"Der Lachclub lebt richtig auf", sagt Matthias Vollmuth, der das Lachyoga leitet und seit 2009 auch Vorsitzender des Vereins ist. Elf Mitglieder hat er derzeit; aber dadurch, dass nicht nur sie gemeinsam lachen, sondern jeder willkommen ist, der möchte, sind die Treffen gut besucht. "Zwischen zwölf und 25 Teilnehmern hatten wir in den letzten Wochen", berichtet Vollmuth. In der Regel, sagt er, träfen sich durchschnittlich sieben bis 15 Personen zu den Lachyoga-Abenden. "Wir leben von den Kissingern und Leuten aus den Ortschaften außen. Aber es kommen auch viele Kurgäste."

Der Lachclub Bad Kissingen ist ein gemeinnütziger Verein der Gesundheits- und Wohlfahrtspflege. Nach seiner Ausbildung bei der Lachyoga-Initiative München hat Vollmuth ihn, gemeinsam mit Rudolf von Bergen-Wedemeyer, gegründet. Mit einer Zeitungsanzeige und einer Aktion im Stadtsaal machte der Club auf sich aufmerksam. Ein erster Stamm von 15 Mitgliedern bildete sich. Nach einigen Ortswechseln - Lachen ist mit Geräusch verbunden - ist der Club heute im Mehrgenerationenhaus daheim. Von Mitte vierzig an aufwärts sind die Teilnehmer in der Regel, doch es kommen auch Jüngere - gerade unter den Kurgästen.

Wie muss man sich Lachyoga vorstellen? "Es werden keine Witze erzählt", stellt Matthias Vollmuth klar. Er spricht zu Beginn der Stunde über den gesundheitlichen Aspekt des Lachens. Dann machen die Teilnehmer Lockerungsübungen, bewegen sich zu Musik - oft solcher, über die man schmunzeln kann. "Dann fallen die ersten Hemmungen." Vollmuth weiß, wovon er spricht. Als er das erste Mal selber zu einem Lachyoga-Abend ging, saß er da und bekam Zweifel. Am liebsten wäre er wieder gegangen, doch er traute sich nicht und blieb. "Gott sei Dank", wie er heute sagt. Denn weil er bis zum Ende mitmachte, erfuhr er, wie beglückend und befreiend Lachyoga tatsächlich ist. "Ich war wie in meine Kindheit zurück katapultiert."


Lachen - aber richtig



Nach der Lockerung macht die Gruppe Atemübungen. "Das ist ganz wichtig. Beim Lachen verbraucht man sechsmal soviel Sauerstoff wie bei normaler Atmung." Außerdem ist falsches Atmen Ursache vieler Krankheiten. Und dann kommen die Lachübungen. "Wir schauspielern das Lachen", erläutert Vollmuth. Schüchternes Lachen ist dabei, lautes Lachen, schäbiges Lachen. "Das Hirn unterscheidet nicht zwischen echtem und gespieltem Lachen."

Nach drei Minuten Lachen findet eine Veränderung statt: Endorphine, Glückshormone, werden ausgeschüttet. Die Fingerkuppen werden feucht, das Zwerchfell - der flächenmäßig größte Muskel - hüpft, Tränen fließen, über 100 Muskeln treten in Aktion. Doch das Beste, wie Vollmuth findet, ist: "Wenn ich lache, denke ich nicht. Der Kopf ist ausgeschaltet. Ich kann also auch nichts Negatives denken. Und in der Phase, in der wir nichts denken, entspannen wir."

Das gespielte Lachen schlägt irgendwann um in echtes Lachen. Wenn die Teilnehmer "hochgepusht" sind, kann das Lachen wellenweise und ganz unmotiviert kommen. Nach jeder Lachübung folgt eine Klatschübung, eine Übung aus dem Bereich der Yogaatmung. Augenkontakt ist dabei erwünscht, denn das Lachen geht weiter, und über die Augen ist Lachen am ansteckendsten.


Lachen - voll gesund



Dass Lachen gesund ist, ist wissenschaftlich belegt. Die Gelotologie befasst sich mit den Auswirkungen des Lachens. "Beim Lachen", weiß Vollmuth, "bauen wir Stress ab, stärken das Immunsystem, weiten die Blutgefäße. Sogar die Blutwerte verbessern sich." Jedes Organ wird durchgeschüttelt, die Verdauung wird angeregt und der Heißhunger reguliert. Emotionen und Aggressionen werden abgebaut. Lachen kann sogar, heißt es, ein natürliches Schmerzmittel sein.

Madan Kataria, ein Arzt in Mumbai, hat das Lachyoga entwickelt; in seiner Heimat wird es sogar in Gefängnissen angewandt. Lachyoga sei, meint der Kissinger Übungsleiter, "ein Stück weit was Verrücktes". Aber: Das Lachen fördert das Miteinander - Auch in Firmen!" - und es macht kreativ, wie in Versuche bewiesen wurde. "Lachen geschieht bei uns ohne Leistungsdruck."

Matthias Vollmuth arbeitet auch mit Kliniken zusammen. Die Stunden im Lachclub bringen auch dafür Routine, Sicherheit und mitunter neue Ideen. "Es gibt auch Therapeuten, die ihre Patienten auf den Lachclub hinweisen", sagt er. "Es gibt Patienten, die mir sagen, dass sie sich nach dem Lachyoga besser bewegen, als bei der Physiotherapie." Seine Deutung: "Sie bewegen sich freier dabei."

Lachyoga ist natürlich auch etwas für "Gesunde". "Wir lassen uns ein Stück weit gehen, wenn wir lachen." Lachen sei "hochinfektiös", aber nicht gesundheitsschädlich. "In der Gruppe ist die Ansteckung größer. Man kann nicht nur zuschauen. Das hält keiner aus."