Es gibt einen Satz, den Volker Roßbach, seines Zeichens Erfinder und Entwickler häufig hört: "Meinen Sie das ernst?" Volker Roßbach ist 50 Jahre alt, trägt Karohemd zu Jeans, eine Brille ohne Rand und hätte man jemals beschreiben müssen, wie man sich einen Erfinder vorstellt: Volker Roßbach wäre dem Bild sehr nahe gekommen. Still sitzen kann er kaum, er entwickelt Dinge nicht zu Hundert Prozent, sondern zu 120 Prozent und wenn er sagt: derzeit entwickel ich einen Multifunktions-Stand mit einem Entenangel-Spiel - mit einem Ernst, als kämpfe er für den Weltfrieden - kann man das belächeln, man kann es aber auch als das nehmen was es ist: eine Idee, ein Geschäftsmodell und vor allem grenzenlose Leidenschaft dafür, ein gutes Produkt zu entwickeln.


Einmal auf dem Wasser fahren

Roßbach wohnt in Euerbach, ist gelernter Kfz-Mechaniker, hat ein Diplom in Hydrostatik und arbeitet seit mehreren Jahren für die Marketingabteilungen größerer und kleinerer Unternehmen. Er entwickelt, allgemein gesprochen, Werbegags.
Das kann eine Mohrenkopfwurfmaschine, ein heißer Draht für einen Messestand oder eben ein Entenangel-Spiel sein. Das besondere an seinen Erfindungen: Selbsterklärend muss es sein, etwas, das nicht jeder kennt, das Aufmerksamkeit erreigt. Vor allem aber muss es praktisch sein - ohne Werkzeug auf- und abbaubar, mit Ersatzteilen, die unkompliziert auszutauschen sind. Roßbach ist Erfinder. Er ist praktisch veranlagt.
Gebrauchsmuster Nr. 20 2015 104 149 steht auf der Urkunde, darüber prangt der Adler der Bundesrepublik Deutschland, unterschrieben ist das Dokument von Cornelia Rudloff-Schäfer, der Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes. Das "Gebrauchsmuster" ist ein Fahrradanhänger zum Aufstellen eines Werbeplakates. Gebrauchsmuster ist grob gesagt eine andere Bezeichnung für Patent - auch ein Gebrauchsmuster ist geschützt - zehn Jahre, bei einem Patent sind es 20, und bei einem Gebrauchsmuster spielt die erfinderische Höhe keine Rolle. Tag der Eintragung: 18. 8. 2015. Tag der Entdeckung der Erfindung: vor acht Jahren. Da kam die Idee, er hat gebastelt, und irgendwann getestet: Hat die Tage mit dem stärksten Wind in der Rhön abgewartet, ist durch Schnee und Regen gefahren. "Der Anhänger hat alles ausgehalten." Das Material sind Zeltstangen, eine Kiste sorgt unten für Stabilität. "Wenn ein Kind drauffallen würde, alles würde einklappen, es besteht keine Verletzungsgefahr."
Mit den technischen Dingen kennt Roßbach sich aus. Wie man seine Idee einem Patentanwalt richtig präsentiert, welche Förderungen man als Erfinder erhalten kann, das wusste Roßbach nicht.
Und an der Stelle kam das Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrum (RSG) in Bad Kissingen ins Spiel. "Wir wollen den Erfindern und Unternehmen einen Fahrplan geben", sagt Matthias Wagner, Geschäftsführer der RSG. "Fahrplan", sagt Roßbach, "ist das richtige Wort - genau das war es für mich". Auch für Wagner war Roßbach die Art von Erfindertyp, die sie suchen: "Erfinder, die dann auch Unternehmer werden."
Roßbach will seinen Fahrradanhänger ab Sommer vertreiben - am besten in den Fußgängerzonen der großen Metropolen - derzeit ist er in Kontakt mit einer Bio-Kette in Berlin.
An den Ideen im Gründerzentrum mangelt es nicht: Es gibt klassische, technische Erfindungen, wie Schneidsysteme oder Ventilanlagen für die Industrie, es gibt verterinärmedizinische Erfindungen, wie Sattelpads die das Wundscheuern der Pferde verhindern, es gibt Spiel- und Gartengeräte, mal geht es auch nur um Markennamen oder Designrechte und dann, dann gibt es noch die wirklich klassischen Erfindungen, die, die erst ein Kopfschütteln, dann ein Lächeln hervorrufen: eine Fliegenklatsche zum Beispiel, ausgestattet mit einem Schiebemechanismus, der das zerquetschte Tier sauber in den Abfall gleiten lässt oder ein System zur Schienenreinigung für Modelleisenbahnen, speziell entwickelt für die Gleisabschnitte die durch einen Tunnel führen.
Im Schnitt berät das RSG jährlich 40 Unternehmen und Erfinder. In den vergangenen Jahren hat das Zentrum über 300 Beratungen zu allgemeinen Erfindungen durchgeführt und insgesamt 57 000 Euro an Fördermitteln ausgezahlt. Ab April wird ein neues Förderprogramm in Kraft treten, der maximale Förderbetrag von bislang 8000 Euro wird sich auf 16 575 Euro erhöhen. Gefördert werden immer 50 Prozent der tatsächlich anfallenden Kosten. Kosten für die Prüfung, ob die Idee wirklich neu ist, wie die Kosten-Nutzen-Analyse aussieht, Kosten für Prototypen und Marketing, Kosten für die Beratung des Patentanwalts. Und schließlich für die Anmeldung selbst. Je nach Komplexität des Patents kostet eine Anmeldung zwischen 2500 Euro und 5000 Euro.


Ab Sommer am Markt

Die Erfindung von Volker Roßbach wurde mit gut 5000 Euro gefördert. Im Sommer soll sie auf den Markt kommen - vorher will er noch einen finalen Test machen: Als er das erste Mal beim Schifffahrtsamt in Schweinfurt angerufen, und gesagt hatte, er würde gerne mit einem Fahrrad übers Wasser fahren, hatte der zuständige Sachbearbeiter aufgelegt.
Roßbach ist Erfinder. Radfahren auf dem Wasser ist für ihn gleichwertig mit Nutella aufs Brötchen schmieren. Er hat dann nochmal eine E-Mail geschrieben, genauer erklärt, was er möchte und was nicht. Am 16. März kam die Genehmigung. Roßbach ist Erfinder. Er meint es ernst.