von unserem Mitarbeiter Christian Dijkstal

Bad Kissingen — Ein buntes Bild liegt auf dem Tisch vor Elena Chebli. Farbige Striche, die sich zu Formen verbinden, die wie ein kleines Feuerwerk aussehen. Sie heben sich ab von leuchtenden Farbflächen. "Das ist Irgendetwas", erklärt die Zehnjährige, während sie ihr Werk mit einem Föhn trocknet. "Es ist einfach meine Fantasie. Ich habe Striche gemacht, und es sind Sterne draus geworden." Ihr Bruder Lorenzo, der gemeinsam mit ihr zum Spachtelmalkurs ins Feuertürmle gekommen ist, hat es ähnlich angehen lassen. "Ich habe einfach gemalt, und dann war es ein Wald", sagt er.

Relativ einfache Technik

Marthy Steller-Vrolyk freut sich über die Ergebnisse, die am Montagnachmittag in dem gemütlichen Turmraum, hoch über den Dächern von Bad Kissingen, entstanden sind. Sie ist Künstlerin und leitet den Kurs, den sie für den Bad Kissinger Rhönklub im Rahmen des JuKuZ-Ferienprogramms anbietet. Spachtelmalkurse hat sie schon sehr oft geleitet. "Es ist für die Kinder oft etwas Neues, dass sie machen können, was sie wollen und ihre Fantasie ausprobieren", hat sie beobachtet. "Die Kinder lieben das. Es kommen dabei die schönsten Bilder heraus." Eine relativ einfache Technik ist es; gemalt wird mit dem Spachtel, statt mit Pinseln. Kim-Nico Wirth erläutert, wie das geht. "Wir haben große und kleine Spachtel genommen und die Farbe auf die Leinwand gespachtelt. Man kann Streifen machen, Tupfen und andere Sachen. Jeder macht sein Bild nach seinem eigenen Plan." Ihm gefällt, was die Spachtelmaltechnik außerdem ermöglicht: "Man kann Sand oder andere Sachen in die Farbe geben." Er selber hat Muscheln in sein Ferienbild eingebunden - ein echtes Erinnerungsbild: Die Muscheln hat Kim-Nico von der Nordsee mitgebracht. "Dort waren wir vor einer Woche." Muscheln, Sand und kleine Steine sind beliebt als Zutaten für die Ferienbilder; auch Magdalena Greubel aus Arnshausen hatte sie von zu Hause mitgebracht, um sie in ihr Strandbild ein zu arbeiten. "Ich wollte so etwas immer schon mal machen", sagt sie, die überhaupt gerne malt. Deshalb hat sie sich mit ihrer Schwester Rebecca zum Kurs angemeldet, als sie ihn im Ferienprogramm entdeckt hat. Für sie hat es sich gelohnt: "Es hat mir Spaß gemacht", sagt sie.
Die Zutaten, die das Bild etwas plastischer machen, sind aber kein Muss beim Spachtelmalen. Im Gegenteil: Oft muss die Kursleiterin bremsen, damit nicht zu viele Zutaten das Gemalte überlagern. Michelle Hofmann kommt ganz ohne aus. Auch sie freut sich, dass sie sich ihr Motiv aussuchen konnte. "Ich wollte etwas für meine Mama malen", verrät sie. Sie hat ein großes, rotes Herz auf die Leinwand gebracht, das sich vom blauen Grund abhebt. "Damit es ringsum so leer ist, habe ich Blumen ringsum gemacht." Wie man mit einem Spachtel malt, wusste sie bisher nicht. "Ich male mit allem gern", sagt sie. "Und das Malen mit dem Spachtel ist schön."

Idealer Raum im Feuertürmle

Marthy Steller-Vrolyk macht ein Foto von allen Kindern mit ihren Werken und lobt: "Mir hat es großen Spaß mit euch gemacht. Ihr habt tolle Bilder gemalt." Zwölf Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren haben am Montagskurs teilgenommen, und noch einmal so viele kommen am Mittwochnachmittag in das Feuertürmle. "Der Raum hier ist ideal", sagt die Malerin. "Und es soll etwas Leben hier drinnen sein." Gudrun Hammelmann, die, wie Steller-Vrolyk, beim Rhönklub engagiert ist, hilft bei den Kursen. "Ich mache die Hilfsarbeiten: Malkleidung anziehen, Farbe austeilen, Hände waschen." Beide finden es wichtig, zu zeigen, dass der Rhönklub -wie sie sagen- "nicht nur für Senioren" da sei, sondern auch für Jugendliche etwas biete. "Der Besuch im Feuertürmle hilft, Hemmschwellen zu überwinden", meinen sie. Und durch seine Atmosphäre und den einmaligen Blick rege der Turmraum die Fantasie an.
"Ich arbeite gerne mit Kindern", sagt Steller-Vrolyk. Es reizt sie, dass sie in einer überschaubaren Gruppe individuell auf jedes von ihnen eingehen kann. "Von ihnen, von der Art, wie sie sind, kann ich selber viel lernen." Es sei ihr Bestreben, beschreibt sie ihre Motivation, dass die Kinder etwas bei ihr lernten, um damit zu Hause selber weiter arbeiten zu können. "Sie sollen sehen, dass man aus allem etwas machen kann. Ich möchte ihre Fantasie anregen." Dass sie außer dieser Erfahrung noch eine schöne Erinnerung in Form eines eigenen Bildes mitnehmen, kommt dazu. Elena und Lorenzo wissen schon, dass sie ihre Bilder zu Hause aufhängen werden. Und -wer weiß: Vielleicht hilft das eine oder andere Ferienbild mit Muscheln und Strand, sich in Gedanken ein wenig zu erholen und sich ans Meer zurück zu versetzen, wenn Schule und Alltag in wenigen Wochen wieder das Leben bestimmen.