Wer meint, Zupfmusik sei ein "alter Zopf", musste sich im Bockleter Kursaal eines Besseren belehren lassen. Zum Abschluss ihrer viertägigen Arbeitstagung über Pfingsten auf Burg Rieneck gaben die 30 Musiker des bayerischen Landesjugendzupforchesters ein Konzert, das weitaus mehr Besucher verdient hätte. Doch die 50 Gäste im Saal spendeten den Jugendlichen zwischen zehn und 22 Jahren einen umso herzlicheren Beifall.
Eine musikalisch breite Auswahl von Barockmusik bis zur Uraufführung einer Komposition des 22-jährigen Johannes Kern aus Würzburg zeigte deutlich, in welcher Vielfalt Gitarre und Mandoline einsetzbar sind. Den Anfang machte die "King Arthur Suite" mit Sätzen aus der gleichnamigen Oper von Henry Purcell, für Zupfinstrumente bearbeitet von Julian Habryka (27), der auch als Dirigent des Orchesters auf der Bühne stand.
Wie alle anderen Dozenten (Sonja Kennerknecht, Veronika Schlereth und Peter Kroiß) ist auch Habryka kaum älter als die ältesten Orchestermusiker. Er studiert Neue Musik, Schulmusik und Komposition. Später will er Musiklehrer werden. "Man muss sich als Musiker schließlich sein Einkommen sichern", nannte sein Kollege Peter Kroiß (26) den Grund für die Berufswahl. Kroiß ist Landesjugendleiter im Bund Deutscher Zupfmusiker und Mitglied im Landespräsidium.
"Zupfmusik hat einen ganz eigenen Klang." Kroiß sieht darin den besonderen Reiz von Mandoline und klassischer Gitarre auch für Jugendliche. Diese Liebe zum Instrument war im Bockleter Konzert spürbar: Voller Konzentration gaben sich die Jugendlichen ihrer Musik hin. Die Hälfte von ihnen war schon Preisträger im Wettbewerb "Jugend musiziert", vereinzelt sogar auf Bundesebene. Besonders spürbar wurde diese Professionalität bei Darbietungen in kleiner Ensemble-Besetzung ohne Dirigent wie "Milena" von Mario Macciochi.

Ein breites Programm

So wechselte das Programm zwischen Orchester- und Ensemble-Besetzung, zwischen anspruchsvoller Klassik, schwungvollen Tänzen und schlagerhaften Melodien. Den krönenden Abschluss bildete das von mongolischen Einflüssen geprägte Werk "Ayan Zamdaan" des in China lebenden Robert Zollitsch.
Nicht alle Werke mussten von den Musikern in den vorangegangenen vier Tagen neu einstudiert werden. Vieles gehörte zum Repertoire, nur das von Julian Habryka bearbeitete "Primavera Portena" von Astor Piazzolla nach Vivaldis "Vier Jahreszeiten" und der Tanz "Abmur" von Cedric Buisson (Habryka: "Lesen Sie den Titel mal von hinten") waren neu für die meisten Musiker, die das übrige Jahr über daheim in ihrem örtlichen Orchestern spielen.

Solistin aus Poppenhausen

"Nur drei Mal pro Jahr kommen die Jugendlichen in unterschiedlicher Besetzung an wechselnden Orten zu gemeinsamen Proben zusammen", erzählte Joachim Kaiser, früher Verwaltungsdirektor der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg und heute bayerischer Landesvorsitzender im Bund Deutscher Zupfmusiker. Zum Abschluss jeder Probenzeit gibt es immer zwei Konzerte. Diesmal war es wieder mal über die Pfingstfeiertage. Ein erstes Abschlusskonzert hatte es tags zuvor in der Hammelburger Musikakademie gegeben. Das nachfolgende Konzert in Bad Bocklet war über die aus Poppenhausen stammende Dozentin und Solistin Veronika Schlereth (27) vermittelt worden, die in Regensburg Musik studiert.

"Immer im Fluss"

"Unser Jugendorchester ist immer im Fluss," ist für den Landesvorsitzenden das Besondere. Einen unveränderlichen Musikerbestand gibt es in diesem Zupforchester nicht: Mal scheiden Ältere aus, mal steigen Jüngere ein. Nachwuchssorgen scheint es keine zu geben. "Zupfen" ist eben doch kein "alter Zopf". Im Gegenteil: Im Sommer ist sogar eine Konzertreise nach Frankreich geplant.