Bad Kissingen — Es sind schöne, historische Türen, die den Weg zur Tourist-Information im Arkadenbau freimachen. Doch Rollatorenfahrer tun sich schwer, durch diese Pforte zu gelangen. Eine der Schwachstellen in Sachen Barrierefreiheit.
Trotz zahlreicher Unzulänglichkeiten, verglichen mit anderen Kommunen steht Bad Kissingen relativ gut da. Deshalb war die Stadt von der Regierung als Modellkommune "Bayern barrierefrei" ausgewählt worden. Bis Ende dieses Jahres müssen Aktionspläne stehen, die dazu beitragen sollen, dass alle Maßnahmen zur Barrierefreiheit sinnvoll ineinander greifen. Mit diesen Untersuchungen hat die Stadt das Würzburger Büro Dr. Holl beauftragt.

"Leuchtturm-Projekte"

Thomas Wieden vom Büro Holl legte dem Bauausschuss die Ergebnisse der Untersuchungen und der Öffentlichkeitsbeteiligung vor. Diese Erhebungen münden in ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Unter anderem stellte Wieden vier "Leuchtturmprojekte" vor. An erster Stelle steht der barrierefreie Ausbau der Fußgängerzone. Da sei Bad Kissingen mit seiner Planung schon relativ weit.
Weiter forderte Wieden eine barrierefreie Verbindung vom Bahnhof bis zum Berliner Platz und von dort einen behindertengerechten Weg in die Altstadt. Hier beginnen die Probleme laut Wieden schon am Bahnhof, der alles andere als behindertengerecht sei. Gleiches gelte für den Berliner Platz.

Defizit bei den Haltestellen

Außerdem monierte der Planer, dass es so gut wie keine barrierenfreie Stadtbus-Wartestellen in Bad Kissingen gebe. Diese Erkenntnis führt in ein weiteres Leuchtturm-Projekt: Mindestens eine barrierefreie und überdachte Haltestelle in jedem Stadtteil. Geeignete Stellen werden noch ausgesucht.
Das vierte Projekt sieht eine Verbesserung der Zugänglichkeit der Tourist-Info vor. Diese sei barrierefrei derzeit nur über das Kurgarten-Café möglich.
Die öffentlichen Gebäude in Bad Kissingen seien im Großen und Ganzen gut bis sehr gut für Menschen mit Einschränkung der Beweglichkeit ausgebaut. Als Musterbeispiel hatte Thomas Wieden schon im Oktober das Finanzamt bezeichnet. Defizite gebe es in Bad Kissingen allerdings für blinde Mitbürger. Hier sollte ein Blinden-Leitsystem für Kernstadt und Kuranlagen Abhilfe schaffen. Für den Öffentlichen Personennahverkehr empfahl der Planer eine audio-visuelle Fahrgastinformation. Verbesserungsbedarf sieht Thomas Wieden auch im Bereich von Straßenkreuzungen, auf Park- und auf Spielplätzen.

Am 17. Dezember im Stadtrat

In seiner Sitzung am 17. Dezember wird der Stadtrat das Konzept und den Maßnahmenplan verabschieden. Wobei der Maßnahmenkatalog nicht verpflichtend ist. Außerdem wird der Abschlussbericht an die Regierung und an die Oberste Baubehörde weitergeleitet.
Ein Kompliment machte den Planern der Behindertenbeauftragte des Stadtrats, Bernhard Schlereth (CSU). Die Gutachter hätten in kürzester Zeit eine Unmenge von Informationen zusammengetragen. Schlereth, der von Anfang an in die Erhebung mit einbezogen war, sieht ebenfalls große Defizite im Bereich der Bushaltestellen. Am Bahnhof seien die Bahnsteige zu niedrig, behindertengerechte Toiletten fehlten.
Einen Wermutstropfen gibt es. Ursprünglich hatte die Regierung ein Förderprogramm zur Barrierefreiheit angekündigt. Mit der Chance, dass die Modellkommunen zuerst bedient werden. Dieses Programm wurde inzwischen gecancelt. Einzelne Projekte können allenfalls im Rahmen der Städtebauförderung mit bezuschusst werden. Das Gutachten war für Bad Kissingen nahezu kostenfrei. 25 000 Euro übernahm der Staat, 655 Euro die Stadt.