Huppmann wirft dem Vorsitzenden mangelhafte Führungskompetenz sowie fehlenden Weitblick und Verlässlichkeit vor und "vermisst ein respektvolles Verhalten und Disziplin". Auch die Launenhaftigkeit Lipperts, der beispielsweise immer wieder versprach, von seinem Amt zurückzutreten und dann doch wieder kandidierte, nervte die Dirigentin. Sie nimmt für sich in Anspruch, die Musikkapelle zu dem gemacht zu haben, was sie heute ist - ein gut ausgebildetes Orchester mit ausreichend Nachwuchs.
Die Vorwürfe, die für ein gerütteltes Maß an Frustration reichen, wollte Edgar Lippert nicht hinnehmen. Angesichts der Erfolge, darunter das 40. Vereinsjubiläum, die sich in seiner sechsjährigen Amtszeit anhäuften - die allerdings allen Aktiven zu verdanken sind - , nannte er die Vorhaltungen "ungeheuerlich".
"Ich wüsste nicht, dass ich den Kasper gespielt habe oder aus dem Jugendmusikverein einen Bewirtungsverein gemacht hätte, wie mir vorgeworfen wird", verteidigte er sich. Der Krug lief über, als Lippert von einem offenen Brief an die Musiker erfuhr, in dem zu lesen war, dass ihm grundlegende Voraussetzungen für sein Amt fehlen, dass er "Defizite" aufweise und keine Führungsfähigkeiten habe. Als ihm die Dirigentin dann noch empfahl, mit dem Musizieren aufzuhören (was er tat) und sich stattdessen vernünftig um sein Amt kümmern möge, war der Stab endgültig gebrochen.
Lippert, von den Bedingungen der Dirigentin provoziert, habe in der Woche vor der Wahl noch einmal "Stimmung gemacht" und versucht, "Leute auf seine Seite zu ziehen", hörten die rund 50 Anwesenden von Frau Huppmann. "Damit hat er die Mitglieder in zwei Lager gespalten. Einige junge Kandidaten, die für den Vorstandposten in Frage gekommen wären, ließen sich davon abschrecken", bedauerte die Dirigentin, die inzwischen auch die Stadtkapelle Hammelburg musikalisch betreut.

"Nicht kampflos aufgeben"


Mehrere Mitglieder versuchten, den Bruch zu kitten, so Thomas Klose, der "die mangelnde, gegenseitige Wertschätzung der beiden Kontrahenten" beklagte. Doch musste er einsehen, dass "der Graben derzeit nicht zu überbrücken ist". Norbert Schmitts sehnlichster Wunsch ist es, "sich wieder zu vertragen". Und Günther Schlereth "will den Verein nicht kampflos aufgeben". Roland Hofmann trat für eine "saubere Lösung" ein und bat die Dirigentin, vor der Wahl zurückzutreten. Er erinnerte daran, dass Lippert Gründungsmitglied des Jugendmusikvereins ist, die Dirigentin indes Angestellte des Vereins.
Auch Bürgermeister Thomas Hack (CSU), der den Wahlausschuss führte, bat vor dem Urnengang "Animositäten und persönliche Differenzen über Bord zu werfen". Es sei der Wunsch aller, den gut aufgestellten Verein so weiter zu führen. Frau Huppmann blieb jedoch bei ihrem Entschluss. "Ich mag nicht mehr. Es sind meine Nerven", argumentierte sie.
Lippert stellte sich auf Anfrage erneut als Vorsitzender zur Verfügung. Weitere Kandidaten wie Johannes Hammerl und Thomas Fürst lehnten ab mit dem Hinweis: "Unter diesen Umständen nicht". Roland Hofmann beantwortete die Aufforderung an ihn mit den Worten: "Vielleicht in ein paar Jahren".
Harte Worte fand dagegen Udo Tillemann, der bereits einen fast kompletten Vorstand zusammengesucht hatte. Lippert habe versucht, diese Kandidaten abzuwerben, hielt er dem Noch-Vorsitzenden entgegen. Deshalb stehe er, Tillemann, ebenfalls nicht zur Verfügung.
Die Wahl hätte trotzdem stattfinden können. Doch hiermit waren einige Mitglieder nicht einverstanden. Sie sahen sich "in dieser Situation außerstande, zu wählen". Unter anderem auch deshalb, weil nach Lipperts Wiederwahl kein Dirigent zur Verfügung stehe.

Votum verweigert


Hack ließ deshalb erst über den Wahlgang abstimmen. Die Mehrheit verweigerte das Votum. Bis zu einem zweiten Wahlgang, in etwa sechs Wochen, hoffen jetzt nicht wenige Mitglieder auf eine Einigung zwischen Dirigentin und Vorsitzenden. Die Chancen einer einvernehmlichen Lösung tendieren jedoch gegen Null, denn Christine Huppmann will "bis zur nächsten Wahl keine Musikprobe mehr halten".