65 Bürger aus dem Landkreis haben sich am Donnerstagmorgen auf den Weg in das tschechische Bäder-Dreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad gemacht. "Das passt zur Bewerbung Bad Kissingens als UNESCO-Weltkulturerbe", begründete Landrat Thomas Bold (CSU) die Auswahl des Ziels für die diesjährige Kreistagsfahrt, an der neben den Räten viele Partner und Mitglieder der Landkreis-Verwaltung teilnehmen. Am Samstag Abend kommen sie zurück.
"Wir suchen uns immer Themen aus, die zu uns passen", sagt Bold über den jährlichen Ausflug der Kreisräte. Drei Tage schauen sich die Kommunalpolitiker in anderen Regionen um, im vergangenen Jahr stand mit Baden-Baden bereits ein anderer Weltkulturerbe-Kandidat auf dem Programm: 16 europäische Traditionsbäder von Spa über Bath bis Bad Kissingen bewerben sich gemeinsam um das Prädikat "Great Spas of Europe". Die Federführung hat das tschechische Karlsbad.
Erste Station der Kreistagsfahrt war am Donnerstag das 1793 gegründete Franzensbad. Mit rund 5500 Einwohner ist es das kleinste der drei böhmischen Bäder, verzeichnet aber annähernd so viele Übernachtungen wie Bad Kissingen. Eine genau Zahl konnte der stellvertretende Bürgermeister Jan Kuchar zwar nicht nennen, aber laut Josef Ciglansky, dem Direktor der Bad Franzensbad AG, dem größten Gastgeber am Ort, dürften es rund 1,1 Millionen sein.
Allein seine Gesellschaft mit privaten Teilhabern stelle rund 1500 Betten und 35 000 Gäste im Jahr. Bei einer Aufenthaltsdauer von durchschnittlich 12 Tagen entspricht das bereits rund 400 000 Übernachtungen. Insgesamt gebe es 4000 Betten in Franzensbad, die Auslastung schätzt er auf 80 Prozent. Trotzdem kommt laut Bürgermeister Kuchar nur die Kurtaxe von rund 500 000 Übernachtungen bei der Kommune an. Das liege zum einen daran, dass Gäste über 70 Jahren die Kurtaxe in Höhe von 15 Kronen am Tag, also 50 Cent, nicht zahlen müssen. Zudem verweist Kuchar aber auch darauf, dass in Tschechien die Übernachtungszahl noch nicht umfassend erfasst werde.
Kuchar hofft, dass die gesetzliche Obergrenze von 15 Kronen für die Kurtaxe wegfällt. "Die gilt schon seit 1992. Wir würden unsere Kurtaxe gerne erhöhen, das würde unserem Haushalt gut tun." Sobald es eine Freigabe gebe, würde Franzensbad die Kurtaxe auf einen Euro verdoppeln.
"Ich habe ein einheitliches Ensemble erlebt, wo ist denn die ordnende Hand", wollte CSU-Kreisrat Walter Gutmann wissen. Überraschende Antwort für alle: Es gebe keine zentrale Organisation in dem tschechischen Kurort . Die Bad Franzensbad AG etwa werde weder vom Staat noch von der Stadt finanziell unterstützt, berichtete Direktor Ciglansky. Vielmehr verwalte seine Gesellschaft die 23 staatlichen Quellen mit und verkaufe das Wasser an die Mitbewerber - "aber ohne Gewinn", betonte er.


Stadt setzt auf den Markt

"Der Markt" regle viel, betonte Ciglansky, und: "Es gibt keine Führungskraft". Bürgermeister Kuchar ergänzte: "Ohne Zusammenarbeit kann ein solches Bad nicht funktionieren." Als Beispiel nannte er die Organisation der Promenadenkonzerte: Die Stadt erstelle das Programm, die Gastgeber hätten sich nach längeren Verhandlungen dann darauf geeinigt, dass sie die Kosten nach der Zahl der Betten unter sich aufteilen. Zudem Sorge das örtliche Bauamt dafür, dass die historische Bausubstanz erhalten bleibt.
Über dieses wertvolle Erbe und die Geschichte des Ortes berichtete Stadtführer Walter Dotzauer: Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten - vom Namensgeber Kaiser Franz II bis Goethe - besuchten die Stadt. Die Blütezeit habe sie vor dem Ersten Weltkrieg erlebt, aber die meisten Besucher habe es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. "So viele Gäste wie in der Zeit des Sozialismus wird es nie wieder geben", war sich Dotzauer sicher. Allerdings hätten die Gäste damals auch kostenlos Urlaub gemacht, es habe sie also nicht gestört, dass die Toiletten auf dem Gang waren und das Dach undicht war. Nach der Wende, die in Tschechien Samtene Revolution genannt wird, sei zwar viel investiert worden. Trotzdem gibt es in Franzensbad aber noch jede Menge historische Gebäude, die mitten im Zentrum leer stehen.