Von Frank Lynder, Axel Springer und den Eichmann-Akten handelt das Buch, worin Aschenbeck sorgfältig recherchierte Fakten einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte in Romanform zusammengefasst hat. Franz Leuwer, geboren 1916 in Bremen, ist die Hauptfigur des Romans. Der "fast gelernte" Buchhändler kam, wie Aschenbeck ausführte, "aus einer Welt der Bücher" und war eigentlich dazu bestimmt, mit der Buchhandlung Leuwer einmal die größte Buchhandlung in Bremen zu leiten. Doch es kam alles ganz anders.

Schicksal als "Halbjude"


Franz Leuwer, als "Halbjude" und "Mischling" bezeichnet, wanderte 1938 nach England aus, wo seine Schwester bereits lebte. Schikanen, die er erlebt hatte, und Schikanen, die seine Mutter in Deutschland erleiden musste, bewogen ihn, sich als Freiwilliger bei der Army zu melden.

Es ist ein beinahe fantastischer Weg, der den Exilanten über die Offiziersschule schließlich in eine Abteilung des britischen Geheimdienstes führte: Er arbeitete im Bereich "Schwarze Propaganda". Denis Sefton Delmer, der im Auftrag der Political Warfare Executive den deutschsprachigen Soldatensender Calais leitete, wurde nun sein Vorgesetzter und gab ihm zuerst einen neuen Namen: Frank Lynder. Manche Episode klingt, als entstamme sie einem Agentenroman; und tatsächlich war unter den Mitarbeitern des Secret Service auch Ian Fleming: Der Mann, der James Bond erfand.

Nach dem Krieg ging Lynder, wie er für den Rest seines Lebens heißen sollte, nach Deutschland zurück, arbeitete als Journalist in Berlin und kam schließlich nach Hamburg, wo er auf Axel Springer traf, mit dem er zeitlebens befreundet war; er avancierte zu dessen rechter Hand.

"Nicht nur Opferbiografie"


Keiner seiner Kollegen wusste so ganz genau, was er, der als Comictexter bei Springer begonnen hatte, eigentlich machte. Man munkelte, er sei für einen Geheimdienst tätig, doch war man sich nicht sicher, ob Lynder für die Briten oder für den Mossad arbeitete.

Aschenbeck sparte in seiner Lesung das Kapitel "Eichmann-Akten" aus. Es bleibt Interessierten überlassen, selber nachzulesen. Doch hatte gerade ein Artikel, der vor zwei Jahren zu diesem Thema im "Spiegel" erschienen war, Aschenbeck wieder dazu ermuntert, sich mit Frank Lynder erneut und intensiv auseinanderzusetzen. Bereits 2003, als er eine Chronik über die Buch- und Kunsthandlung Leuwer erarbeitete, war ihm das Typoskript von Frank Lynders Autobiografie in die Hände gefallen.

Dank der engagierten Hilfe von Lynders Töchtern und vieler anderer Personen, die mit Lynder in Verbindung standen, konnte Aschenbeck, der an der Universität Vechta Architektur- und Designgeschichte lehrt, in etwa einem halben Jahr intensiver Arbeit an dem Buch ein faszinierendes Porträt einer schillernden Persönlichkeit zeichnen. "Es ist keine wissenschaftliche Biografie", sagte er seinen Zuhörern. "Doch die Basis aller Erzählungen stimmt." Personen, Orte und Jahreszeiten beispielsweise; gelegentlich seien Zitate aus Briefen eingeflossen. "Auch in Dialogen ist der Kern sehr authentisch." Wert legt Aschenbeck darauf, dass der Roman "nicht nur eine Opferbiografie" sei.