Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) leitet das Mediationsverfahren zum Schaeffler-Standort Elfershausen. "Das ist völliges Neuland für mich, deshalb musste ich auch erst einmal überlegen", erzählt sie auf Nachfrage. Am Ende habe sie sich aber für die Leitung der Gespräche entschieden, denn: "Ich finde es gut, dass jetzt mal alle miteinander reden." Das Mediationsverfahren ist im 2006 abgeschlossenen Standortsicherungsvertrag verankert: "Immer wenn sich etwas ändert", könnten die Arbeitnehmer das Verfahren einfordern, berichtet Kastner. "Aber es handelt sich um keine Schlichtung, das Ergebnis ist nicht bindend", schränkt sie ein. Die SPD-Politikerin wurde von den Arbeitnehmern vorgeschlagen: "Aber der Arbeitgeber war immerhin damit einverstanden."

Zur Vorbereitung der Gespräche informierte sich Kastner gestern direkt im Werk Elfershausen: "Wir haben uns alles angeschaut und ich habe jede Menge Unterlagen bekommen." Die arbeite sie nun in den kommenden Tagen durch: Am Montag setzen sich beide Seiten an einen Tisch, Dienstag und Mittwoch geht es weiter, danach arbeitet Kastner in der Art von Schlichtern bei Tarifverhandlungen einen Vorschlag aus. Schaeffler werde vom Personalleiter und anderen Ansprechpartnern der mittleren Führungsebene vertreten: "Die oberste Ebene kommt nicht dazu", berichtet Kastner. Zur Betriebsversammlung morgen fahre Kastner voraussichtlich nicht nach Elfershausen, weil sie sich einen möglichst neutralen Überblick verschaffen wolle.


Treffen mit Aigner in München

Parallel setzen sich Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und Landrat Thomas Bold (beide CSU) in München für den Erhalt des Standortes ein: Am Dienstag trafen sie sich mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zu einem persönlichen Gespräch. Aigner habe berichtet, dass das Ministerium sofort nach Bekanntgabe der geplanten Schließung des Standortes Elfershausen Kontakt mit Schaeffler aufgenommen habe und sich Aigner bereits im Dezember mit dem Vorstandsvorsitzenden Klaus Rosenfeld in München traf.

"Hierbei hatte die Ministerin deutlich gemacht, welche Bedeutung der Unternehmensstandort für die Region hat und wie wichtig die Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort sind", berichtet Kirchner. Ilse Aigner habe auch die Unterstützung der Staatsregierung, im Rahmen der zulässigen Möglichkeiten, angeboten. Der Standort könne zum Beispiel durch Technologieförderung weiter gestärkt oder sogar mit Hinblick auf neue Technologien zukunftsfähig neu ausgerichtet werden. "Am Ende muss aber das Unternehmen entscheiden, ob es diese Option als Chance für den Standort sieht oder nicht", betont Kirchner.

"Ich bin mit den Beteiligten bei Schaeffler im Gespräch", wird Wirtschaftsministerin Aigner in der Pressemitteilung zitiert, und: "Konkrete Maßnahmen können wir aber erst in Angriff nehmen, wenn die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite abgeschlossen sind."

Auch Kirchner und Bold selbst haben nach eigenen Angaben bei Rosenfeld für die Mitarbeiter und den Erhalt der Arbeitsplätze vorgesprochen. "Herr Rosenfeld wurde gebeten alle Optionen zu prüfen, die doch noch den Erhalt des Standortes zur Folge haben", sagte Kirchner. Solange die Verhandlungen unternehmensintern noch laufen, komme Aigner auch nicht nach Elfershausen.

Auch im Wirtschaftsausschuss das Landtages war Elfershausen Thema: "Es ist schwer vermittelbar, dass bei durchaus positiven Geschäftszahlen am Standort ein Standortsicherungsvertrag überhaupt kein Gewicht mehr darstellt und dass das außerordentliche Engagement der Belegschaft in vergangenen schwierigen Zeiten mehr als konterkariert wird", sagt Kirchner. Die Staatsregierung sei aufgefordert worden, die Region strukturell weiter zu entwickeln und neue Technologien anzusiedeln. "Die Staatsregierung und alle politisch Beteiligten haben mehrfach die Situation und Bedeutung des Schaeffler-Standortes an die Unternehmensführung herangetragen und appelliert", ergänzt Landrat Bold. Er hoffe, dass dies bei den Verhandlungen berücksichtigt wird. "Am Ende entscheidet aber das Unternehmen alleine."