Nach der steigenden Zahl von Masernerkrankung und dem Tod eines Kindes in Berlin plant die Bundesregierung ein neues Präventionsgesetz (siehe Info-Kasten). Eine Impfpflicht wird wohl nicht darin stehen, allerdings sollen Eltern ab Herbst vor der Eingewöhnung ihres Kindes in einer Kindertagsstätte eine ärztliche Impfberatung nachweisen müssen. Wir haben bei den Kommunen im Landkreis, Eltern, Kitas und einem Kinderarzt zum Thema Masern nachgefragt.

"Wir sind auch geimpft worden, und ich bin eigentlich selten krank", sagt Tanja Sadowski, die in der vergangenen Woche mit ihrem zweijährigem Sohn Paul beim Impfen war. "Ich bin hier gut aufgehoben und vertraue auf die Empfehlungen des Arztes", berichtet sie im Wartezimmer der Kinderarzt-Praxis Andreas Schloßbauer. Bei ihrer sechsjährigen Tochter habe sie sogar eine Impf-Beratung mit gemacht: Einmal im Monat setzt sich Schloßbauer mit Eltern zusammen und beantwortet Fragen.

Info-Abende einmal im Monat

"Mir ist das Thema Impfung sehr wichtig", erklärt Schloßbauer. Gerade bei Masern versuche er, die Eltern mit Sach-Argumenten zu überzeugen - und zwar nicht nur im Praxis-Alltag: Jeden ersten Mittwoch im Monat stelle er sich "impfskeptischen" Eltern. "Ich will den Menschen ein Forum geben, um ihnen die Angst zu nehmen." Am Ende werde niemand zu etwas gezwungen, aber Schloßbauer freut sich, dass er doch die meisten Teilnehmer von der Notwendigkeit der Impfungen überzeugen kann.

Impf-Status wird vermerkt

"Ich persönlich bin eine Impf-Befürworterin", sagt auch Manuela Sauer, Leiterin des Kliegl-Kindergartens in der Stadtmitte. Aus Gesprächen mit Kolleginnen berichtet sie, dass es im Landkreis nur sehr wenige Impf-Gegner gebe. Allerdings wird im Kliegl-Kindergarten auch die gegenteilige Meinung akzeptiert: "Es gibt bei uns in der Einrichtung auch Kinder, die nicht geimpft sind oder erst später geimpft werden."

Wie in fast allen Kitas im Landkreis müssen Eltern im Kliegl-Kindergarten bei der Anmeldung den Impfpass einmalig vorlegen. "Wir vermerken dann, welche Impfungen gemacht wurden", berichtet Manuela Sauer. Und: "Wir beraten Eltern auch gerne." Eine solche Beratung ist im Landkreis eher die Ausnahme, nur wenige Kommunen haben auf unsere Anfrage hin zurück gemeldet, dass das Personal in der Kita zum Thema Impfung geschult wurde.

Kommunen verweisen auf Träger

Überhaupt scheint das Thema in den 26 Kommunen des Landkreises noch nicht richtig angekommen zu sein, obwohl die Gemeinden eigentlich für die Kinderbetreuung zuständig sind: Auf Nachfrage verwiesen die meisten Gemeindeverwaltungen auf die Träger der Kitas vor Ort. "Wie das Thema in den Kindergärten beziehungsweise Krippen gehandhabt wird, ist uns nicht bekannt", heißt es etwa von der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau. Impfgegner gebe es kaum: Nur in Bad Bocklet sei das Thema in einem der drei, in Wildflecken in einem der beiden Kitas ein Thema. Überall sonst wurden keine Probleme mit der Handhabung gemeldet. Das dürfte vor allem daran liegen, dass es im Landkreis laut Staatlichem Gesundheitsamt seit Jahren keinen bestätigten Masernfall mehr gab.


Rund um das Thema Masern

Krankheit Masern erkennt man an Ausschlag auf der Haut und im Mund, hohem Fieber, Husten und Bindehautentzündung. Erwachsene haben neben Fieber auch Gliederschmerzen sowie Durchfall oder Erbrechen. Es gibt laut Experten kaum Therapiemöglichkeiten, die mit der Wirkung von Antibiotika vergleichbar sind. Das Immunsystem Betroffener bleibt für bis zu sechs Wochen geschwächt, der Körper wird anfällig für bakterielle Infektionen. Im Extremfall kann es zu bleibenden Lähmungen, Sprachstörungen und psychischen Störungen kommen. Am gefürchtetsten ist die tödliche Masern-Gehirnentzündung, die oft erst nach vielen Jahren auftritt.

Fallzahlen Mehr als 22 000 Menschen in sieben Ländern haben sich seit Anfang 2014 in Europa mit Masern angesteckt, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. In Berlin erkrankten seit Oktober mehr als 650 Menschen an Masern, ein ungeimpftes Kleinkind starb. Für Bayern hat das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag aktuelle Zahlen herausgegeben: Demnach gab es heuer bereits 70 Masernfälle im Freistaat, im Jahr 2014 waren es 114, im Jahr davor sogar 777. Immer öfter seien junge Erwachsene betroffen.

Impfung Eine Erkrankung lässt sich durch Impfung verhindern. Ziel der Impfungen in Deutschland ist eigentlich eine komplette Ausrottung der Masernviren. Laut Robert-Koch-Institut sind Nebenwirkungen bei Impfungen extrem selten.

Politik Angesichts der jüngsten Masernwelle hält Gesundheitsminister Heiko Maas die Einführung einer Impfpflicht für möglich. Die Bundesregierung plant ein Präventionsgesetz, wonach sich Eltern künftig vom Arzt beraten lassen müssen, bevor sie ihr Kind in die Kita geben. Laut dem Staatlichen Gesundheitsamt Bad Kissingen müssen Impfpässe bereits jetzt bei der Schuleingangsuntersuchung und in der 6. Klasse vorgelegt werden. Bei Impflücken werden die Eltern angeschrieben und beraten.