Fast 30 Jahre sammelte Erwin Voll aus Unterebersbach alte und mittlerweile historische Grenzsteine, die er mit etlichen Mühen und sehr viel persönlichem Engagement im Gemeindegebiet von Niederlauer ausfindig machte. Nun übergab er Bürgermeister Richard Knaier seine beeindruckende Sammlung, die künftig vor dem Gemeindehaus in Unterbersbach einen Platz gefunden hat.
Auf der Suche nach alten Grenzsteinen der Gemeinde Niederlauer mit seinen Ortsteilen Unterebersbach, Oberebersbach und Niederlauer stellte Voll fest, dass Unterebersbach ein reines Refugium für alte Grenzsteine war. In Niederlauer und Oberebersbach, wo schon vor längerer Zeit die Flurbereinigung durchgeführt wurde, wurden viele Steine ein Opfer der damaligen Bereinigung. In Unterebersbach konnte Erwin Voll noch zur rechten Zeit viele Steine während des Flurbereinigungsverfahrens retten. Nach alten Flurplänen orientierte er sich auf seiner Suche nach alten Grenzsteinen und suchte besonders an Waldrändern, Feldhainen, Hecken und Steinhaufen, an denen er auch sehr oft fündig wurde.
Sehr ergiebig war die "Untere Au" in Unterebersbach. Viele Steine waren durch die Jahrhunderte durch Hochwasserablagerungen nicht mehr sichtbar und deshalb besonders schwierig zu finden. Aber gerade diese Steine waren noch in einen guten Zustand, da sie nicht der Verwitterung ausgesetzt waren und auch nicht von landwirtschaftlichen Geräten beschädigt wurden. Aber auch in anderen örtlichen Wäldern und Flurbereichen wurde Voll fündig bei seiner akribischen Suche nach alten historischen Grenzsteinen. 85 Steine hat Voll in seinen dreißig Jahren in zwei Ordner eingetragen, katalogisiert mit Bildern von Vorder- und Rückseite der historischen Steine sowie der Lagepläne vor und nach der Flurbereinigung. Somit kann man heute noch die alten Standorte der Steine nachvollziehen und die noch auf ihren Standorten stehende ausfindig machen.
Zu 95 Prozent sind alle Steine geschichtlich erforscht und können dadurch ihrer früheren Bedeutung nachvollzogen werden. Viele Steine stammen aus der Zeit des Besitzes durch das Kloster Bildhausen und den Forstmeistern aus Lebenhan. Unterebersbach und Steinach wurden ja auch vom Fürstentum Würzburg verwaltet.

Fischwasserrechtsteine

Das größte Anliegen von Erwin Voll war, diese historischen Grenzsteine der Nachwelt zu erhalten und sie wieder bei der Flurbereinigung zu verwenden. "Schade, dass dies nur zum Teil gelungen ist", bedauert Voll, dass dies in den Verhandlungen mit der Flurbereinigungsbehörde nur zum Teil gelungen ist, die alten Steine wieder zu verwenden. "29 Grenzsteine sitzen noch an ihren alten Standorten, 14 Steine wurden wieder verwendet, neun Steine sind in Privatbesitz, sieben Steine sind während der Flurbereinigung abhanden gekommen, 21 Steine sitzen auf Gemeindegrund als Anschauungsobjekt, fünf Steine sind in den letzten Jahren gestohlen worden", bilanziert Erwin Voll.
Besonders der Diebstahl von den historischen Grenzsteinen macht Erwin Voll Sorgen, der die Diebstähle rigoros zur Anzeige "gegen Unbekannt" bei der Polizei melden würde. Das Feld der Grenzsteine ist vielfältig und für den Kenner überaus interessant: Ausser den Besitzgrenzsteinen gebe es noch Fischwasserrechtsteine an der Saale und auch die Pfaargemeinde Ebersbach hatte ihre eigenen Grenzsteine mit der Aufschrift "P.F.E." (Pfarrgemeinde Ebersbach").
Unter den 85 Steinen findet man die unterschiedlichsten Aufschriften und Jahreszahlen, ja sogar in römische Zahl oder auch in Spiegelschrift. Vor kurzen wurden von den 21 Steine in Gemeindebesitz 16 alte historische Grenzsteine als Anschauungsobjekt am Gemeindehaus Unterebersbach mit Informationstafel zur Geschichte der Grenzsteine gesetzt. Voll freute sich, dass Bürgermeister Knaier sich für die in unserer Region wohl einzigartigen Sammlung überaus interessiert zeigte und eine Ausstellung intensiv unterstützte.
Erwin Voll beendete somit nach dreißig Jahren seine Forschung nach alten Grenzsteinen und übergab in diesen Zusammenhang an Bürgermeister Richard Knaier zwei wohl gefüllte Ordner, in denen die Grenzsteine katalogisiert sind und künftig ihren Platz im Gemeindearchiv finden werden.
Sein steinernes Hobby sieht er nun als vollendet und freut sich trotz der vielen Freizeit, die er dafür geopfert hatte, der Nachwelt bedeutende Zeitzeugen erhalten zu haben.