Laut Statistik war der Landkreis Bad Kissingen noch nie so sicher wie im vergangenen Jahr: Nur 3366 Straftaten registrierten die Polizeiinspektionen Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau zusammen. Das sind 10,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2005, in dem die drei Inspektionen insgesamt 5299 Straftaten erfassten, beträgt der Rückgang sogar 36,5 Prozent. "2015 war das sicherste Berichtsjahr seit langem für unsere Bürger", fasst denn auch Stefan Haschke, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Kissingen, die Situation zusammen.
"Erfreulicherweise setzte sich der positive Trend hin zu einem deutlichen Rückgang der registrierten Straftaten fort", sagt Haschke zufrieden über die PI Bad Kissingen: In den Jahren 2012 und 2013 verzeichnete die größte PI im Landkreis noch jeweils rund 2400 Straftaten, 2014 ging es schon auf 2105 zurück, für das vergangene Jahr stehen nur noch 1831 Straftaten in Haschkes Bericht. Das sind 274 Fälle oder 13,0 Prozent weniger. Damit steuert Bad Kissingen den Löwenanteil zum Rückgang der Fallzahlen bei, allerdings liegen alle drei PIs im Trend: In Hammelburg sank die Zahl der Delikte um 59 oder 6,9 Prozent auf 792, in Bad Brückenau um 70 oder 8,6 Prozent auf 743.
Die PI Bad Brückenau meldet sogar einen Rekord: "Das ist der niedrigste Wert seit Bestehen der Polizeiinspektion", freut sich der dortige Dienststellenleiter Herbert Markert. 743 Straftaten registrierten die Beamten, 554 davon wurden aufgeklärt. Dass die Aufklärungsquote von 74,6 Prozent leicht höher liegt als die im Gesamtlandkreis (71,1 Prozent) macht Markert besonders stolz. In Hammelburg blieb die Aufklärungsquote mit 69,2 nach 69,4 Prozent im Vorjahr annähernd konstant. In Bad Kissingen stieg der Anteil der aufgeklärten Taten von 65,6 Prozent im Jahr 2014 auf 71,9 Prozent im Jahr 2015.


Weit unter Landesdurchschnitt

"Der Trend ist weiter sinkend", blickt auch Alfons Hausmann, Leiter der PI Hammelburg, zufrieden auf seine Kriminalitätsstatistik. In seinem Zuständigkeitsbereich fällt der Vergleich der Straftaten mit der Bevölkerungsdichte auch am besten aus: Hochgerechnet ergeben sich für die PI Hammelburg gerade einmal 2880 Straftaten pro 100 000 Einwohner, in Bad Kissingen wären es 3241 und in Bad Brückenau rund 3900 Delikte pro 100 000 Einwohner. Damit liegt der Landkreis insgesamt etwa bei der Hälfte des bayerischen Durchschnitts von 6350 Straftaten je 100 000 Bürger.
Haschke relativiert jedoch den guten Trend 2015: "Das ist nur eine Momentaufnahme", verweist er auf statistische Effekte. Durch einen Rückstau bei der Bearbeitung hätten sich einige Fälle ins aktuelle Jahr verschoben: "Deshalb haben wir im ersten Quartal 2016 bereits einen Anstieg zu verzeichnen", berichtet Haschke.
Positiv sei, dass es nur wenige Fälle durch Zuwanderer gibt: Trotz Flüchtlingswelle stiegen die Fallzahlen im Bereich der PI Bad Kissingen von 15 im Jahr 2014 auf 37 Fälle im vergangenen Jahr. Bei rund 640 Zuwanderern im Altlandkreis sei das ein geringer Wert: "Die Sicherheitslage ist durch Zuwanderer nicht besonders gefährdet." Seinen Kollegen Herbert Markert macht der erhebliche Anstieg der Betäubungsmittelkriminaliät Sorgen. Und: Die Jugendkriminalität im Raum Bad Brückenau geht zwar weiter zurück, liegt aber immer noch deutlich über dem unterfränkischen Durchschnitt.

"Die Bürger bleiben von schwersten Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit weitgehend verschont", sagt PI-Chef Stefan Haschke über die Sicherheitslage im Landkreis. Der Polizei sei es auch weiterhin wichtig, durch eine hohe Präsenz in der Öffentlichkeit das Sicherheitsgefühl zu verstärken. In vier Kommunen sind die Straftaten besonders stark zurück gegangen: In Burkardroth von 128 auf 92, in Maßbach von 114 auf 53, in Nüdlingen von 86 auf 54 und in Rannungen von 24 auf 10. In Münnerstadt sanken die Fallzahlen von 246 auf 190, in Bad Kissingen von 1269 auf 1172 und in Thundorf von 14 auf 12. Steigerungen gab es lediglich in Bad Bocklet von 121 auf 130 und in Oerlenbach von 115 auf 128.


Mehr Rauschgiftdelikte

Der Rückgang der Straftaten bezieht sich auf die meisten Bereiche, bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um fast zwei Drittel von 32 auf 13. Schwerpunkt bleibt dabei der sexuelle Missbrauch mit neun (2014: 17) Delikten, in vier (elf) Fällen waren die Opfer Kinder. Die so genannten Rohheitsdelikte sanken von 389 auf 299 Fälle, also um 23,1 Prozent.
Eine der wenigen Bereiche, in denen es eine Zunahme gab im Bereich der PI Bad Kissingen bei den Rauschgiftdelikten: Die Zahlen stiegen um 13,3 Prozent von 120 auf 136. Die häufigste Droge ist Canabis mit 58 (2014: 48) Fällen. Die größte Zunahme gab es allerdings bei den Amphetaminen, die 2014 noch in zwölf, 2015 bereits in 25 Fällen nachgewiesen wurden. Die Fälle von Rauschgift-Kriminalität stiegen um 14,0 Prozent von 121 auf 138 Delikte.


Kaum Wohnungseinbrüche

"Wir bleiben zum Glück von Wohnungseinbrüchen weitgehend verschont", freut sich Haschke. Nach zwölf Wohnungseinbrüchen 2014 habe es im vergangenen Jahr noch sieben gegeben. Darunter aber kein einziger Tageswohnungseinbruch. Ein Problem bleibe der Alkohl- und Drogeneinfluss der Täter: Ein Drittel aller Körperverletzungen passierten unter Alkoholeinfluss, insgesamt waren 16,7 Prozent der Tatverdächtigen angetrunken.