Dreizehn Dorferneuerungsprojekte in Unterfranken werden heuer mit vier Millionen Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) bezuschusst. Eines dieser Projekte ist die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes in Waldfenster (Gemeinde Burkardroth). Der Gemeinderat hatte im Herbst die Kostenübernahme für diese Baumaßnahme im Rahmen der von der Kirchenstiftung Waldfenster geplanten umfänglichen Kirchensanierung beschlossen.
Vor genau zehn Jahren hatte die Kirchenstiftung Waldfenster schon einmal beschlossen, den technisch maroden und überaus reparaturbedürftigen Sakralbau, der 1962 als St. Pius-Kirche an die zu klein gewordene, 1804 errichtete Dorfpfarrkirche Mariä Himmelfahrt angebaut wurde, wieder abreißen zu lassen. Die Kosten für die Generalsanierung wären zu hoch gewesen, weshalb man damals noch an einen Ersatzbau gedacht hatte. Doch die Jahre vergingen und nichts geschah. Erst im vergangenen Herbst wurde eine vor zwei Jahren öffentlich vorgestellte Planung des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler unter dem Vorbehalt erhoffter Zuschüsse der Würzburger Diözese und des Freistaates Bayern von der Pfarrgemeinde und dem Marktgemeinderat genehmigt. Nach diesen neuen Plänen ist zwar immer noch der Abriss des Anbaus vorgesehen, doch soll auf einen Kirchenneubau zugunsten der alten Dorfkirche verzichtet werden.
Da allerdings die alte Pfarrkirche, die in den vergangenen 50 Jahren nur noch von kleinen Gruppen für Taufen oder Hochzeiten genutzt wurde, mit maximal 80 Plätzen für die bis zu 150 Kirchgänger der knapp 800 Dorfbewohner zu klein ist, sollen beidseitige Anbauten in Höhe des Altars dem historischen Gotteshaus nicht nur eine neue Kreuzform geben, sondern mit dadurch zusätzlich geschaffenen 60 bis 80 Plätzen dem erhöhten Sitzplatzbedarf bei festlichen Messen gerecht werden. Außerdem wird das alte Kirchenschiff saniert.


Laden wird abgerissen

Zur Schaffung eines repräsentativen Vorplatzes für öffentliche Gedenkveranstaltungen oder Kirchenfeste soll das vor der Kirche stehende Gebäude des früheren Lebensmittelmarktes abgerissen werden. Das aus den achtziger Jahren stammende Haus steht seit etwa fünf Jahren leer und wurde inzwischen von der Kirchenstiftung erworben.
Während die Gesamtkosten von etwa drei Millionen Euro für den Kirchenumbau, die Sanierung des Altbestandes und alle Abrissarbeiten von der Kirchenstiftung getragen werden, hatte sich die Gemeinde bereit erklärt, die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes zu übernehmen. Hierfür sind zuwendungsfähige Gesamtkosten in Höhe von 408 000 Euro kalkuliert. "Wir sind bemüht, den innerörtlichen Zerfall aufzuhalten", nennt Bürgermeister Waldemar Bug (ÖDP) als Grund für die Beteiligung der Marktgemeinde am Kirchenprojekt. "Wir wollen einen akzeptablen Ortskern schaffen, zumal Waldfenster auch eine touristische Bedeutung hat." Erst vor wenigen Tagen traf nun der von der Gemeinde beantragte ELER-Zuwendungsbescheid über die 60-prozentige Förderung in Höhe von 245 000 Euro im Rathaus ein. Während die kommunale Beteiligung damit geklärt ist, sind die Gespräche der Waldfensterer Kirchenstiftung mit der Würzburger Diözese über eine gewünschte finanzielle Unterstützung noch nicht abgeschlossen, weiß Franz-Peter Jörg als Beauftragter für den Kirchenbau, der die Planungen schon seit Jahren begleitet. Sobald auch der kirchliche Zuwendungsbescheid aus Würzburg vorliegt, können die Feinplanungen beginnen. "Wir rechnen frühestens im Frühjahr 2018 mit dem Baubeginn", sind sich Jörg und Bug einig. Die Gemeinde kann erst nach Abschluss aller Abriss- und Baumaßnahmen mit der Neugestaltung des Kirchenvorplatzes beginnen. "Wohl erst 2020, wenn nicht sogar 2021 wird alles fertig sein", so der Bürgermeister.