Die Chancen haben sich zerschlagen, dass die Nüdlinger Lebenshilfe ins seit Jahren leerstehende Kaufhaus Schäfer einzieht. Wie Werkstattleiter Martin Denninger erklärt, wären die Investitionen in den Brandschutz zu teuer geworden. "Grob abgeschätzt, würden die Kosten bei zwischen 40 000 und 50 000 Euro liegen", sagt er. Ohne dass weitere versteckte Kosten dazukommen. "Das kann ich nicht verantworten." Die Lebenshilfe könne nicht so hohe Kosten in ein Gebäude investieren, das ihr nicht gehöre.

Die Lebenshilfe hatte eigentlich geplant, die 750 Quadratmeter große Fläche des ehemaligen Edeka-Supermarktes im Erdgeschoss zu mieten. Dort hätte ein Kommissionierung-, Versand- und Logistikbetrieb mit drei bis vier Mitarbeitern Platz finden sollen. Dieses Geschäftsmodell der Lebenshilfe war neu im Entstehen und sollte ausgebaut werden. Mit den Plänen für die neuen Räumlichkeiten wurde das Projekt gleich mit beerdigt. "Die Kundenaufträge, die wir bis dato haben, bearbeiten wir noch. Den Rest habe ich abgesagt", erklärt Denninger.

Seit etwa eineinhalb Jahren hat die Lebenshilfe sich als Logistikdienstleister für Firmen aus den Bereichen Hotellerie, Medizin und Textil betätigt. "Ich sehe das Aus nicht als Rückschlag", meint der Werkstattleiter. Insgesamt war die Belastung zu hoch. Denninger: "Wenn die Widerstände immer größer werden, stimmt etwas mit dem Gesamtprojekt nicht." Der Brandschutz war am Ende eine in einer Kette von Schwierigkeiten.

Nüdlingens Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) ist enttäuscht, dass es nicht gelungen ist, das Kaufhaus wiederzubeleben. "Ich hatte mich so gefreut, wie die Lebenshilfe bei uns angefragt hatte", sagt er. Aus gemeindlicher Sicht gab es keine Bedenken gegen das Vorhaben. Im Gegenteil: "Wenn du so einen Leerstand mitten im Ort weg kriegst, dann bist du richtig froh", meint Hofmann.

"Der Brandschutz muss natürlich gewährleistet sein", sagt Melanie Hofmann, Pressesprecherin des Landratsamtes. Die Behörde hat in einem Vorgespräch mit der Lebenshilfe auf entsprechende Mängel im Gebäude hingewiesen. Bauliche Änderungen sind nach Einschätzung des zuständigen Fachbereichs nötig. Beanstandet wird beispielsweise ein offenes Treppenhaus, das zugemauert werden müsste. Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt ist, dass es zu wenige Brandabschnitte gibt. "Rauch könnte sich dann im ganzen Haus ausbreiten. Das ist zu gefährlich", erklärt Hofmann.

Durch die hohen Brandschut zanforderungen wird es auf lange Sicht noch schwieriger, eine neue Nutzung für das leere Kaufhaus zu finden. Politisch bleiben nicht viele Handlungsmöglichkeiten, meint SPD-Gemeinderat Volker Schäfer. Weil das Kaufhaus in Privatbesitz ist, "können wir nur unterstützend tätig werden", sagt er. Generell fehlen seiner Ansicht nach gute Alternativen: Für Supermarktketten sei das Gebäude nicht attraktiv, weil die Ladezone nicht für heutige Schwertransporter anfahrbar ist.

Ein kommunal subventionierter Dorfladen scheidet aus, weil es in Nüdlingen bereits drei Bäcker, zwei Metzger und einen Supermarkt gibt. Diese dürften nicht benachteiligt werden. "Die Lebenshilfe wäre uns sehr entgegen gekommen", bedauert Schäfer. Die Gemeinde habe an ihr einen verlässlichen Partner und großen Wirtschaftsfaktor.