Wenn der Kreistag heute den Haushalt abgesegnet hat, beschäftigt er sich auch mit einem Antrag der Grünen-Kreistagsfraktion zum "plastiktütenfreien Landkreis". Die Kreis-Verwaltung soll aufgefordert werden, Geschäfte und Gewerbetreibende für die Aktion zu gewinnen. "Dabei soll ein freiwilliger Verzicht auf die Abgabe von Plastiktüten an Kunden im Vordergrund stehen", fordert Kreisrat Johannes Wegner. Er erhofft sich auch einen Werbeeffekt für den Kreis. Im Einzelhandel wird die Initiative unterschiedlich bewertet.


Selbstverpflichtung des Handels

"Es gibt doch schon seit zwei Jahren eine freiwillige Selbstverpflichtung", sagt etwa Ralf Ludewig, Kreis- und Bezirksvorsitzender des Handelsverbandes Bayern (HBE). Der Aufruf sei an alle Mitglieder seit langem rausgegangen, auch er selbst habe unterschrieben. Die wesentlichen Ziele: Entweder Geld für Plastiktaschen verlangen oder andere Taschen einführen. Er selbst gebe schon lange Papiertaschen aus, und: "Viele bringen auch ihre eigene Taschen mit", berichtet Ludewig. Regelungsbedarf sieht er deshalb keinen: "Der Zeitpunkt wundert mich."
Die "Müller"-Filiale in der Bad Kissinger Fußgängerzone hat zwar noch Plastiktüten, verlangt aber 5 Cent für die kleine und 10 Cent für die große. "Seitdem ist die Ausgabe um mindestens 80 Prozent zurück gegangen", berichtet die stellvertretende Marktleiterin Gertrud Wiegand. Zudem gebe es auch mehrere Mehrweg-Taschen im Angebot. "Die meisten Kunden bringen aber ihre Tasche mit."
Kein einheitliches Vorgehen gebe es in Sachen Plastik-Tüte beim Hammelburger Einzelhandel, berichtet Sebastian Hose vom Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing. Über gemeinsame Taschen sei schon einmal gesprochen worden, aber: "Es gibt wichtigere Themen als die Plastiktüte", verweist Hose auf Leerstand und Innenstadt-Belebung. Er selbst verwende in seiner Apotheke seit vielen Jahren auch Papier-Tüten, vor einem Jahr habe er dann endgültig umgestellt, hat aber noch einen Rest an Plastik-Tüten: "Wenn es mal richtig regnet, will auch mal jemand eine Plastik-Tüte", berichtet er, ansonsten seien die Kunden eher für Papier. Trotzdem hält Hose wenig von einer politischen Initiative.
"Ich finde es gut, dass sich die Politik da einmischt", sagt dagegen Georg Roth von der Werbegemeinschaft Bad Brückenau. Er könne sich eine gemeinsame Aktion vorstellen: Gegen eine Kosten-Beteiligung würden die Geschäfte bestimmt auch das Logo von Stadt oder Landkreis aufdrucken lassen. In der Werbegemeinschaft sei es bislang kein großes Thema gewesen. Ähnlich wie in Hammelburg stehen der Leerstand und Ideen für die Fußgängerzone im Vordergrund. In seiner Drogerie sei die Verpackung ein ganz wichtiges Thema: Auch wenn er noch restliche Plastik-Tüten im Bestand habe, verwende er vor allem Papiertüten für die verpackten Parfumes oder Cremes.


Einheit mit dem Produkt

Schmuckdesigner Malte Meinck hat sich sogar lackierte Papier-Tüten extra anfertigen lassen: "Verpackung und Produkt müssen eine Einheit sein", sagt der Bad Kissinger. Unabhängig vom Produkt habe der Kunde bei ihm Anspruch auf eine hochwertige Verpackung. Heiko Grom von "Pro Bad Kissingen" dagegen hat sich noch nicht festgelegt: Bis Jahresende reicht sein Plastik-Tüten Vorrat. "Dann muss ich mich entscheiden." Das sei nicht ganz einfach, weil Papier gerade bei Regen auch Nachteile habe, und: "Egal welches Material ich nehme, wichtiger ist, dass die Tüte nicht gleich weggeworfen wird."

Termin Der Kreistag kommt heute, Montag, um 14 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes zusammen.

Tagesordnung Beraten wird unter anderem der Kreis-Haushalt samt Finanzplan, die Anhebung der Feldgeschworenen-Gebühren. Zudem werden Ausschüsse neu besetz

366 000 Liter Erdöl werden ungefähr verbraucht, um die Tüten herzustellen, die alleine im Kreis Bad Kissingen benutzt werden: Rund 50 Milliliter pro Tüte.

7,3 Millionen Tüten werden laut Berechnung der Grünen alleine im Landkreis Bad Kissingen jedes Jahr verbraucht. Im Durchschnitt nehme jeder der rund 103 100 Einwohner des Landkreises 71 Tüten im Jahr.