105 Elektroautos waren Ende Januar im ganzen Landkreis zugelassen. Wenn es nach dem Willen der Kreistagsfraktionen geht, wird sich das ändern: Künftig sollen deutlich mehr Autos mit Elektroantrieb in der Rhön und im Saaletal unterwegs sein. Der Landkreis will sich insgesamt stärker in Sachen E-Mobilität engagieren. Das hat der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

"Wir sind Biosphärenreservat. Uns steht das Thema gut zu Gesicht", betonte Landrat Thomas Bold (CSU) während der eineinhalbstündigen Diskussion. Der Bad Kissinger Blick richtet sich da natürlich auf Bad Neustadt, das bereits als Modellstadt für Elektromobilität eine Vorreiterrolle einnimmt. Hier soll inhaltlich angedockt werden. "Wir wollen überdurchschnittliche hohe Anteile bei der Elektromobilität erreichen", gab Bold als Ziel aus.


Wichtig für Tourismusstandort

Vorausgegangen war ein umfassender Antrag der CSU-Fraktion. "Wir wissen alle, dass das Thema Elektromobilität wichtig ist und dass es kommen wird", sagte Fraktionssprecher Siegfried Erhard. E-Mobilität leiste nicht nur einen Beitrag zu drängenden globalen Fragen wie Klimaschutz und Ressourcenschonung, sondern sei für den Landkreis als Gesundheits- und Tourismusstandort von besonderer Bedeutung. "Es geht um den Erhalt einer intakten Umwelt und um die Verbesserung der touristischen Infrastruktur", begründete er. Wer in Zukunft mit seinem Elektroauto oder E-Bike in den Urlaub fahre, werde nur in die Rhön kommen, wenn es eine entsprechende Abdeckung mit Ladestationen gebe, so die Argumentation.


Landkreis als Impulsgeber

Die CSU legte einen Sieben-Punkte-Plan vor, um das Thema anzuschieben. Unter anderem solle der Landkreis umgehend ein E-Mobilitätskonzept erstellen, eine flächendeckende Infrastruktur für Ladestationen aufbauen, Fördergelder einwerben, verstärkt das Thema nach außen kommunizieren sowie den kreiseigenen Fuhrpark nach Möglichkeit sukzessive umrüsten. "Der Landkreis muss hier Vorbild sein", sagte Erhard.


Kommunen keine Zahlmeister

"Der Handlungsbedarf ist da. Wir müssen an das Thema rangehen", fasste Oberthulbas Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW-CBB) die Stimmung im Gremium zusammen. Dem Ziel nach waren sich die Kreisräte einig, in Detailfragen wurde kontrovers diskutiert. Schlereth merkte beispielsweise an, dass es nicht Aufgabe der Kommunen sei, mit Steuergeldern die Infrastruktur für die Ladestationen zu schaffen, womit hinterher dann Stromanbieter das Geld verdienen. Landrat Bold stimmte zu: Es sei wichtig, gerade regionale Energieversorger in das E-Mobilitätskonzept mit einzubinden. Sandro Kirchner (CSU) wies darauf hin, dass Kommunen nicht um Investitionen umhinkommen, wenn sie als Standort attraktiv bleiben wollen. "Verschließe ich mich der Entwicklung, finde ich als Kommune nicht mehr statt", erklärte er.


ödp fordert schnelles Handeln

Die ödp begrüßte es zwar, dass die CSU sich der E-Mobilität annimmt, sprach sich zunächst aber dagegen aus, ein aufwendiges Konzept zu erarbeiten. "Was wir brauchen, ist vorrangig Umsetzung", sagte Fraktionssprecher Waldemar Bug. Ziel müsse es sein, kurzfristig die Ladeinfrastruktur deutlich zu verdichten, um den Bürgern Anreize zu geben, sich Fahrzeuge mit Elektroantrieb anzuschaffen. Dafür reicht seiner Ansicht nach ein Minimalkonzept aus: Schnellladeeinrichtungen, die eine Autobatterie in einer halben Stunde laden, werden an Autobahnen benötigt. "Auf dem Land wird vorrangig zu Hause geladen", meinte er. Um E-Autos bei längeren Besorgungen zwischen zu laden, würden 22-Kilowatt-Ladestationen vor allem in zentralen Geschäfts- und Verwaltungsbereichen benötigt.


200 000 Euro Planungskosten

Aus Sicht der Verwaltung ist jedoch ein übergreifendes Konzept geboten, um alle Aspekte bewerten zu können: "Ich denke, dass es sinnvoller ist, mehr als nur die Ladeinfrastruktur aufzunehmen", sagte Kreiswirtschaftsförderer Jürgen Metz.
Am Ende stimmte der Ausschuss gegen eine ödp-Stimme für den Antrag der CSU. Konkret bedeutet das, dass im laufenden Haushalt 150 000 bis 200 000 Euro eingestellt werden, die für die Erstellung des E-Mobilitätskonzeptes gedacht sind. Landrat Thomas Bold ging davon aus, dass der Landkreis wegen guter Fördermöglichkeiten davon am Ende zwischen 30 000 und 50 000 Euro selbst bestreiten muss.