Es flanierten historische Persönlichkeiten durch die Anlage. Der Adel hielt Hof und gab Autogramme, und Ludwig XIV. hatte seinen Spielekönig nach Bad Kissingen abgeordnet, um den vielen Gästen historische Spiele näher zu bringen.

Den Spielekönig gab es früher tatsächlich. Er hatte die Aufgabe, sich immer neue Abwechslungen für die Adeligen auszudenken, erzählt Jürgen Hohenwald, der an diesem Sonntag in die Rolle des Spielekönigs geschlüpft war. Hohenwald hatte eine ganze Reihe historischer Spiele mitgebracht, wie sie vor 250 Jahren entweder am französischen, aber auch am preußischen Hof gespielt wurden.


Historische Spiele

Die Spiele kamen auch in Jetztzeit an - bei Besuchern aller Altersklassen. Jürgen Müller war mit seiner ganzen Familie aus Starnberg angereist. Er selbst war das erste Mal auf dem Rakoczy-Fest. Die alten Spiele, fand er, seien witzig und richtig spannend - interessanter als manches neue Spiel. Auch der elfjährig Jonas aus Erding konnte das bestätigen. Gespielt hatte er solche Spiele noch nie, obwohl manche durchaus den klassischen Brettspielen ähneln. Er hatte auf jeden Fall richtig Spaß dabei.


Während sich ganze Familie um die hohen Spieltische versammelten, war nach dem Festzug auch die Zeit für große und kleine Autogrammjäger gekommen. Manfred Otto, der in diesem Jahr wieder in die Rolle des Märchenkönigs Ludwig II. geschlüpft war, zählt nicht mehr mit, wie viele Autogramme er im Laufe des Rakoczy-Festes schreibt. Ludwig II. von Bayern soll angeblich der Erste gewesen sein, der Foto-Autogramme schrieb. Kurz nach seiner Thronbesteigung 1864 begann er Fotos von sich zu verschenken, die er bisweilen auch unterschrieb. In Bad Kissingen unterschrieb Ludwig II. jedes Autogramm.

Fast unsichtbar im Hintergrund waren wieder die hilfreichen guten Geister für die Honoratioren. Wenn der Bart verrutscht, die Schminke fließt, dann war Birgit Bollwein immer zur Stelle, während Jan Hemmerich ein Auge darauf hatte, dass die aufwendig frisierten Haare richtig saßen. "Die Frisuren sind eine Herausforderung", betont er. Aber es mache Spaß, das Fest hinter den Kulissen miterleben zu können.

Die vielen Besucher auf jeden Fall waren begeistert , was ihnen in Bad Kissingen geboten wurde. "So ein Fest habe ich noch nicht erlebt", schwärmt im Kurgarten eine Würzburgerin.