Mit mehr als 65.000 Ausleihen steigerte die Bad Kissinger Stadtbücherei im vergangenen Jahr deren Zahl um etwa vier Prozent im Vergleich zu 2012. Allerdings sank im gleichen Zeitraum die Zahl der Entleiher um ebenfalls vier Prozent auf knapp 1800, davon 475 Kinder. Über die fleißigsten Kunden der Stadtbücherei zeigte sich Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) erfreut. Michael Pal spendierte im Namen der Werbegemeinschaft Pro Bad Kissingen den Gewinnern die Buchpreise.

Siegerin bei den Erwachsenen wurde Paula Voll aus Arnshausen. Früher habe sie viel gelesen, erzählt die Rentnerin. Doch seit ihrer Augenkrankheit ist sie auf Hörbücher umgestiegen. "Dabei kann ich sogar stricken." 2013 hat sie es so auf 380 Ausleihen gebracht, mehr als eine pro Tag. "Das kann ich mir selbst nicht erklären", wundert sie sich über das Ergebnis. Am liebsten sind ihr die historischen Romane. Aktuell hört sie den auf neun CDs veröffentlichten Roman "Die Mätresse des Königs" von Alexandre Dumas. Ihr dickstes Hörbuch waren mal 18 CDs.

Tina Rummel (13) aus Steinach kam bei den Kindern mit 159 Ausleihen auf den ersten Platz. Die Schülerin des Münnerstädter Schönborn-Gymnasiums ist Stammgast in der Stadtbücherei, "weil es hier immer aktuelle Titel gibt". Jeden Stadtbummel mit der Mutter verbindet sie mit einem Bücherei-Besuch. Vorher informiert sie sich im Internet über aktuelle Neuerscheinungen. Gerade liest sie die Bücher von Kerstin Gier, die 2008 mit ihrer Edelstein-Trilogie bekannt wurde.

Eine Stunde vor dem Schlafen

"Dass auch Jungs lesen können", wie Oberbürger Kay Blankenburg als Laudator feststellte, hatte Jonas Edelmann (10) aus Aschach im vergangenen Jahr mit 144 Ausleihen bewiesen. Er hat schon immer gern gelesen, früher sogar noch vor der Schule. Seitdem er aber früher raus muss, um rechtzeitig zum Schönborn-Gymnasium zu kommen, bleibt nur noch abends vor dem Schlafen Zeit. "Mindestens eine halbe Stunde lese ich täglich."

Am liebsten sind ihm die Krimis mit den drei Fragezeichen. Manchmal darf es auch Fantasy sein. Aktuell liest der Zehnjährige das "Monstrum House" von Zana Fraillon. Der Roman spielt in einem merkwürdigen Internat, in dem statt Mathe und Englisch Monsterkunde auf dem Stundenplan steht. Jonas: "Spannender als jeder Krimi."

"Das Literaturangebot für Jungens dieses Alters ist wesentlich interessanter geworden", bestätigt Bücherei-Leiterin Gabriele Reichert. Deshalb kämen in letzter Zeit auch mehr Buben in die Bücherei. Dennoch bleibe das Ungleichgewicht: Zwei Drittel ihrer Kunden seien Frauen und Mädchen. Aber seitdem Harry Potter und Nachfolger die Bücherwelt erobert hätten, sei Lesen auch für Jungs interessanter geworden. "Das ist gut so."

Denn der verantwortungsbewusste Umgang mit Büchern und Hörbüchern "ist ein wirksamer Schutz vor Verblödung", stellte Blankenburg fest. Deshalb sei es besonders wichtig, Kinder und Jugendliche zum Lesen zu bewegen. Doch heute sind es nicht nur die elektronischen Medien, die Kinder und Jugendliche vom Lesen abhalten. Das achtjährige Gymnasium fordert ebenfalls volle Aufmerksamkeit. "Ich habe kaum noch Zeit zum Lesen", sagt Schönborn-Gymnasiast Jonas Edelmann leicht frustriert.


Die eifrigsten Leser


Erwachsene Paula Voll (Platz 1 mit 380 Ausleihen) und Gabriele Pfaff (Platz 2 mit 324 Ausleihen).

Kinder Tina Rummel (13 Jahre; Platz 1 mit 159 Ausleihen), Lilli Schaule (11 Jahre; Platz 2 mit 148 Ausleihen) und Jonas Edelmann (10 Jahre; Platz 3 mit 144 Ausleihen).