätzchen, wo sie sich ungestört sonnen und putzen kann. Das findet sie auch, einige Meter Bach abwärts in Höhe der Sparkasse, weit weg von den beiden Streithammeln.


Teil des Ortsbildes

"Die Enten gehören schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten zum Ortsbild", sagt Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). Probleme gebe es mit den Tieren nicht. Ihm seien keine Beschwerden von Bürgern bekannt. Nur ab und zu finden sich auf den Stufen der "Blauen Lagune" ihre Exkremente, die der nächste Regenguss aber sofort wegspült.
"Manchmal watscheln die Enten sogar über den Marktplatz", erzählt das Ortsoberhaupt. An einem Sonntagmorgen Ende Mai konnte man einen Erpel dabei beobachten, wie er in Höhe der Raiffeisenbank gemütlich die Straße überquerte. Die Autofahrer zeigten sich jedoch tierlieb und hielten extra für den "Wandervogel" an.
Etwa zwölf bis 15 Enten leben entlang der Aschach im Ortszentrum Burkardroths. Drei bis fünf würden sich laut Ortsoberhaupt überwiegend am Rathaus aufhalten, weitere sieben, acht an der Holzmühle. "Die Vögel kümmern sich weitestgehend um sich selbst", sagt Bug. Sie holen sich ihr Futter aus dem Bach, sorgen somit für ein entsprechendes ökologisches Gleichgewicht in dem Gewässer. Nur ab und zu beobachtet er Passanten und Kinder, die die Enten füttern. Schädlich ist das für die Tiere nicht. Allerdings sollten dabei laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) ein paar Regeln eingehalten werden.
So empfehlen die Experten, die Wasservögel nur an Land zu füttern. "Werfen Sie kein Futter ins Wasser, damit das Gewässer nicht unnötig verschmutzt wird", ist auf der Internetseite der Organisation nachzulesen. Zudem wird dazu geraten, Brot nur in ganz kleinen Mengen zu verfüttern. Viel besser seien beispielsweise Haferflocken oder Obst. Oftmals würden die Tiere nicht das gesamte Futter fressen, dass ihnen zugeworfen wird. Brot beispielsweise weicht dann auf, sinkt an den Gewässerboden und verfault dort. Dabei werden große Mengen Sauerstoff verbraucht, der wiederum Fischen und anderen Wassertieren fehlt. Es kann dazu kommen, dass Algen stark wachsen und das Gewässer "umkippt". In vielen Städten ist es daher verboten, Wasservögel zu füttern. In Burkardroth aber nicht.


Geschmack bekannt

"Ich weiß genau, welches Brot die Enten mögen", erzählt Brunhilde Urschlechter, eine Anwohnerin, die die Tiere ab und zu füttert, meistens im Winter. Dass die Vögel in unmittelbarer Nachbarschaft leben, stört sie nicht, im Gegenteil. "Es ist jedes Mal toll, sie zu beobachten", sagt sie. Nur manchmal sei deren Geschnatter sehr laut. Das liegt vermutlich daran, dass Enten sehr mitteilsame Tiere sind, Stimmlaute und Körpersprache laut Experten zur Kommunikation einsetzen.
"Wissenschaftler der Middlesex University in Großbritannien haben herausgefunden, dass sie sogar über regionale Akzente verfügen, genau wie Menschen", ist auf der Homepage der Tierschutzorganisation PETA nachzulesen. Stadt-Enten würden eher ein "schreiendes" Quaken von sich geben, während Enten vom Lande über eine weichere, sanftere Stimme verfügen. "Wenn mir das Geschnatter trotzdem zu laut wird, mache ich einfach meine Fenster zu", erzählt Anwohnerin Brunhilde Urschlechter.


Anzahl konstant

Vor einigen Jahren haben ihre Söhne sogar ein Häuschen gebaut und an der Aschach aufgestellt, damit die Enten darin brüten können. Doch leider haben sie den Unterschlupf nicht angenommen. "Vermutlich, weil er nicht sicher genug war, auch Marder dorthin kamen", sagt sie. Die Anzahl der Enten in Burkardroth ist nach Einschätzung des Bürgermeisters seit Jahren relativ konstant. Eine übermäßige Vermehrung habe er nicht beobachtet.


Nachwuchs einmal jährlich

Die Enten-Weibchen brüten laut Lexikon einmal im Jahr ein Gelege von sieben bis 16 Eiern. Etwa vier Wochen dauert es, bis die Küken schlüpfen. Dabei bohren sie mit einem Zahn im Schnabel ein Loch in die Schale. Sechs bis zwölf Stunden nach dem Schlüpfen verlassen sie bereits das Nest und können sofort losschwimmen, nach acht Wochen auch fliegen. Nur Erpel, die männlichen Enten, können das nicht immer. Denn ab Ende Mai wechseln sie ihr Federkleid, mausern sich, und sind somit im Juni und Juli flugunfähig. An der Aschach findet man deshalb nicht nur sich zankende Enten, sondern auch ihre Federn.