Wie jedes Jahr um diese Zeit verschickt das Frauenhaus Schweinfurt einen umfangreichen Sachbericht zum Vorjahr: Viel Statistik, Rückblick auf wichtige Neuerungen, Ereignisse und Resümee über die geleistete Arbeit. Eine Zahl stellte die Leiterin Gertrud Schätzlein an den Anfang ihrer Statistik: 67 Frauen und 84 Kinder hatten 2014 im Frauenhaus Schutz gesucht. So viele wie nie zuvor. Aber weil das Haus viel zu klein ist für den großen Einzugsbereich Main-Rhön, mussten 52 Frauen abgewiesen werden.
Gertrud Schätzlein nutzt diesen Bericht immer, um über positive Entwicklungen zu berichten, um aufzuzeigen, wie viel die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter leisten, aber sie übt regelmäßig auch Kritik an Dingen, die sie seit Jahren fordert, die aber noch nicht umgesetzt wurden. Unter anderem bundesweit gültige Qualitätskriterien für Frauenhäuser und Fachberatungsstellen, obwohl die Frauenhauskoordinierung - eine Vereinigung von Wohlfahrtsverbänden und Einzelträgern - längst solche Empfehlungen erarbeitet habe. Gertrud Schätzlein war unter anderen daran beteiligt.


Der "Runde Tisch" hilft

Nach wie vor unbefriedigend sei auch die Vernetzung in den weiter von Schweinfurt entfernten Landkreisen im Gebiet Main-Rhön. Wer weit weg wohnt, kommt kaum an Informationen über die Hilfsmöglichkeiten. Der sogenannte "Runde Tisch" gegen Häusliche Gewalt in Stadt und Landkreis Schweinfurt mit Vertretern zahlreicher Organisationen, die mit bedrohten Frauen zu tun haben, besteht seit 1996, im Landkreis Bad Kissingen seit 2002. Diesselbe Einrichtung im Landkreis Haßberge kam 2015 nach längerer Pause wieder zustande, im Landkreis Rhön-Grabfeld gab es im November 2014 eine Besprechung aller Beteiligten auf Einladung des Landrats. Schätzlein regt regelmäßige Treffen an.


Hohe Dunkelziffer

Außerdem zitiert sie aus dem Bericht der "Agentur der Europäischen Union für Grundrechte" von 2014, der nicht nur die weltweit verbreitete Gewalt gegen erwachsene Frauen belegt, sondern die körperliche und sexuelle Gewalt anspricht, die Frauen in der Kindheit erfahren haben. In Deutschland suchen nur drei Prozent aller von schwerer Gewalt betroffenen Frauen Kontakt zu einem Frauenhaus und weitere drei Prozent zu einer anderen Opferschutzeinrichtung.


Die Frauen fühlen sich sicher

Ein Schwerpunkt des Sachberichts ist die Befragung der Bewohnerinnen. Von den 57 Frauen, die 2014 auszogen, beantworteten 30 den Fragebogen. 90 Prozent hatten sich sehr sicher gefühlt, die übrigen ziemlich sicher. Als Grund nannten sie die Sicherheitsvorkehrungen, die Anonymität und die Aufmerksamkeit der Mitarbeiterinnen. "Man muss keine Angst haben, dass plötzlich jemand vor der Türe steht", schrieb eine Frau. Eine andere: "Der Mann weiß nicht, wo ich bin". Die meisten fühlten sich gut aufgehoben und betreut, waren dankbar für die Unterstützung bei den Ämtern, auch bei der Kinderbetreuung. Ein Viertel der Frauen fühlte sich rundum wohl. Die übrigen vermissten die Privatsphäre im Frauenhaus, die Eigenständigkeit, die Ruhe und die Möglichkeit, Besuch von Freundinnen oder Verwandten zu bekommen.
Zum Schluss gibt es wie jedes Jahr noch einen Blick auf die Finanzen: Auch 2014 leisteten die Stadt Schweinfurt und die Landkreise Schweinfurt, Bad Kis singen, Haßberge und Rhön-Grabfeld den größten Anteil an der Finanzierung mit 298 283 Euro, das sind 67 Prozent der Gesamtkosten (2013 lag der Anteil bei 70,1 Prozent). Für die ambulante Beratung bei häuslicher Gewalt gaben Stadt und Landkreise 26 062 Euro Zuschuss für eine halbe Stelle, das Land Bayern bezuschusst zwei Stellen. Seit 2009 erhält das Frauenhaus 32 400 Euro, das waren im vergangenen Jahr 7,3 Prozent der Gesamtkosten.


Zuschüsse, Spenden und Hilfen

Die Bewohnerinnen zahlten an Miete und Nebenkosten gut 40 000 Euro. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Trägervereins "Frauen helfen Frauen" leisteten 2014 unentgeltlich 5772 Stunden Rufbereitschaft. Für das Frauenhaus steuerte der Verein 67 732 Euro bei, für die ambulante Beratung noch einmal gut 7000 Euro. Insgesamt musste der Verein also 74 822 Euro für den Betrieb von Frauenhaus und Beratung aufbringen, rund 22 000 Euro mehr als im Jahr davor. Ohne Spenden und Bußgelder wäre das nicht zu leisten, heißt es abschließend.