Dreiecksbeziehungen oder: Drei ist einer zu viel. Im realen Leben genauso wie in der Oper. Doch während eine Dreierbeziehung in Wirklichkeit in aller Regel sehr problematisch ist, scheint es für Opernlibrettisten und -komponisten keine willkommenere Konstellation zu geben als dieses zwischenmenschliche Dreieck. Genug Thematik jedenfalls für das diesjährige Klassik Open Air des Kammerorchesters am Samstagabend im Kurpark des Staatsbades. Und welches Kurbad bietet ein besseres Podium für Dreiecksbeziehungen und Liebesaffären als das königliche Staatsbad von Ludwig und seiner Lola?
Thema des Abends für alle Gäste ebenfalls eine Art Dreiecksbeziehung, die Frage nämlich: Wie soll ich mich in einen lauen italienisch anmutenden Sommerabend hineinfühlen, wenn es gerade mal 14 Grad kühl ist und meine Konzertbegleitung mir ständig das rettende Zipfelchen wärmender Decke stibitzt? Bis in den späten Nachmittag hatte es landesweit wie schon die Wochen zuvor immer wieder stark geregnet, entsprechend wurde sicher bei manchem Musikliebhaber das Open Air vom Terminkalender gestrichen.
Schade, denn die Hartgesottenen - nach Auskunft des Orchestermanagers Pavol Tkac 600 an der Zahl und somit fast nur halb so viel wie in der Vorjahren - wurden trotz des "Rhöner Sommerabends" mit einem Konzertprogramm der allerfeinsten Art belohnt.
Eingestimmt wurden die Ankommenden von den Musikern der örtlichen "Georgibläser". Diese, in voller Besetzung aufspielend, hatten noch ein wenig den Genuss eines lauen Sommerabends, denn die Sonne stand über dem Kursaal, auf dessen Freitreppe das Ensemble sich aufgebaut hatte. Gewohnt fetzig stimmten die Musiker unter ihrem souveränen Dirigenten Andreas Kleinhenz, der das Ensemble leider bald verlassen will, die Zuhörer mit modernen Klängen aus ihrem umfangreichen Repertoire auf das Hauptereignis ein.
Unter dem Dirigat von Michael Balke, einem Spezialisten für Opernaufführungen, und der gewohnt souveränen Moderation der einzelnen Stücke durch Susanne Braun wurden die Zuhörer mit dem "Die Mozartisten”- Walzer von Joseph Lanner, einer Hommage an Mozart, in den Abend eingestimmt. "Ein Tarif-Orchester wäre heute Abend gar nicht auf die Bühne gegangen, wir sind aber ein Projekt-Orchester, spielen also unter allen Bedingungen" so der Orchestermanager Tkac zu den "winterlichen" Umständen für die Musiker, die sich von Stück zu Stück mit der Abendkühle verschärften. Viele Zuhörer verließen ihre Sitzplätze im Verlauf des Konzertabends, um sich durch ein bisschen Bewegung etwas aufzuwärmen. Allein den Musikern half das wenig. Umso begeisternder war die Leistung der beiden Gesangssolistinnen, der Sopranistin Noa Danon und der Mezzosopranistin Lucia Cervoni.
In harmonischem Zusammenspiel ihrer beiden Stimmen mit dem Orchester brachten sie im ersten Teil des Konzert Werke aus Opern Wolfgang Amadeus Mozarts zu Gehör. Später folgten Werke von Gioachino Rossini, Johann Strauss, Georges Bizet und Vincenzo Bellinis.
Offenbar hatten die empfindlichen Stimmen der Sängerinnen und die Finger der Musiker der Rhöner Sommerfrische trotzen können, denn die frenetisch applaudierenden Zuhörer wurden als Zugabe noch mit Leo Delibes "Sous le dome epais" (Blumenduett aus "Lakme") belohnt. Durchkühlt, aber die eingängigen Opernmelodien Mozarts zufrieden summend, machten sich die Zuhörer auf den Heimweg. Bleibt zu hoffen, dass trotz der diesjährigen geringen Zuhörerzahl ein Klassik Open Air 2013 nicht gefährdet ist, was angesichts des hohen finanziellen Einsatzes sicher nicht von der Hand zu weisen sein wird.