Das Wort Unkraut kommt Roland Lenhart von der Unteren Naturschutzbehörde eigentlich nie über die Lippen: Der passionierte Naturschützer spricht von Bei- oder Wildkräutern, wenn sich etwas in Gärten oder auf Feldern zwischen die Nutzpflanzen einschleicht. Aber eine einzige Ausnahme macht auch Lenhart: "Die Orientalische Zackenschote ist wirklich ein Unkraut, wo sie auftaucht, vertreibt sie alles andere." Am Sodenberg rückte die Behörde dem Einwanderer sogar mit dem Bagger zu Leibe. Winzer, Landwirte und Gärtner kämpfen mit allen möglichen Mitteln gegen die Pflanze.

Leicht mit Raps zu verwechseln

"Wir haben damals auch erst gedacht, dass es Raps ist", erinnert sich der Ramsthaler Winzer Ralf Baldauf an die ersten Pflanzen. So ging es vielen Landwirten und Gärtnern. Auch viele Autofahrer gehen davon aus, dass entlang vieler Straßen im Landkreis im Mai der Raps blüht. Dabei ist alles voller Zackenschötchen: "Wir haben die mittlerweile flächendeckend", sagt auch Lenhart. Selbst in Naturschutzgebieten wie dem Sodenberg macht sie der Behörde Sorgen. "Wir haben jetzt probeweise eine Fläche 30 Zentimeter tief abgeschoben", berichtet Lenhart über die Bekämpfung. Auf dem gut 500 Quadratmeter großen Grundstück würden trotzdem noch einzelne Pfahlwurzeln durchkommen. "Die Fläche steht unter Dauerbeobachtung", sagt Lenhart, einzelne Pflanzen werden jetzt ausgestochen. Mit dem Bagger könne man aber nicht überall anrücken: "Das geht natürlich nur punktuell."

Aufwändige Handarbeit

In den Ramsthaler Weinbergen ist die Bekämpfung Handarbeit: "Wir machen das bei anderen Arbeiten mit, etwa wenn wir jetzt Fehlstöcke ersetzen", erzählt Baldauf. Am besten wirke das Aushacken oder Ausgraben der Wurzeln. Ist die Pflanze zu groß, wird sie selbst vom Mulcher verschont: "Der Stängel ist so stark, dass der Mulcher ihn für eine Weinrebe hält", berichtet der Winzer. Also ist auch hier erneut Handarbeit gefragt: "Das dauert alles seine Zeit", verweist er darauf, dass das Zackenschötchen Arbeitslohn kostet. Und das nicht erst, seit die Baldaufs auf ökologische Bewirtschaftung umgestiegen sind: "Das Zackenschötchen war selbst mit Pestiziden schwer zu bekämpfen."
Selbst die angrenzenden Wegraine mulchen die Baldaufs zum Teil mit. "Dort fühlt sich natürlich keiner verantwortlich." Wenn das Unkraut dort aber erst einmal blühe, sei es zu spät: "Dann geht die Post ab."

Not-Reife nach dem Mähen

Das weiß auch Roland Lenhart: Selbst wenn es während der Blüte gemäht werde, bilde es noch Samen aus, Not-Reife heiße dieses Phänomen. Und: "Die Samen werden durch alles verteilt, selbst durch das Profil von Reifen und Schuhen."
Dem Gerücht, dass das Staatliche Bauamt für die Verbreitung der hartnäckigen Pflanze mit verantwortlich sei, widerspricht Matthias Wacker: "Wir haben die Samenlisten der letzten 20 Jahre durchgeschaut, da war kein Zackenschötchen drin." Vielmehr tue auch das Bauamt alles zur Eindämmung des Unkrauts entlang der Staats- und Bundesstraßen: "So früh wie möglich mähen", laute eine Strategie. Und wenn es bereits blühe, werden die Pflanzen gesammelt und verbrannt oder anderweitig entsorgt.

Begriff Sämtliche Arten, die neu in eine Region kommen, bezeichnete man als Neobiota (von griechisch néos "neu" und bíos "Leben"). Neobiotische Pflanzen nennt man Neophyten, neobiotische Tiere Neozoen und neobiotische Pilze Neomyceten.

Zackenschötchen Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis) wird auch als Türkische Rauke bezeichnet. Das Kreuzblütengewächs (Brassicaceae) blüht von Mai bis August. In Deutschland kommt es im Norden und Süden kaum, aber in den warmen Muschelkalkgebieten Thüringens, Nordbayerns und Hessens seit den 1990er Jahren dafür massenhaft vor. Die zwei-, seltener auch mehrjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 25 Zentimetern bis zwei Metern und wird oft mit Raps verwechselt.

Weitere Arten Andere Neobiota in der Region sind das Springkraut, die Lupine, die Spanische Wegschnecke, der Eichenprachtkäfer, der Signal-Krebs, die Holz-Biene, der Raubwürger-Vogel, die Zipp-Ammer, der Waschbär, die Kirschessigfliege und der Traubenwickler. rr