Noch bis Montag präsentiert der Circus Carl Althoff an vier Tagen sein buntes Programm mit Menschen, Tieren, Sensationen auf dem Festplatz an der Kasernenstraße. Premiere ist am heutigen Freitag um 16 Uhr. Während sich Klein und Groß an der zweistündigen Schau in der Manege erfreuen dürfen, bedeutet Zirkus jenseits der Glitzerwelt harte Arbeit und starken Körpereinsatz.
Bad Kissingen ist erst die vierte Gastspielstation des noch jungen Zirkus-Unternehmens mit dem Traditionsnamen Carl Althoff. "Wir haben den Markennamen gekauft", erklärt Direktorin Joanna Weisheit den Zusammenhang. Sie leitet nicht nur das kleine Privatunternehmen mit 15 Mitarbeitern gemeinsam mit Partner Marcel Frank und dessen Vater, sondern beweist auch noch in jeder Vorstellung ihre Künste als biegsame Schlangen- und Meerjungfrau Arielle.


Akrobatische Einlagen

Partner Marcel Frank ist eher der Mann fürs Grobe, zeigt aber auch mehrfach sein artistisches Können in der Manege - zum Beispiel mit der lustigen Hundenummer. Natürlich tritt er dann unter klangvollem Künstlernamen auf. In der Manege ist eben alles Show. Selbst die Kleinsten kommen da ganz groß raus. Kein Wunder also, dass ausgerechnet sein kleinster Hund auf den Namen Goliath hört. Schnell umgezogen, tritt Frank das nächste Mal als Handstandakrobat auf und türmt unzählige Stühle bis hoch unter die zehn Meter hohe Zirkuskuppel.
Bis zu 800 Personen passen in das große Rundzelt mit 26 Metern Durchmesser. Nicht selten sind alle Plätze besetzt. "Unsere ersten Gastspiele waren sehr erfolgreich", sagt die Direktorin und freut sich schon auf die Kissinger: "Bad Kissingen ist uns als guter Gastspielort bekannt." Wirtschaftlicher Erfolg ist natürlich abhängig von Attraktionen. Die große Pferdedressur mit Stefan Frank, die Trapezkünstlerin Ellis Togni oder der Clown Giuseppe Zarlotti sind nur einige davon. Hauptattraktion sind mit Sicherheit die fünf Löwen, die ihrem italienischen Dompteur Francisco Hernandez aufs Wort gehorchen.
Tiere im Zirkus stehen ständig unter Beobachtung - nicht nur bei Kritikern und Tierschützern. An jedem Gastspielort nimmt das jeweilige Veterinäramt strenge Kontrollen nach festen Gesetzes- und Tierschutzvorgaben vor. Da gibt es veterinäre Merkblätter und Checklisten der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Die amtliche Erlaubnis nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes wird erst erteilt, wenn alle unangekündigten Zufallskontrollen des Tierarztes in Bezug auf Unterbringung, Pflege- und Allgemeinzustand aller Tiere sowie der Umgang mit den Tieren sich als fehlerlos herausstellen.


Seit Generationen im Zirkus

"Unsere Tiere sind teil der Familie, bei uns ist alles in Ordnung", sagt die junge Direktorin und zeigt zum Beweis ihr offizielles Bestandsbuch mit allen erforderlichen Stempeln. Zu den 31 Tieren gehören Pferde, Ziegen, Ponys, Esel, Kamele, Lamas, Hunde und natürlich die fünf Löwen. Während die Hunde zwischen den aufbauenden Handwerkern herum rasen und spielen, liegen die fünf Löwen ziemlich gelangweilt in der Sonne im großen Gitterrund - streng hierarchisch geordnet, der Chef natürlich auf dem obersten Podest. Alle Löwen sind echte Zirkustiere, wurden seit Generationen im Zirkus gezüchtet. "Sie leben fast wie Hauskatzen mit uns. Aber nicht jeder Privatzirkus kann sich Löwen leisten", fügt Joanna Weisheit hinzu Jeder frisst pro Tag fünf Kilogramm pures Fleisch, also 25 Kilo pro Tag für alle fünf Löwen. Das kostet viel und muss hart erarbeitet werden. Deshalb hoffen die Zirkusleute auf guten Besuch. "Besser im Zirkus arbeiten, als dem Staat mit Hartz IV auf der Tasche liegen", ist nämlich die Devise ihres Partners Marcel Frank. Vorstellungen sind am Festplatz an der Kasernenstraße: Freitag 16 Uhr, Samstag 15 und 19 Uhr, Sonntag und Montag jeweils 15 Uhr.