Normalerweise singen sie. Vom Dorfkind oder auch mal was Afrikanisches. Nur an diesem Wochenende nicht. Da tauschen sie die Notenblätter gegen Küchenschürze und Kochlöffel. Dann verwandeln sich die Sängerinnen und Sänger des Chores ProTon Stangenroth in wahre Küchenmeister. Sie schnippeln, schälen, brutzeln und braten, was das Zeug hält.
Doch es kommt nicht irgendwas in den Topf. Nein, es müssen Kartoffeln sein. Die werden gekocht, gerieben, gestampft, gebacken. Möglichkeiten gibt es da viele. Und das Fleisch ist nur die Beilage. Schließlich wird das Adöpfufest gefeiert - hochdeutsch: Kartoffelfest.
Seit neun Jahren veranstalten die Stangenröther Sänger dieses nun schon, an einem Sonntag im Oktober. Die Idee dazu hatte Annegret Winter, die zweite Vorsitzende des Vereins. "Wir brauchten Geld, um unsere Ausgaben unter anderem für den Chorleiter zu finanzieren. Machen wir halt ein Fest, schlug ich damals vor", erklärt die 56-Jährige, wie sie darauf kam. Doch es sollte nicht irgendeine Party sein, sondern etwas Besonderes. "Und da wir hier auf dem Land leben und es viele Kartoffeln gibt, lag es nahe, ein Kartoffelfest daraus zu machen", sagt sie.
Anfangs holten sich Winter und ihre Mitstreiter noch Unterstützung von einem Catering-Service. Der lieferte die Beilagen, das Fleisch mit Soße. Doch den Leuten schmeckte es nicht, erinnert sie sich. Somit entschlossen sich die Sangesfreunde vor zwei Jahren dazu, alles selbst zu kochen, nicht nur die Kartoffelspezialitäten, sondern auch die dazugehörigen Braten. 2014 war der Erfolg mäßig.


Letztes Jahr ausverkauft

"Doch letztes Jahr haben uns die Leute die Bude eingerannt. Da blieb noch nicht einmal etwas für uns zum Essen übrig", erinnert sich Tamara Mehling, die Annegret Winter bei den Vorbereitungen unterstützt. "Stimmt, da mussten wir uns noch ein paar Rohgeröste (sprich Bratkartoffeln) machen", antwortet sie.
Etwa 150 Portionen mit Fleischbeilage werden am Sonntag serviert. Es gibt gefüllten Schweinekamm in Kreuzbergbiersoße, Schweinelende in Champignonrahmsoße und Putenragout zu den Kartoffelspezialitäten. "Schließlich braucht der Rhöner am Wochenende sein Fleisch", scherzt Annegret Winter, die durchaus auch Gerichte nur um die tolle Knolle anbieten würde. Doch ist das nicht eine Hausnummer zu groß für die ehrenamtlich tätigen Sangesfreunde? Nein. "Ich koche gerne, das ist mein Hobby, da probiere ich immer mal was Neues aus", so die gelernte Fleischereifachverkäuferin. Warum nicht auch mal große Mengen. "Außerdem verwenden wir keine Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe, wir kochen alles mit frischen Zutaten, auch die Soßen", versichert sie.


Qualitätstest beim Probeessen

Schließlich würden immer mehr Leute Unverträglichkeiten haben. "Und, wenn jemand Durchfall bekommt, dann aber nicht von unserem Essen", sagt die gebürtige Rheinländerin und lacht. Schließlich lege man Wert auf Qualität und nicht auf Quantität. Und damit die stimmt, wird vorher zur Probe gekocht.
Neben Spätzle und Serviettenklößen aus Kartoffeln galt es diesmal, Variationen aus Kartoffelbrei zu kreieren. "Wir haben uns vor vier Wochen zu einem Probeessen getroffen. Jeder hat etwas mitgebracht", erzählt Tamara Mehling und zeigt Fotos. Da gab es Kartoffelbrei unter anderem mit Kräutern und Knoblauch, mit Karotte und Ingwer, mit Erbsen und auch mit Meerrettich. Nicht alle Kreationen überzeugten die Jury.
"Der Brei mit Erbsen sah schon gewöhnungsbedürftig aus", gibt sie ehrlich zu. Schließlich entschieden sich die Tester für Kartoffelstampf mit Kräutern und Knoblauch und mit Meerrettich. Parallel dazu werden am Sonntag hausgemachten Reibekuchen angeboten, die in Stangenroth Adöpfu-Pfangelich heißen. "Für den Teig bringe ich immer meinen Thermomix mit", so Mehling. Etwa einen Zentner Kartoffeln, werden am Wochenende von den Sängern verarbeitet. "Dafür stehen wir den ganzen Samstag in der Küche und schälen", erklärt sie. Als Belastung empfinden sie das aber nicht. "Dabei geht es immer ganz lustig zu und es gibt auch das eine oder andere Gläschen Prosecco", fügt Annegret Winter hinzu.

Zur Info:
Programm Am Sonntag, 16. Oktober, werden ab 11.30 Uhr in der Rhönfesthalle Gerichte rund um die Kartoffel mit verschiedenen Fleischbeilagen und Salaten serviert. Ab 13.30 Uhr gibt es dann Kaffee und selbstgebackene Kuchen.